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Bibliographische Angaben zur Publikation

Tätigkeitsbericht 2002/2003: Von der Fürsorge zur Teilhabe


Sammelwerk / Reihe:

Jahresbericht des LWV Hessen Integrationsamtes


Autor/in:

Schlembach, Rosita


Herausgeber/in:

LWV Hessen Integrationsamt


Quelle:

Kassel: Eigenverlag, 2003, Stand: April 2003, 32 Seiten: DIN-A4


Jahr:

2003



Abstract:


Der Tätigkeitsbericht 2002/2003 ist mit dem Titel Von der Fürsorge zur Teilhabe überschrieben und unterstreicht damit den durch das Inkrafttreten des Sozialgesetzbuches (SGB) IX am 1. Juli 2001 SGB IX vorgenommenen Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik.

Mehr Selbstbestimmung für schwerbehinderte Menschen, weniger Bevormundung durch - gutgemeinte- Fürsorge. Deshalb ist es konsequent gewesen, die Bezeichnung der bisherigen Hauptfürsorgestelle für die Aufgaben des Zweiten Teils des SGB IX (Schwerbehindertenrecht) zu überdenken. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Integrationsamtes haben die neue Bezeichnung wie auch andere neue Vokabeln konstruktiv aufgenommen und im Arbeitsalltag umgesetzt.

Dem Tätigkeitsbericht für das zurückliegende Jahr kommt eine besondere Bedeutung zu. Nach dem Inkrafttreten des SGB IX gibt das Jahr 2002 nun Aufschluss über die Wirkungen des Gesetzes bezogen auf die Teilhabe behinderter Menschen.

Im Zentrum des öffentlichen Interesses standen dabei die Veränderungen bei der Beschäftigungspflicht (Absenkung der Quote auf 5 Prozent bei gleichzeitiger Erhöhung und Staffelung der Ausgleichsabgabe) und die damit einhergehenden Anstrengungen zum Abbau der Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen um 25 Prozent. Wenn auch das Kampagneziel '50.000 neue Jobs' nicht ganz erreicht wurde, so ist doch die Senkung der Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen um immerhin 24 Prozent als Erfolg zu bewerten, angesichts der seit vielen Jahren konstant hohen Zahl von Arbeitslosen beim Personenkreis der schwerbehinderten Menschen.

Für das Integrationsamt, dessen Aufgaben im Teil 2 des SGB IX festgelegt sind, hat sich der gesetzliche Handlungsrahmen nicht grundlegend geändert. Es sind neue Instrumente hinzugekommen, die einen Schwerpunkt auf vorausschauendes Handeln der beteiligten betrieblichen und behördlichen Partner setzen.

Neue Instrumente:
- Betriebliche Prävention (§ 84 SGB IX)- Integrationsvereinbarungen
- Integrationsprojekte
- Netz der Integrationsfachdienste im gemeinsamen Auftrag der Arbeitsverwaltung und des Integrationsamtes
- Arbeitsassistenz auch durch Träger der Teilhabe

Der Blick auf das Jahr 2002 gilt also der Klärung der Frage, wie diese neuen Möglichkeiten genutzt wurden, um die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu sichern oder für bisher besonders benachteiligte Personenkreise Beschäftigungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Mit dem diesjährigen Bericht möchte das LWV Integrationsamt Hessen eine Bestandsaufnahme vornehmen, die Klarheit über notwendige Aktivitäten seitens der Integrationsämter schafft, denn soviel kann an dieser Stelle vorweg genommen werden: Die Umsetzung der neuen Instrumente in den betrieblichen Alltag wird noch einige Zeit erfordern. Der Abschluss von Integrationsvereinbarungen beispielsweise ist ein kontinuierlicher Prozess, der voraussetzt, dass das Thema Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer im Betrieb bereits kommuniziert wird.

Dies ist längst nicht überall der Fall. Die Erarbeitung von Zielvereinbarungen ist schwierig und die verbindliche Regelung von Verantwortlichkeiten zur Umsetzung und Zielüberprüfung fällt in größeren Betrieben, in denen mit diesen Managementinstrumenten auch in anderen Zusammenhängen gearbeitet wird, leichter. Hier mussten auch die Integrationsämter und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich zunächst qualifizieren, um die betrieblichen Integrationsteams bei der Entwicklung einer Integrationsvereinbarung kompetent unterstützen zu können.

Ende 2002 lagen beim LWV Integrationsamt Hessen erst 53 Integrationsvereinbarungen vor. In 31 Fällen davon hat das Integrationsamt mitgewirkt. Dies macht deutlich, dass dieses Thema in den Betrieben und Dienststellen noch breiter diskutiert werden muss. Immerhin haben sich aus über 200 Betrieben Schwerbehindertenvertretungen, Betriebs- oder Personalräte, aber auch Beauftragte der Arbeitgeber mit dem Integrationsamt in Verbindung gesetzt, sich informiert, Schulungen besucht oder das Integrationsamt zu einem Informationsgespräch eingeladen. Für ein darüber hinausgehendes Engagement der Integrationsämter ließ allerdings die Entwicklung der übrigen Aufgaben im Jahr 2002 keinen Spielraum.

So ist im Jahr 2002 ein erheblicher Zuwachs bei der Zahl der Kündigungsschutzverfahren zu verzeichnen, der auf eine verstärkte Beantragung von Zustimmungen zu betriebsbedingten ordentlichen Kündigungen zurückzuführen ist. Ein Teufelskreislauf: Die Durchführung des Kündigungsschutzes bindet hohe Personalkapazitäten, die im präventiven Bereich sinnvoll eingesetzt werden könnten, um gerade personenbedingte Kündigungen im Vorfeld abzuwenden.

Dennoch wird es Aufgabe des Integrationsamtes sein, den Betrieben verstärkt Unterstützung beim Abschluss von Integrationsvereinbarungen zukommen zu lassen, denn gute Integrationsvereinbarungen dienen der Arbeitsplatzsicherung und wirken sich positiv auf die Zahl der nicht konjunkturell bedingten Kündigungsverfahren aus.

Der eindeutig präventive Charakter der neuen gesetzlichen Regelungen unterstreicht die vom LWV Integrationsamt Hessen in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen, insbesondere Arbeitgeber über Unterstützungsmöglichkeiten aufzuklären, ihnen bei der Lösung der betrieblichen Probleme zur Seite zu stehen, um so die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu sichern und Einstellungsvorbehalte abzubauen.

Durch vielfältige Aktivitäten der Aufklärungsarbeit, aber insbesondere durch Betriebskontakte zu Firmen und Dienststellen, die bisher nicht mit dem Integrationsamt zusammengearbeitet haben, konnten vielerorts neue Kooperationen begonnen werden. Daran möchte das LWV Integrationsamt Hessen auch in diesem und in den kommenden Jahren weiter arbeiten.

(Einleitung der Broschüre)


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Graue Literatur




Bezugsmöglichkeit:


Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV Hessen)
Homepage: https://www.integrationsamt-hessen.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV5639x03


Informationsstand: 10.12.2003

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