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Bibliographische Angaben zur Publikation

Notebooks im Test: Stationäre Rechner oft besser geeignet


Autor/in:

Klamroth, Heike; Padge, Franziska


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihrer Angehörigen e.V. (BAG SELBSTHILFE)


Quelle:

Selbsthilfe, 2008, Heft 2, Seite 32-33, Wuppertal: Delphin-Werbung, ISSN: 0724-5572


Jahr:

2008



Abstract:


Ob am Arbeitsplatz oder zu Hause - der Platz sparende mobile Computer wird immer beliebter. Welches Notebook ist für den Einsatz mit Hilfsmitteln geeignet? Und worauf sollte man beim Kauf achten?

Inzwischen werden in Deutschland mehr Notebooks als stationäre Schreibtisch-PCs verkauft. Wie aber sieht es mit der Nutzbarkeit der mobilen Geräte durch blinde oder sehbehinderte Menschen aus? INCOBS - Informationspool Computerhilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte hat in Zusammenarbeit mit der Stiftung Warentest und dem Berufsförderungswerk, Halle mobile Rechner auf diese Frage hin getestet.

Anfang des Jahres wurden zwölf Geräte der unteren und mittleren Preisgruppe - also eher Geräte für den Privatgebrauch - unter die Lupe genommen:

- Acer TravelMate 7720G
- BenQ Joybook R56.G06
- Dell Inspiron 1521 Gold
- Fujitsu Siemens Amilo Xi2528
- HP Pavilion Media Center dv9580eg
- Hyrican NB NOT01070
- Lenovo 3000 N200 (0769-B3G)
- MSI EX600 YA!-Edition 5226VHP
- Packard Bell EasyNote MX 36-V-051
- Samsung R70-Aura-T7300 Despina
- Sony Vaio VGN A4R41L
- Toshiba Satellite A210-103

Die Ergebnisse
Die Stiftung Warentest hatte bei der Prüfung der allgemeinen Produktqualität fast durchgehend die Note befriedigend vergeben (siehe test, Heft 12/07). Diese Note bezieht sich auf Kriterien wie zum Beispiel Rechnerleistung, Akkulaufzeit und Handhabung der mit Windows Vista ausgerüsteten Notebooks.

Leider nicht so befriedigend fällt die Benotung aus, prüft man die Geräte auf ihre Eignung für Menschen mit Seheinschränkung. Letztlich können die Tester von IN-COBS und das Berufsförderungswerk Halle keines der geprüften Geräte empfehlen. Grund hierfür sind in erster Linie die mangelhaften Bildschirme der Notebooks.

Der Bildschirm
Seit geraumer Zeit haben sich hochglänzende Notebook-Monitore auf dem Markt durchgesetzt. Die so genannten Glare-Type-Displays bieten zwar ein sehr gutes Kontrastverhältnis, haben aber den großen Nachteil, dass sie in hellen Umgebungen extrem spiegeln. Je nach Beleuchtung ist die Bildschirmarbeit für die Augen somit äußerst anstrengend. Obwohl dieser Umstand auch in Fachzeitschriften und Testberichten bemängelt wird, setzen die meisten Hersteller unverändert auf Vollglanz.

Immerhin waren im aktuellen Test zwei Notebooks (BenQ und Hyrican) mit mattem Bildschirm vertreten. Aber Vorsicht: für Hilfsmittelnutzer sind diese Monitore trotzdem nicht empfehlenswert. Die Wiedergabe bewegter Bilder erwies sich im Test als unzureichend.

Die gängige Bildschirmgröße liegt heute bei 15 Zoll. Als optimale Bildschirmauflösung wird in der Regel 1280 x 800 genutzt, was Schrift und Symbole sehr klein erscheinen lässt. Wer keine spezielle Vergrößerungssoftware nutzen möchte, der kann die Bildschirmauflösung verkleinern, so dass die Inhalte größer erscheinen. Diesen Vorgang nennt man Interpolation. Das Problem dabei: die Bildqualität kann sich verschlechtern, das Bild wird unscharf. Im praktischen Test von INCOBS passierte das jedoch kaum, die Notebooks schnitten mit gut oder befriedigend ab.

Anstatt die Auflösung zu verkleinern, kann man übrigens auch die Windows Vista-Bildschirmeinstellung nutzen. Neben einer Lupenfunktion gibt es im Center für erleichterte Bedienung die Möglichkeit, Farben und Kontraste individuell anzupassen. Nahe liegend ist schließlich auch die Anschaffung eines größeren Notebooks. Ein 17 oder 19 Zoll-Gerät ist zwar etwas schwerer, kann die Arbeit aber um einiges erleichtern.

Nutzung mit Hilfsmitteln
INCOBS hat geprüft, wie gut sich die Notebooks für die Arbeit mit Vergrößerungssoftware oder Kameralesegerät eignen. Ein Problem bei der Hilfsmittelnutzung stellt häufig der so genannte Nachzieheffekt dar. Bewegte Objekte, wie zum Beispiel die Laufschrift der Vergrößerungssoftware, ziehen dann einen Schleier hinter sich her. Im praktischen Test enttäuschten alle Monitore. Der Nachzieheffekt trat so stark auf, dass die Geräte für den Einsatz mit Hilfsmitteln nicht zu empfehlen sind.

Die Tastatur
Die Notebook-Tastaturen wurden von den Experten als insgesamt recht klapprig beschrieben, besonders der durchgängig schwache Tastendruckpunkt wurde kritisiert. Am schlechtesten schnitt die Tastatur des BenQ Joybooks mit einem ausreichend ab, die restlichen elf Geräte erhielten befriedigend.

Für blinde Nutzer ist ein Extra-Nummernblock für die Arbeit mit Screenreader äußerst hilfreich. Immerhin fünf Modelle bieten diesen Vorteil: Acer, HP, Fujitsu Siemens, MSI und Packard Bell. Allerdings sind bei Acer, HP und MSI die Audioanschlüsse an der Frontseite angebracht, was bei der Nutzung einer Braillezeile sehr störend sein kann.

Tipps zum Kauf
Stark spiegelnde Bildschirme, klapprige Tastaturen - die geprüften Geräte der unteren und mittleren Preisklasse haben den INCOBS-Test nicht bestanden. Vor allem sehbehinderten Nutzern ist eher zum Kauf von Business-Notebooks zu raten. Diese sind speziell für die Anforderungen an Arbeit und Beruf entwickelt und als großer Vorteil häufig mit mattem Bildschirm ausgestattet.

Muss es wirklich ein Notebook sein? Diese Frage sollte man sich tatsächlich stellen. Denn während am stationären Arbeitsplatz die Bestandteile Bildschirm, Tastatur und Rechner individuell kombiniert werden können, muss das Notebook als Gesamtpaket gekauft werden. Und da gibt es meistens Einschränkungen: Kleinerer Bildschirm, wenig ergonomische Tastatur, geringere Rechnerleistung.

Wer sich trotzdem für ein Notebook entscheidet - da der Vorteil der Mobilität überwiegt, sollte auf jeden Fall versuchen, im Fachhandel das Gerät vorab auszuprobieren, um Bildschirm und Tastatur selbst beurteilen zu können.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Selbsthilfe
Das Erscheinen der Zeitschrift wurde Ende 2015 eingestellt.
Homepage: https://www.bag-selbsthilfe.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0066/6735


Informationsstand: 19.08.2008

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