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Bibliographische Angaben zur Publikation

Zwischen Anerkennung und Abwertung

Behinderte Frauen und Männer im bioethischen Zeitalter



Autor/in:

Arnade, Sigrid


Herausgeber/in:

Bundeszentrale für Politische Bildung (BPB)


Quelle:

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 2003, B 08, Seite 3-6, Bonn: Eigenverlag, ISSN: 0479-611X


Jahr:

2003



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Abstract:


'Die Kranken werden geschlachtet, die Welt wird gesund.' Diese beiden Zeilen aus dem Gedicht 'Die Maßnahmen' von Erich Fried kennzeichnen uralte Denkstrukturen, die in der Vergangenheit häufig den Umgang mit behinderten Menschen bestimmten.

So hat die Unterscheidung in mehr oder weniger lebenswertes Leben Tradition: Im antiken Griechenland und in Rom wurden missgebildete Kinder kurzerhand umgebracht. Später konnte selbst der deutsche Reformator Martin Luther sich dem Geist seiner Zeit nicht entziehen: 'Wenn ich gar Fürst oder Herr wäre, so wollte ich mit diesem (behinderten) Kind in das Wasser und wollte das Homocidium (den Mord) daran wagen', sagte er in einer seiner Tischreden.

Zur Zeit des Naziterrors erreichte der Wahn, Behinderung und Krankheit auszurotten, mit etwa 100000 Morden an behinderten Menschen und schätzungsweise 350000 Zwangssterilisationen seinen grausamen Höhepunkt. Nach 1945 wagte es zunächst niemand mehr, das Lebensrecht behinderter Menschen anzuzweifeln. Sie wurden vielmehr durch eine umfassende Sozialgesetzgebung abgesichert. Dennoch betrachtete und behandelte man sie vielfach nach wie vor als Menschen zweiter Klasse.

So kam es beispielsweise jährlich zu rund 1000 Sterilisationen, die ohne Einwilligung und teilweise ohne Wissen der Betroffenen durchgeführt wurden. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Mädchen und Frauen mit so genannter geistiger Behinderung. Erst mit dem Betreuungsgesetz von 1992, das die vorher gängige Praxis von Entmündigung und Vormundschaft ablöste, endete diese Form der (Zwangs-)Sterilisationen, so dass es nach den Buchstaben des Gesetzes jetzt keine Sterilisation gegen den Willen der Betroffenen mehr gibt.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Alle Einzel-Beiträge des Themenheftes 'Menschen mit Behinderungen' 2003 | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ)
Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament
Homepage: https://www.bpb.de/apuz/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA108701


Informationsstand: 29.06.2010

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