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Bibliographische Angaben zur Publikation

Aus dem Blickwinkel der Wissenschaft: Sozialstaatssysteme Europas und ihre gesellschaftliche Eingliederung behinderter Menschen

Teil 2



Autor/in:

Bach, Heinz Willi


Herausgeber/in:

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS); Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)


Quelle:

horus, 2007, 69. Jahrgang (Heft 2), Seite 66-70, Marburg: DVBS, ISSN: 0724-7389


Jahr:

2007



Abstract:


Im zweiten Teil des Vortrags von Dr. Heinz Willi Bach anlässlich der Fachtagung im Rahmen der 90-Jahr-Feier der Deutschen Blindenstudienanstalt und des Deutschen Vereins der Blinden- und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. in Marburg kommt der Autor zunächst auf die qualitative Betrachtung der Teilhabe sehgeschädigter Menschen am Arbeitsleben zu sprechen.

In allen drei Ländern sei demnach die Eingliederung in den Arbeitsmarkt schwierig und es herrsche eine hohe Korrelation zwischen der Qualifikation und den Beschäftigungschancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, wobei sich zusätzliche Behinderungen erschwerend auf die Eingliederung auswirkten. Außerdem hat sich die wirtschaftliche Stagnation Deutschlands negativ auf die Einstellungschancen sehgeschädigter Menschen ausgewirkt. Generell seien früh erblindete Menschen in allen Staaten häufiger in Beschäftigung oder arbeitslos registriert als Menschen, die während ihres Berufslebens eine Sehschädigung erleiden. Zusätzlich herrscht in allen betrachteten Ländern eine geringe Einstellungsbereitschaft der Arbeitgeber.

Sowohl in Schweden als auch in Großbritannien schätzen 90 von 100 Arbeitgebern die Möglichkeit der Beschäftigung von sehbehinderten Menschen als sehr schwierig ein. Für diese Länder gilt zusätzlich, dass man durch Einkommen infolge einer Arbeitsaufnahme die Sozialunterstützung verliert. In Deutschland gibt es einige Instrumente, die die beruflichen Eingliederungschancen verbessern und bestehende Beschäftigungsverhältnisse sichern sollen. Seit Jahren besteht das Beratungs- und Unterstützungssystem der Integrationsämter um Beschäftigungsverhältnisse zu begründen und zu sichern. Mit Einführung des SGB IX wurde ein Integrationsfachdienst (IFD) geschaffen, der kompetent und spezialisiert die Eingliederungschancen behinderter Menschen verbessern soll.

Im letzten Fragenkreis der Untersuchung werden spezielle behinderungs- beziehungsweise blindheitsbedingte Kompensationen, Nachteilsausgleiche, Fürsorge-, Versicherungs- oder Versorgungsleistungen dargestellt.

In Großbritannien werden spezielle aufstockende Leistungen bei der allgemeinen einkommens- und vermögensabhängigen Sozialhilfe gewährt. Es gestaltet darüber hinaus eine einkommens- und vermögensunabhängige Behindertenrente, die aus allgemeinen Haushaltsmitteln des zentralen Budgets finanziert wird und nach gleichen Kriterien und in gleicher Höhe geleistet wird.

In Schweden existiert ein Behindertenleistungsgesetz, welches nach Zahl, Art und Grad der Behinderung sowie der Intensität der Beeinträchtigung einen einkommens- und vermögensabhängigen Nachteilsausgleichs gestaltet wird.

In Deutschland wird die einkommens- und vermögensabhängige Blindenhilfe bereits seit 1969 gestaltet. Die Fürsorgeleistung wird je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Ebenfalls unterschiedlich sind die Bezeichnung, die Höhe und die Modalitäten des Blindengeldes.

Der Autor fasst zusammen, dass die Grundleistungen in den drei Ländern ähnlich sind. Deutschland schneidet bei Arbeitsmarkt und Beschäftigung zurzeit am schlechtesten ab. Das Ergebnis korrespondiere mit der Situation auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in Ländern mit konservativen Sozialregimes. Dennoch sind auch in Schweden und Großbritannien die Beschäftigtenzahlen nicht deutlich besser. Hinsichtlich des Nachteilsausgleichs habe sich Großbritannien ein großes Stück vom liberalen hin zu einem sozialdemokratischen Sozialregime gewandelt. Auch Schweden gestaltet eine einheitliche Versorgungsleistung für sehgeschädigte Menschen. In erheblichem Ausmaß diskriminieren die beiden Länder im Gegensatz zu Deutschland alte Menschen mit Sehbehinderung.

Für Deutschland seien Versorgungsleistungen auf hohem Niveau festzustellen. Aufgrund der allgemeinen Finanzprobleme seien die Bundesländer jedoch bemüht, sich hin zu Fürsorgeleistungen zu bewegen und Blindengeldleistungen zu kürzen oder abzuschaffen. Österreich gestaltet ein sozialdemokratisch orientiertes Sozialstaatsregime.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
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Teil 1 des Artikels | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


horus - Marburger Beiträge
Homepage: https://www.dvbs-online.de/index.php/publikationen/horus

Die Fachzeitschrift erscheint viermal jährlich in Schwarzschrift, Blindenschrift und als 'horus digital' auf CD.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0073/6080B


Informationsstand: 22.06.2007

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