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Bibliographische Angaben zur Publikation

Alkohol am Arbeitsplatz - Konfrontation oder Verständnis?


Autor/in:

Kolitzus, Helmut


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Behindertenrecht, 1994, 33. Jahrgang (Heft 2), Seite 32-37, München: Boorberg, ISSN: 0341-3888


Jahr:

1994



Abstract:


Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz unterliegt den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie in der übrigen Gesellschaft. Er verursacht einen steigenden wirtschaftlichen Gesamtschaden zuletzt in Westdeutschland allein von 30 Milliarden DM pro Jahr.

Einige Zahlen veranschaulichen dieses: ein Alkoholkranker bringt im Schnitt nur 75 Prozent der sonst üblichen Arbeitsleistung, fehlt 16-mal häufiger, ist 2,5-mal häufiger krank, 3,5-mal häufiger in Betriebsunfälle verwickelt und fehlt 1,4-mal länger als ein nicht alkoholsüchtiger Mitarbeiter. Alkoholbedingte Folgeerkrankungen führen zudem oft zu Frühberentungen und frühem Tod der Betroffenen, häufig noch im erwerbsfähigen Alter, so dass der Gesellschaft zahlreiche Erwerbstätigkeitsjahre verloren gehen.

In jeder Belegschaft sind mindestens 6 Prozent, bei einer älteren und überwiegend männlich strukturierten auch leicht 10 Prozent der Mitarbeiter alkoholabhängig. Auch jenseits der Gruppe der manifest Alkoholkranken, spielt der gelegentliche Alkoholmissbrauch eine bedeutende Rolle, zum Beispiel bei durch Restalkohol verursachten Betriebsunfällen und bei verminderter Arbeitsleistung. Vor einer Intervention am Arbeitsplatz besteht meistens schon eine 6- bis 8-jährige definitive Abhängigkeit.

Daher sollte das Ziel aller präventiven Bemühungen sein, im Sinne der sekundären Prävention viel früher einzugreifen. Voraussetzung für eine Intervention sind Kenntnisse über die Merkmale einer Suchtkarriere, zum Beispiel über den Entstehungshintergrund einer Sucht, das sog. Suchtdreieck mit seiner dialektischen Wechselwirkung zwischen Person, Droge und Umwelt. Die Identifizierung des Problems und eine Intervention seitens der Mitarbeiter oder Vorgesetzten wird zudem häufig durch den Widerstand des Betroffenen (Leugnung, Herabspielen, etc.) erschwert.

Als Diagnoseinstrumente wurden der Kurzfragebogen für Alkoholgefährdete (KfA) zur Selbstbeurteilung und der Münchner Alkoholismustest (MALT) zur Fremd- und Selbstbeurteilung entwickelt. Diese Tests können für Vorgesetzte und Kollegen hilfreich sein, um sich inhaltlich die Anzeichen des Alkoholmissbrauchs klarzumachen. Für Betroffene können diese Tests einen Anreiz zur Selbstreflektion darstellen.

Der Artikel informiert ferner über typische soziale Verhaltensweisen Alkoholkranker in unterschiedlichen Suchtphasen, sowie die ihrer Mitarbeiter in bestimmten Phasen der Bewusstwerdung des Problems. Er zeigt unterschiedliche Möglichkeiten innerbetrieblicher Problemlösung und deren Folgen für den Betroffenen auf und fordert insbesondere die Etablierung innerbetrieblicher Suchtarbeitskreise, die ein offenes Herantreten an das Problem verwirklichen sollen.

Dabei sollte eine Gesprächstaktik stets das Muster KLAR verfolgen. K steht für Konfrontation (mit Fakten) und Konsequenz, L für Lenken, aber auch Loslassen, A für Abgrenzen und R für Ruhe bewahren. Auf diese Art kann eine Basis geschaffen werden, die emotionalen Aspekte seitens des Betroffenen und seiner Mitarbeiter berücksichtigt und das Ziel verfolgt, eine wirkliche Hilfestellung bei einem Problem zu bieten, an dessen Endpunkt zu häufig das soziale Aus steht.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Behindertenrecht - Fachzeitschrift für Fragen der Rehabilitation
Homepage: https://www.boorberg.de/3413888

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0059/1079


Informationsstand: 30.05.1995

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