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Bibliographische Angaben zur Publikation

Zum Bild behinderter Menschen in den Medien


Autor/in:

Radtke, Peter


Herausgeber/in:

Bundeszentrale für Politische Bildung (BPB)


Quelle:

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 2003, B 08, Seite 7-12, Bonn: Eigenverlag, ISSN: 0479-611X


Jahr:

2003



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Abstract:


Es ist eine Binsenweisheit: Was nicht im Hörfunk, in der Zeitung oder im Fernsehen erscheint, hat nie stattgefunden. Unsere Gesellschaft ist eine Mediengesellschaft. Keiner kann sich dem Einfluss der Medien völlig entziehen. Was wir denken, wie wir handeln, wird zu einem Großteil von den Massenmedien bestimmt. Dies ist selbst dort der Fall, wo wir uns frei von derartigen Bevormundungen glauben.

Die Macht der Bilder und Worte wird umso stärker, je weniger die Möglichkeit einer persönlichen Überprüfung gegeben ist. Jeder wird die Meldung, der Euro habe unsere Lebenshaltungskosten nur unwesentlich verteuert, durch Erfahrungen aus dem eigenen Umfeld widerlegen können. Statistisch gesehen, mag die Behauptung vielleicht sogar zutreffen; im konkreten Kontext stellt sie sich jedoch als irrelevant heraus.

Hingegen ist der Bürger in Sachen 'Nahostkonflikt' in der Regel auf die mehr oder minder sachliche Berichterstattung der Medien angewiesen. Schließlich kann er kaum selbst nach Palästina reisen, um sich vor Ort ein objektives Bild von der Lage zu machen.

Dies gilt in ähnlicher Weise auch für Informationen über Menschen mit einer Behinderung. Theoretisch könnte sich zwar jeder durch persönliche Wahrnehmung ein eigenes Urteil bilden, doch in der Praxis verhindern Berührungsängste und andere Umstände zumeist eine solche Überprüfung.

Ungeachtet der erheblichen Anstrengungen in den vergangenen Jahrzehnten, die Kluft zwischen den beiden Gesellschaftsgruppen einzuebnen, ist ein persönlicher Kontakt untereinander noch weitgehend die Ausnahme. Daran ändert auch der Abbau architektonischer Hindernisse und der verbesserte Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln nichts, wodurch man heute mehr Rollstuhlfahrer, gehbehinderte oder blinde Passanten als früher im Straßenbild sieht. Erwiesenermaßen führt dies nicht automatisch zu einer intensiveren Kontaktaufnahme.

Vielmehr ist es noch immer die Regel, dass Eltern ihre Kinder beim Anblick eines sichtbar von einer Behinderung Betroffenen ohne weitere Erklärung mit der Bemerkung fortziehen: 'Da schaut man nicht hin; das tut man nicht!' Der oder die Gemaßregelte wird niemals ein unverkrampftes Verhältnis zu behinderten Menschen aufbauen können. Das Interesse für diese 'exotischen Unbekannten' wird zukünftig immer als geradezu sündhaft, zumindest aber als etwas mit negativen Vorzeichen Belastetes empfunden werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Alle Einzel-Beiträge des Themenheftes 'Menschen mit Behinderungen' 2003 | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ)
Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament
Homepage: https://www.bpb.de/apuz/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA108702


Informationsstand: 29.06.2010

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