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Angaben zum Urteil

Statthaftigkeit der allgemeinen Leistungsklage gegenüber einer beigeladenen Krankenkasse - Genehmigungsfiktion nach § 13 Abs 3a S 6 SGB V - Hörgeräteversorgung - Leistung der medizinischen Rehabilitation - Rechtsfolgen der Weiterleitung nach § 14 SGB IX - Hörgeräte als Sachleistung

Gericht:

SG Speyer 16. Kammer


Aktenzeichen:

S 16 R 1005/14


Urteil vom:

24.10.2016


Grundlage:

SGB V § 2 Abs. 2 / SGB V § 11 Abs. 2 / SGB V § 12 Abs. 2 / SGB V § 13 / SGB V § 33 / SGB IX § 2 Abs. 1 S. 1 / SGB IX § 14 / SGB IX § 26 Abs. 2 Nr. 6 / SGB IX § 31 Abs. 1 / SGB X § 31 / SGG § 54 / SGG § 75



Leitsatz:

1. Die allgemeine Leistungsklage ist nach § 54 Abs. 5 SGG gegenüber einer beigeladenen Krankenkasse statthaft, soweit das klägerische Begehren auf den Eintritt einer Genehmigungsfiktion nach § 13 Abs. 3a S 6 SGB V gestützt werden kann. Hierfür bedarf es weder der Kombination mit einer Anfechtungsklage nach § 54 Abs. 1 S 1 SGG noch der Durchführung eines Vorverfahrens bei der Beigeladenen. (Rn. 28)

2. Bei der Versorgung mit Hörgeräten handelt es sich auch im Leistungsrecht der GKV in aller Regel um eine Leistung der medizinischen Rehabilitation, da sie in fast allen Fällen nicht (ausschließlich) der Sicherung eines Behandlungserfolgs, sondern (auch) dem Ausgleich einer Behinderung (§ 2 Abs. 1 S 1 SGB IX) dient. (Rn. 35)

3. Die fristgemäße Weiterleitung eines Antrags nach § 14 SGB IX hat nicht zur Folge, dass der erstangegangene Rehabilitationsträger im Verhältnis zum Antragsteller seine gegebenenfalls bestehende Zuständigkeit für die Leistungserbringung verliert (Anschluss an BSG vom 14.12.2006 - B 4 R 19/06 R = SozR 4-3250 § 14 Nr 3 RdNr 32; entgegen u.a. BSG vom 24.01.2013 - B 3 KR 5/12 R = BSGE 113, 40 = SozR 4-3250 § 14 Nr 19 RdNr 16; BSG vom 20.10.2009 - B 5 R 5/07 R = SozR 4-3250 § 14 Nr 8 RdNr 15 f). (Rn. 40)

4. Eine Weiterleitung nach § 14 Abs. 1 SGB IX schränkt die Wirkung der Genehmigungsfiktion nach § 13 Abs. 3a S. 6 SGB V nicht ein. Bei einer Leistung der medizinischen Rehabilitation (hier Versorgung mit Hörgeräten) steht des § 13 Abs. 3a S. 9 SGB V der Anwendbarkeit des § 13 Abs. 3a S 6 SGB V nicht entgegen (Anschluss an SG Speyer vom 08.04.2016 - S 19 KR 479/14). (Rn. 44)

5. Rechtsfolge der Fristversäumnis ist nach § 13 Abs 3a S 6 SGB V, dass die beantragte Leistung als genehmigt gilt (fingierter Verwaltungsakt) und die Krankenkasse die Sachleistung nunmehr auch zu gewähren hat (Anschluss an SG Speyer - S 19 KR 479/14 aaO). (Rn. 52)

6. Der Anspruch von Versicherten auf Versorgung mit Hörhilfen gemäß § 33 Abs 1 S 1 SGB V ist ein Sachleistungsanspruch, also auf tatsächliche Verschaffung von Hörgeräten gerichtet. Der Sachleistungsanspruch des Versicherten auf die erforderliche Hörgeräteversorgung wird weder durch die Festbetragsfestsetzung noch durch eine Preisvereinbarung zwischen Krankenkasse und Leistungserbringer begrenzt (Anschluss an SG Speyer vom 18.9.2015 - S 19 KR 509/14 = juris RdNr 32 ff). (Rn.67)

Fortsetzung/Langtext


Quelle:

Justiz Rheinland-Pfalz


Referenznummer:

R/R7302


Weitere Informationen

Themen:
  • Genehmigungsfiktion /
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  • Information, Kommunikation /
  • Krankenversicherung /
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Schlagworte:
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Informationsstand: 27.06.2017

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