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Bibliographische Angaben zur Publikation

Inklusion

Perspektiven für die Behindertenarbeit unter Berücksichtigung des Wohnens und Lebens in der Gemeinde von Menschen mit Lernschwierigkeiten und mehrfachen Behinderungen



Autor/in:

Theunissen, Georg


Herausgeber/in:

Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.


Quelle:

Fachdienst der Lebenshilfe, 2006, Nummer 2, Seite 8-16, Marburg: Lebenshilfe-Verlag, ISSN: 0944-825X


Jahr:

2006



Abstract:


Bisher hat sich die Behindertenarbeit auf die Prinzipien der Normalisierung und Integration konzentriert. Heute wird sie besonders mit Empowerment, Partizipation und Inklusion konfrontiert. Georg Theunissen thematisiert diesen Perspektivenwechsel und beleuchtet ihn im Hinblick auf Inklusion.

Ausgangspunkt für Inklusion bilden politische Aktionen von behinderten Menschen und deren Angehörigen in den USA. Eine der Errungenschaften ist The Americans with Disabilities Act (ADA), der jegliche Form von Diskriminierung behinderter Menschen verbietet. Vor diesem Hintergrund gilt es nun, Ausgrenzung in allen lebensweltlichen Systemen zu überwinden. Im Fokus steht der Begriff der Inclusive education, der für ein gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern steht.

Für die außerschulische Behindertenarbeit besagt The Arc of New Jersey (1995), dass alle Menschen mit und ohne geistiger Behinderung das Recht haben, in die Gesellschaft integriert zu werden. So sollten Kinder mit geistiger Behinderung zum Beispiel in einer Familie leben, Erwachsene mit geistiger Behinderung sollten unter anderem ein selbstbestimmtes Leben führen können.

In der Deklaration von Madrid wird jedem Menschen das Recht auf eine volle gesellschaftliche Zugehörigkeit zugesprochen. Dafür bedarf es nicht nur einer gestützten Erziehung, sondern der Bereitstellung von Arbeitsassistenz, von Wohnungen und ein unterstütztes Rentnerleben.

Gerade im Bereich des Wohnens hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Heute können Erwachsene mit geistiger Behinderung zwischen verschiedenen Wohnformen, darunter Gruppenwohnungen mit maximal sechs Wohnplätzen, wählen. Integration darf jedoch nicht nur als Unterbringung behinderter Menschen in eine entsprechende Einrichtung gesehen werden. Sie ist oftmals zu sehr auf den Betroffenen fokussiert und bezieht das Umfeld nicht genug mit ein.

Ein weiteres Problem entsteht, wenn sich das System Behindertenhilfe zu einem hochspezialisierten Sondersystem entwickelt, weil es dem Anspruch, für alle behinderten Menschen zuständig zu sein, gerecht werden muss. Die Folge ist ein für den Staat zu teures System.

Die Leitidee der Inklusion bietet die Chance, Behindertenhilfe besser in die Gesellschaft zu integrieren. Um dies zu erlangen, sollte die Behindertenhilfe behinderte Menschen beispielsweise nicht im Lichte ihres Behindertseins fokussieren, sondern als Bürger akzeptieren und behandeln.

Behindertenarbeit hat dort Unterstützungsformen anzubieten, wo Ausgrenzung droht. Ein Konzept zur Sicherstellung von Inklusion ist das Unterstützungsmanagement. Verstanden wird darunter die Organisation einer sozialen Hilfe durch die Mobilisierung von Unterstützungsressourcen. Ein Arbeitsbündnis sollte demnach nicht nur mit einem Professionellen geschlossen werden, sondern Vertrauenspersonen in den Unterstützungsprozess mit einbezogen werden.

Angebote wie Community-based behavioral support sollen Menschen mit schwerer geistiger Behinderung und ihren Familien ein Leben in der Gemeinschaft ermöglichen.

Ein weiteres Programm ist 'Community inclusion'. Dieses bezieht sowohl behinderte als auch nichtbehinderte Menschen mit ein. Geschärft werden soll der Blick für individuelle Bedürfnisse und Möglichkeiten gegenseitiger Unterstützung.

Der Begriff der Partizipation wird nach dem Sozialgesetzbuch als aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gesehen. Dabei geht es immer um den Prozess, bei dem betroffene Menschen eigene Entscheidungen im Hinblick auf ihre Lebensgestaltung treffen können. Partizipation ist somit ein Grundpfeiler des Empowerment-Konzepts und zielt auf ein ausgewogenes Machtverhältnis zwischen Professionellen und Betroffenen. Es ist zudem Grundgedanke von Inklusion.

Im Sinne von Community inclusion sollten Partizipationsmöglichkeiten auf vier Ebenen gegeben werden, auf der Ebene der individuellen Hilfeplanung, der Institutionen und Organisationen, der regionalen und räumlichen Planung und auf der Ebene der Kontrolle der Dienstleistungen.

Ein weiterer Grundwert ist die Selbstbestimmung, die immer in der Interaktion zu sehen ist. Selbstbestimmung ist ein lebenslanger Prozess und muss erschlossen und erfahren werden. Für ein inklusives Unterstützungskonzept müssen vier Themen, nämliche Wahl, Kontrolle, Selbstbewusstsein und Umwelt, beachtet werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Das Erscheinen des Fachdienstes wurde mit der Nummer 4/2008 eingestellt.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0089/0020


Informationsstand: 01.08.2006

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