Inhalt

in Praxisbeispielen blättern

  • Beispiel

Angaben zum Praxisbeispiel

Berufliche Eingliederung eines lernbehinderten Mannes im Lager eines Nähmaschinenherstellers

Arbeitgeber:

Das Unternehmen stellt mit seinen 75 Mitarbeitern Sondermaschinen für die Textilindustrie her.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist lernbehindert. Er wirkt unsicher und kann sich in Auseinandersetzungen gegen die Kollegen nicht behaupten. Der Mann ist behinderungsbedingt nur eingeschränkt fähig komplexe Sachverhalte zu lernen und zu merken.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der lernbehinderte Mitarbeiter arbeitet im Lager, das Einzelteile für die Produktion der Sondermaschinen enthält. Er wurde dort von einem Kollegen eingearbeitet. Seit dieser Kollege in Rente gegangen ist, arbeitet er allein im Lager. Es soll aber in nächster Zeit eine neue Arbeitskraft eingestellt werden, die dann zusammen mit dem lernbehinderten Lagerarbeiter im Team arbeiten soll. Der Arbeitsraum bzw. Arbeitsplatz ist ausreichend beleuchtet und bietet einen höhenverstellbaren Arbeitstisch sowie einen ergonomischen Arbeitsstuhl, auf dem der Mitarbeiter in seltenen Fällen Schreibarbeiten (Nachbestellungen usw.) ausführt. Der lernbehinderte Lagerarbeiter erhält in regelmäßigen Abständen Aufträge, die die Warenlieferung für die Produktion enthalten. In ihnen sind Artikelnummer und Lieferdatum vermerkt. Nach Erhalt der Aufträge werden diese zunächst nach ihrer Fälligkeit und Wichtigkeit geordnet und in einem Ordner abgelegt. Die Aufträge für den heutigen Arbeitstag werden herausgenommen und in eine Ablage gelegt. Um einen Auftrag zu erfüllen, müssen pro Auftragsschein mehrere Teile aus dem Lager zusammengestellt bzw. kommissioniert werden, die allerdings nur eine geringe Größe und ein kleines Gewicht besitzen. Die Aufträge enthalten nur die Nummern der geforderten Teile, daher sind die Regale (15 Regale ca. 4m lang und 2m hoch mit einem ca. 80 cm breiten Gang dazwischen, in denen auf beiden Seiten Teile zumeist in kleinen Plastikbehältern gelagert sind) aufsteigend nummeriert, um die Suche nach den Teilen zu erleichtern. Allerdings hat der Lagerarbeiter die wichtigsten Nummern im Gedächtnis, so dass es ihm nicht schwer fällt, einem Lagerteil die zugehörige Nummer zuzuordnen. Dies ist deswegen notwendig, weil der Vorgesetzte eine Stückliste für jede zu fertigende Maschine zusammenstellt und den entsprechenden Auftrag (Nummern der Teile) an das Lager gibt. Ist jedoch eines der gelieferten Teile defekt, falsch ausgeliefert oder falsch beantragt worden, werden diese zurückgebracht und gegen ein anderes Teil ausgetauscht. Hierzu muss der Lagerarbeiter die Nummer des beanstandeten Teils oder zumindest den Lagerplatz wissen. Bei der Zusammenstellung eines Auftrages werden die geforderten Teile zusammengesucht und in einen kleinen Karton gelegt. Wenn alle Teile beisammen sind, wird der Auftragszettel ausgefüllt und die Lieferung an den Produktionsplatz gebracht, an dem die Teile benötigt werden. Falls bei der Auftragszusammenstellung nicht mehr genügend Teile vorhanden sind, wird dies auf einem Nachbestellschein vermerkt. Aufträge, die nicht vollständig erledigt werden konnten, werden in eine separate Ablage gelegt bis die benötigten Teile nachgeliefert werden.
Wenn bestellte Teile geliefert werden, werden diese von dem Lagerarbeiter auf Qualität und Quantität geprüft, bevor sie in die Regale eingeordnet werden. Er unterschreibt die Annahme der Lieferung selbst und ist daher für die Richtigkeit der Lieferung verantwortlich. Nach Erhalt einer Lieferung wird in der Ablage für nicht vollständig ausgeführte Aufträge nachgeprüft, ob eines der gelieferten Teile in der Produktion dringend benötigt wird. Ist dies der Fall, so wird zunächst dieser Auftrag erledigt, bevor sich die Person wieder ihrer vorherigen Arbeit zuwendet.
Der Lagerarbeiter füllt die ihm zugewiesene Arbeit zur Zufriedenheit seines direkten Vorgesetzten (Meister) aus. Der Arbeitsplatz stellt normale Anforderungen und ist nicht auf irgendeine Art von Behinderung zugeschnitten. Die Arbeiten am vorherigen Arbeitsplatz lagen auf einem niedrigeren geistigen Anforderungsniveau. Nach Aussage des Meisters begründet sich die Versetzung durch Bewährung in der alten Funktion. Der Lagerarbeiter hat sich kontinuierlich in seinem Leistungsniveau gesteigert. Von Zeit zu Zeit gibt der Vorgesetzte kleine Ermahnungen bzgl. der Qualität der Arbeitsausführung, da der Betroffene zur Nachlässigkeit bei mangelnder Kontrolle neigt.

Förderung:

Der Arbeitgeber erhielt zur beruflichen Eingliederung des lernbehinderten Mannes von der Arbeitsagentur einen Lohnkostenzuschuss als Eingliederungshilfe, da er vorher arbeitslos war.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.- Nummer der Arbeitsagenturen.



Schlagworte und weitere Informationen

  • Arbeitgeber /
  • Arbeitnehmer /
  • Arbeitsagentur /
  • Arbeitsaufgabe /
  • Arbeitslosigkeit /
  • Arbeitsorganisation /
  • Auffassung /
  • berufliche Rehabilitation /
  • Betreuung /
  • Einarbeitung /
  • Eingliederungszuschuss /
  • Erwerbstätigkeit /
  • geistige Arbeit /
  • Industrie /
  • Lager /
  • Lagerarbeiter /
  • Lagerung /
  • Lernbehinderung /
  • Lernen /
  • Lieferschein /
  • Logistik /
  • Lohnkostenzuschuss /
  • Maschinenbau /
  • Merken /
  • Metall /
  • Neueinstellung /
  • Organisation /
  • Sorgfalt /
  • Teilhabe /
  • Teilhabe am Arbeitsleben /
  • Vollzeitarbeit /
  • Warenausgang /
  • Wareneingang

  • IMBA - Arbeitsplanung /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Auffassung /
  • IMBA - Lernen/Merken /
  • IMBA - Problemlösen /
  • IMBA - Sorgfalt /
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen) /
  • MELBA - Arbeitsplanung /
  • MELBA - Auffassung /
  • MELBA - Lernen/Merken /
  • MELBA - Problemlösen /
  • MELBA - Sorgfalt /
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)


Referenznummer:

R/PB1879



Informationsstand: 18.03.2010