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Bibliographische Angaben zur Publikation

Die Rolle des Arztes zwischen Rehabilitationsauftrag und Patientenbedürfnis


Autor/in:

Stetten, D. von


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Prävention und Rehabilitation, 1996, 8. Jahrgang (Heft 3), Seite 104-108, München-Deisenhofen: Dustri, ISSN: 0937-552X


Jahr:

1996



Abstract:


Die Medizin, und damit die Rolle des Arztes, hat in den vergangenen 4.000 Jahren Wandlungen erfahren, die den unmittelbaren Einfluss der jeweils herrschenden soziokulturellen Gesellschaft, welcher Ärzte wie Patienten angehören, widerspiegeln. So betrachtet ist die Rolle des Arztes zunächst definiert aus seiner Sozialisation in der ihn umgebenden Gesellschaft, erst in zweiter Linie Ergebnis einer 'zweiten Sozialisation' durch Ausbildung und ärztliche Arbeit im Stand der Ärzte. Konkrete Erwartungen seitens der jeweiligen Gesellschaft haben immer die Rolle des Arztes mitgeprägt, kulturelle, religiöse und philosophisch-ethische Strömungen sie geformt und ihr Grenzen gesetzt. Der Rehabilitationsauftrag entspricht einer Selbstverpflichtung unseres heutigen Staates, Rehabedürftigen mit medizinischen und sozialen Mitteln Hilfe zu geben, ein würdiges und selbstständiges Leben in unserer Gesellschaft zu führen.

Medizinische Rehabilitation ist also der uns vorgegebene äußere Rahmen, in dem wir ärztlich tätig sind. Wie in anderen ärztlichen Bereichen kann auch hier 'Auftraggeber' nur der Patient sein, können Methoden und Inhalte unseres ärztlichen Arbeitens nur definiert sein durch den Stand der medizinischen, psychologischen/ pädagogischen Wissenschaft und nicht durch politisch/ideologisch begründete Vorgaben von außen. Es ist oberste Maxime für das ärztliche Rollenverständnis, das Patientenbedürfnis als subjektive und damit einmalige Grundlage jeder Arzt-Patientenbeziehung zu erfassen. Dabei ist Bedürfnis weder mit Bedarf noch mit Erwartung gleichzusetzen. Ersterer suggeriert Objektivität auf Grund gesellschaftlicher Normierungen, letztere resultiert aus kollektiven Wunschvorstellungen, vom jeweiligen sozialen und politischen Umfeld selbst erzeugt.

Wie auch sonst in der Medizin bedeutet also Arbeiten als Arzt in der Rehabilitation zunächst die individuelle Betreuung subjektiv Bedürftiger in einem gesellschaftlich vorgehaltenen Rahmen. Darüber hinaus sind wir als Ärzte allgemein und hier konkret aufgefordert, in der Gesellschaft und in unserem Reha-Rahmen auf dem Boden wissenschaftlicher Erkenntnis und ärztlicher Erfahrung Kritikfähigkeit zu zeigen gegenüber modischen medizinischen Heilslehren und ideologisch-kollektiven Heilserwartungen, das heißt Verantwortung zu übernehmen für eine wissenschaftlich fundierte Gestaltung und Weiterentwicklung unserer Arbeit und deren äußeren Bedingungen, um unserem jeweils individuellen Auftrag gerecht werden zu können.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

The role of the physician in the conflict between the responsibility for rehabilitation and patient's needs


Abstract:


Medicine and consequently, the role of the physician have gone through changes in the last 4000 years which reflect the direct influence of the prevailing sociocultural society of the time in which both doctor and patient live. Thus viewed, the role of the doctor is primarily defined by his socialization in the surrounding society and only to a smaller degree by his 'secondary socialization' through his training and work in the 'medical guild'.

The concrete expectations of the society of his time have always helped define the medical doctor's role, which has simultaneously been formed, and limited, by cultural, religious and philosophic-ethical currents. The responsibility to rehabilitate patients is a commitment our modern state has voluntarily taken upon itself with the aim of giving those in need of rehabilitation the medical and social means necessary for them to lead a worthy and independent life in our society. Medical rehabilitation is, thus, the external framework in which a physician works.

As in other areas of medicine, here, too, the patient must himself be the one who 'tells' us what to do. Both the methods employed and the content of our medical efforts can be defined only by the state of medical, psychological-pedagogical sciences and not by any externally determined political or sociological preconditions. The primary maxim in understandig the role of the physician is that the needs of the patient are subjective and so form the singular basis of every doctor-patient relationship. The word 'needs' should not, however, be understood in the sense of demand or expectation.

The former suggests a certain objectivity based on social norma, whereas the latter results from the collective wishful thinking of the social and political climate of the time. As is the norm in other branches of medicine, the work of the physician in the field of rehabilitation thus means individual care for patients with subjective needs in a framework established by society.

Furthermore, we doctors in general - and in this field in particular - are called upon both in society and in our 'rehab field' to maintain our critical facilities, when confronted with trends in medicine or with ideological-collective expectations. We must take responsibility for a scientific basis for the organization and continued development of our work and its external conditions in order to do justice to each of our individual fields.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Prävention und Rehabilitation
Homepage: https://www.dustri.com/nc/de/deutschsprachige-zeitschriften/...

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Referenznummer:

R/ZS0115/1602


Informationsstand: 19.12.1996

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