Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Wie man Fehlzeiten nutzt: Warum eine Passauer Softwareschmiede einen Dialysepatienten beschäftigt


Autor/in:

Demmer, Christine


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Süddeutsche Zeitung, 2004, Online-Ausgabe, 16.12.04, München: Eigenverlag


Jahr:

2004



Link(s):


Ganzen Text lesen (HTML)


Abstract:


Den Wettlauf um bezahlte Arbeit gewinnen fast immer die Qualifiziertesten, die vermeintlich Erfolgreichsten, Mobilsten und Belastbarsten. Ältere Menschen bleiben ebenso auf der Strecke wie jüngere mit sozialen und gesundheitlichen Handicaps oder einer momentan wenig nachgefragten Ausbildung. Denn welcher Arbeitgeber gibt bei viereinhalb Millionen registrierten Erwerbslosen ausgerechnet dem Menschen eine Chance, der nicht dem landläufigen Ideal entspricht?

Doch es gibt sie: Unternehmer und Personalverantwortliche, die gegen den Strom schwimmen und selbst entscheiden, wer für sie zur Elite gehört. Die mit sicherem Gespür für den richtigen Mann oder die richtige Frau das Anforderungsprofil des Perfekten verwerfen und just dem Bewerber einen Job geben, den viele andere nicht beschäftigt hätten.

In der Serie der Süddeutschen Zeitung GLÜCKSFALL ARBEIT wird jede Woche ein Arbeitgeber porträtiert, der einen gemeinhin schwer Vermittelbaren eingestellt hat. Die Autorin wollten wissen, warum seine Wahl gerade auf diesen Kandidaten gefallen ist - und ob er sich noch einmal so entscheiden würde.

In dem Artikel vom 16.12.2004 wird über den Fall des Alexander P. berichtet. Dieser leidet an einer chronischen Nierenkrankheit, deren Verlauf nicht abzuschätzen ist. Dennoch bekam er im Jahre 1999 einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker bei der Ismaninger Firma MSG-Systems. Deren Interesse wurde nicht nur wegen der erstklassigen Zeugnisnoten, des zuvor absolvierten Fachpraktikums und der guten Buchhaltungskenntnisse geweckt, sondern auch aufgrund des Hinweises der chronischen Erkrankung im Anschreiben.

Beim Vorstellungsgespräch räumte Alexander P. offen ein, dass er sich zurzeit zwar wohl fühle, aber es durchaus sein könne, dass er künftig mehrmals in der Woche zur Dialyse müsse. Nach Meinung des Geschäftsstellenleiters Armin B. gebe es schlechtere Vorzeichen für einen Ausbildungserfolg.

Sechs Monate später war es soweit und Alexander P. musste sich dreimal in der Woche mehrere Stunden lang an ein Dialysegerät in der Klinik anschließen lassen. Die Termine, welche sein Körper und der Klinikbetrieb vorgaben, lagen auch in der Arbeitszeit und während der Berufsschulstunden. Somit hat Alexander P. rund ein Drittel seiner Ausbildungszeit gefehlt.

Der Auszubildende holte den Stoff nach und lernte für die Berufsschule. Im Juni 2002 bestand er als einer von vier Kandidaten die Abschlussprüfung vor der IHK in Passau. Und obwohl er kaum mehr als 25 Wochenstunden im Betrieb gewesen war und reichlich Unterrichtsstoff verpasst hatte, brauchte er dafür keine drei Jahre. Er wurde von der Firma in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen und arbeitet heute als Anwendungsentwickler in der Software-Firma. Diese hat ihn mit einem Notebook ausgestattet, um ihm die Möglichkeit zu geben, auch während der Dialysezeiten zu arbeiten.

Alexander P. hat sich auf die Warteliste für eine Nierentransplantation setzen lassen. Doch bis es soweit ist, kann er nicht Vollzeit arbeiten und verdient entsprechend weniger. Für das Unternehmen hat sich das Investment in den jungen Mitarbeiter längst gelohnt. Armin B. würde jederzeit wieder einen solch begabten Dialysepatienten einstellen - trotz der hohen Fehlzeiten und des organisatorischen Aufwandes.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Weitere Artikel aus der Serie 'Glücksfall Arbeit' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Süddeutsche Zeitung Online
Homepage: https://www.sueddeutsche.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA042203


Informationsstand: 10.04.2006

in Literatur blättern