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Bibliographische Angaben zur Publikation

Künstliches Sehen: Sehprothesen auf dem Weg zur Marktreife


Autor/in:

Winkler, Veronika


Herausgeber/in:

Heise, Christian; Heise, Ansgar; Persson, Christian


Quelle:

c't magazin für computertechnik, 2008, Heft 16, Seite 76-80, Hannover: Heise, ISSN: 0724-8679


Jahr:

2008



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Abstract:


Veronika Winkler stellt die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Sehprothesen vor. Drei deutsche Forschungskooperationen, bestehend aus Universitäten und Unternehmen, erforschen seit mehreren Jahren erfolgreich die Möglichkeiten von Netzhautimplantaten für Retinitis-Pigmentosa-Patienten. Der Gendefekt lässt zu, dass sich in der Netzhaut Schlüsselenzyme falsch aufbauen, welche die Fotorezeptoren zerstören und den Menschen nach und nach erblinden lassen. Glücklicherweise bleiben ein Großteil der Nervenzellen und -fasern, die für die Netzhautimplantate benötigt werden, intakt.

Seit Mitte der 90er-Jahre hat die Forschung große Fortschritte im Bereich der Netzhautimplantate für sich verbuchen können und heute ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die ersten Implantate reif für den Markt sind. Schon bald können blinde Menschen in bescheidenem Umfang ihre Sehkraft wieder erlangen. Um dieses zu ermöglichen haben sich in den letzten Jahren zwei Ansätze herausgebildet. Entweder wird das Implantat auf der Netzhaut befestigt, im Fachjargon spricht man von epiretinalem Ansatz oder es wird unter die Netzhaut geschoben, subretinal genannt. Je nach Ansatz muss komplett anders vorgegangen werden, damit die Nervenzellen der Retina optimal mit den Implantaten zusammenarbeiten können.

Dabei übernehmen Fotodioden die Aufgabe der Sehzellen und verwandeln das einfallende Licht in elektrische Impulse. Am Beispiel des Mikrochips des Forschungskonsortiums um Eberhart Zrenner erläutert die Autorin die technischen Details und die Funktionsweise eines subretinalen Implantats. Ein subretinales Implantat kann sich auf eine externe Komponente, die Stromversorgung, beschränken. Ein epiretinales Implantat hingegen ist auf mehrere exkorporale Elemente angewiesen.

Im Gegensatz zum subretinalen Implantat überbrückt es nicht nur defekte Sinneszellen, sondern auch große Teile der Nervenzellenschicht der Netzhaut, so dass deren Vorverarbeitung ausfällt. Das Verfahren ist weitaus aufwendiger und verlangt mehr Ausrüstung wie zum Beispiel eine spezielle Brille mit integrierter Kamera.

Die Bekanntgabe der Fortschritte durch die einzelnen Projekte ist unterschiedlich ausgeprägt. Während das Projekt Epiret 3 mit seinen Entwicklungen nicht hinter dem Berg hält, äußern sich die Wissenschaftler um die Firma Intelligent Medical Implants (IMI) nur zögerlich.

Egal, welchen Ansatz sie vertreten, die Forscher mussten sich vor allem mit Fragen der Biokompatibilität auseinandersetzen, das heißt wie die Elektronik mit dem lebenden Netzhautgewebe verbunden werden kann, ohne dass es zu gegenseitigen Schäden kommt. Auch viele andere Fragen mussten geklärt werden. Anhand von Tierversuchen und Tests am Menschen wurde ihnen nachgegangen. So wurden die epiretinalen Implantate bereits mehrmals an Retinitis-Pigmentosa-Patienten getestet.

Ein Team der Grazer Universität, das mit dem IMI kooperiert, hat bereits einen Sehtest für Patienten mit Netzhautprothesen entwickelt, der ihnen helfen soll, sich an das Betrachten von Lichtpunkten und einfachen Mustern zu gewöhnen. In den Medien präsenter ist im Moment sicherlich das subretinale Projekt um den Tübinger Forscher Zrennner, das seine ersten längeren Test mit sieben Patienten durchführte. Die Patienten konnten bereits erste schemenhafte Seheindrücke wahrnehmen und Lichtquellen wie Lampen und Fenster ausmachen. Die durchweg positiven Untersuchungsergebnisse treiben die Forscher weiter an und die nächsten weiterentwickelten Chips stehen schon in den Startlöchern für ihre Erprobung.

In naher Zukunft erwartet man auch kürzere Operationszeiten, die bei subretinalen Implantaten noch fast dreimal so lang sind, als bei epiretinalen. Auf Seite der Betroffenen hat sich besonders der Verein Pro Retina Deutschland eingesetzt und die Forscher zu Wünschen und Bedenken der Patienten auf dem Laufenden gehalten. Die Vertreterin der Patientenorganisation Helma Gussek warnt jedoch vor übertriebenen Erwartungen. Denn der Patientenkreis für solche Implantate wird auch in näherer Zukunft erstmal eingeschränkt bleiben.


Weitere Informationen:


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Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Forschungsschwerpunkt Retina-Implantat | REHADAT-Forschung




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


c't magazin für computertechnik
Homepage: https://www.heise.de/ct/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA6004


Informationsstand: 30.05.2016

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