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Bibliographische Angaben zur Publikation

Rehabilitation bei Sehbahnschäden


Autor/in:

Trauzettel-Klosinski, Susanne


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde, 2009, 226. Jahrgang (Heft 11), Seite 897-907, Stuttgart: Thieme, ISSN: 0023-2165


Jahr:

2009



Abstract:


Der Übersichtsartikel befasst sich mit den Erkrankungen der Sehbahn auf unterschiedlichen Ebenen, ihren Auswirkungen auf alltagsrelevante Funktionen und ihrer Rehabilitation.

Infrachiasmale Läsionen gehen meist mit Zentral- oder Ringskotomen mit folgender Lesestörung einher. Das Benutzen eines exzentrischen Fixationsorts in Kombination mit Textvergrößerung ermöglicht den Erhalt der Lesefähigkeit. Chiasmale Läsionen können zu Orientierungsstörungen durch bitemporale Hemianopsie und zu Leseproblemen durch Verschiebungsphänomene wegen Fusionsmangel führen, denn die noch funktionsfähigen temporalen Netzhauthälften korrespondieren nicht.

Suprachiasmale Läsionen verursachen homonyme Gesichtsfeldausfälle. Bezüglich der Verbesserung der hemianopen Orientierungsstörung gibt es zwei Ansätze für Trainingsmethoden, die kontrovers diskutiert werden: Restitution des Gesichtsfelds durch visuelle Stimulation versus Kompensation durch explorative Augenbewegungen zur hemianopen Seite mit dem Ziel, das Blickfeld besser zu nützen.

Früher beschriebene positive Effekte des explorativen Sakkadentrainings waren mangels Kontrollgruppen noch nicht ganz überzeugend. Durch eine neue randomisierte und kontrollierte Studie konnte die Wirksamkeit eines kompensatorischen Sakkadentrainings nachgewiesen und gezeigt werden, dass die Patienten die erlernte Strategie der verbesserten Exploration auch im Alltag anwenden.

In der Kontrollgruppe, die ein Gesichtsfeldstimulationsstraining - ein potenzielles Restitutionstraining - erhielt, änderte sich weder das Explorationsverhalten noch das Gesichtsfeld. Die hemianope Lesestörung ist abhängig vom Abstand des Gesichtsfeldausfalls zum Zentrum, das heißt der Größe des vorhandenen Lesegesichtsfelds, der Seite des Ausfalls in Bezug zur Leserichtung und dem Auftreten von spontanen Adaptationsstrategien wie zum Beispiel exzentrischer Fixation und prädiktiven Sakkaden.

Spezifisches Lesetraining kann hilfreich sein. Bei zerebral bedingten Sehstörungen finden sich außer Gesichtsfeldausfällen oft auch Verarbeitungsstörungen in höheren kortikalen Zentren, die meist interdisziplinär behandelt werden müssen. Untersuchungsmethoden zur Erfassung alltagsrelevanter Funktionen und als Basis für gezielte Rehabilitationsmaßnahmen werden erörtert.

Der hohe und zunehmende Bedarf an visueller Rehabilitation stellt eine große Herausforderung dar. Die visuelle Rehabilitation ist in vielen Fällen sehr erfolgreich und kann die Lebensqualität der Patienten verbessern.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Rehabilitation of Lesions in the Visual Pathway


Abstract:


This review considers diseases of the visual pathways at different levels, their consequences for relevant everyday functions and their rehabilitation. Infrachiasmatic lesions are mostly associated with central or ring scotomas causing reading problems. The use of an eccentric fixation locus in combination with text magnification often allows the patient to maintain reading ability. Chiasmatic lesions can cause orientation disability by bitemporal hemianopia and reading problems by slide phenomena along the vertical midline. Suprachiasmatic lesions lead to homonymous visual field defects. Regarding the hemianopic orientation disorder, there are two different training approaches, which have been discussed controversially: restitution of the visual field by visual stimulation versus compensation by explorative eye movements towards the hemianopic side. Previously described positive effects of exploration training were not entirely convincing due to the lack of control groups. A new randomised and controlled study has proved the effectiveness of exploration training and showed that the patients apply the improved exploration strategy to everyday life. In the control group, which received a visual field stimulation training - a potential restitution training - neither exploration nor visual fields changed. The hemianopic reading disorder depends on the distance of the field defect from the centre, i. e., the size of the reading visual field, the side of the field defect in regard to the reading direction and the presence of spontaneous adaptive strategies, such as eccentric fixation or predictive saccades. Specific reading training can be helpful. Cerebral visual impairments with visual field defects are often associated with disorders of information processing in higher cortical areas. These complex disorders usually require an interdisciplinary rehabilitation. Specific examination methods to assess functions of everyday relevance and their use as a basis for rehabilitation measures are discussed. Visual rehabilitation can be very successful in many cases and improves the patients' quality of life. One should expect that the demand for neuro-ophthalmological rehabilitation will increase, because the survival rate after severe cerebral lesions and the general lifespan are rising.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde
Homepage: https://www.thieme.de/de/klinische-monatsblaetter-augenheilk...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA3978


Informationsstand: 18.02.2010

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