Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Bestandsaufnahme und Zukunft der Rehabilitationsforschung in Deutschland


Autor/in:

Koch, Uwe; Lehmann, Claudia; Morfeld, Matthias


Herausgeber/in:

Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW)


Quelle:

Die Rehabilitation, 2007, 46. Jahrgang (Heft 3), Seite 127-144, Stuttgart: Thieme, ISSN: 0034-3536


Jahr:

2007



Abstract:


Zu Beginn der 90er Jahre bestand im Bereich der medizinischen Rehabilitation in der Bundesrepublik Deutschland eine große Diskrepanz zwischen den hohen Aufwendungen für die medizinischen Rehabilitation und den vergleichsweise geringen Bemühungen um eine wissenschaftliche Fundierung der rehabilitativen Praxis.

Ab Mitte der 90er Jahre sind eine Reihe von Veränderungen für die Entwicklung der Rehabilitationsforschung im universitären und außeruniversitären Bereich zu verzeichnen. Eine große Bedeutung für die Weiterentwicklung der Rehabilitationsforschung kommt dem rehabilitationswissenschaftlichen Verbundforschungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Rentenversicherung zu.

In acht regionalen Forschungsverbünden wurden im Rahmen von zwei dreijährigen Förderphasen 160 Projekte mit einem Fördervolumen von 40 Millionen Euro gefördert. Mit diesem Verbundsforschungsprogramm sollten nicht nur inhaltlich wichtige Fragen bearbeitet werden, sondern stabile Strukturen für eine längerfristig angelegte Rehabilitationsforschung geschaffen werden.

In dem Artikel werden die inhaltlichen Schwerpunktthemen der acht geförderten Verbünde (Rehabilitationswissenschaftlicher Forschungsverbund Bayern (RFB), Reha-Forschungsverbund Berlin-Brandenburg-Sachsen (BBS), Rehabilitationswissenschaftlicher Forschungsverbund Freiburg/Bad Säckingen (RFV), Rehabilitationswissenschaftlicher Forschungsverbund Niedersachsen/Bremen (RFNB), Norddeutscher Verbund für Rehabilitationsforschung (NVRF), Nordrheinwestfälischer Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften (NWFR), Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt/Mecklenburg-Vorpommern (SAMV), Rehabilitationswissenschaftlicher Forschungsverbund Ulm (RFU) sowie die erreichten Maßnahmen für die Verstetigung skizziert.

Die Forschungsverbünde bearbeiteten unter verschiedenen übergeordneten Themenschwerpunkten jeweils eine größere Anzahl rehabilitationswissenschaftlicher Fragestellungen. Nach Abschluss der Förderphasen sollten Forschungsstrukturen entstanden sein, die eine Weiterführung rehabilitationsiwssenschaftlicher Studien ermöglichen.

Der Auf- und Ausbau neuen Forschungsstrukturen ist in allen Verbünden erfolgreich realisiert worden und es bestehen in allen Forschungsverbünden enge Kooperation zwischen Hochschuleinrichtungen, Rehabilitationseinrichtungen und Rehabilitationsträgern.

Weiterhin sind in allen Regionen die für eine Verstetigung dieser Forschungsinfrastrukturen grundlegende Bedingungen vorläufig gesichert. Allerdings bestehen unterschiedliche Voraussetzungen und Lösungen für die Weiterfinanzierung und große Unterschiede in den Förderinstrumenten.

In dem Artikel wird nachfolgend eine Übersicht über indikationsübergreifende Themen der Rehabilitationsforschung, darunter Epidemiologie und Rehabilitationsbedarf, Assessment, Outcomekriterien, Reha-Diagnostik, ICF, Patientenorientierung in der Rehabilitation, Fallgruppen, Patientenklassifikation, berufliche und berufsorientierte Rehabilitation, geschlechtsspezifische Aspekte der Rehabilitation, Qualitätssicherung, Evidenzbasierung und Leitlinien sowie Reha-Ökonomie der Rehabilitationsforschung bezüglich des aktuellen Forschungsstandes analysiert. Benannt wurden auch Themen mit besonderer Priorität, beispielsweise muskuloskelettale Krankheiten, Kardiologie, Neurologie, Onkologie, Psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen in der Rehabilitation.

Anschließend werden Entwicklungen in den Forschungsstrategien und notwendige Weiterentwicklungen in den methodischen Ansätzen der Rehabilitationsforschung erläutert. Die Rehabilitationsforschung unterliegt besonderen Anforderungen und so sind für eine Bewertung des Rehabilitationsprozesses zahlreiche Indikatoren und mehrere Datenebenen notwendig. Aufgrund der Beteiligung unterschiedlicher gesundheitswissenschaftlicher Disziplinen kommt der Kommunizierbarkeit von Befunden neben der angemessenen Abbildung und Integration von Effekten ein besonderer Stellenwert zu.

Abschließend bewerten die Autoren die Forschungsförderung im Rahmen des Verbundforschungsprogramms. Die Rehabilitationsforschung habe in den letzten Jahren eine sehr dynamische Entwicklung erfahren. Das Programm zielte sowohl auf die Weiterentwicklung der Forschungsdisziplin als auf die Verbesserung der strukturellen Voraussetzungen für eine längerfristig angelegte rehabilitationswissenschafltiche Forschung ab. In den Forschungsverbünden kam ein breites Spektrum von Ansätzen und Untersuchungsverfahren zur Anwendung. Insgesamt habe die Rehabilitationsforschung durch das Förderprogramm einen erheblichen Schub erhalten. Weiterhin habe das Forschungsprogramm zu einem erheblichen Nutzen im Sinn einer Verbesserung der Wertschätzung der Rehabilitation insgesamt geführt.

Trotz der Fortschritte und Erkenntnisgewinne gelte jedoch, dass wichtige Bereiche des Handelns in der medizinischen Rehabilitation nach wie vor durch eine zu schwach ausgeprägte Evidenzbasierung gekennzeichnet sind. Die Autoren heben zum Schluss noch einige Themen von besonderer Bedeutung für die Weiterentwicklung der medizinischen Rehabilitation und Rehabilitationsforschung hervor.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Die Rehabilitation - Zeitschrift für Praxis und Forschung in der Rehabilitation
Homepage: https://www.thieme.de/de/rehabilitation/profil-1887.htm

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0063/6244


Informationsstand: 11.09.2007

in Literatur blättern