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Bibliographische Angaben zur Publikation

Von Barrierefreiheit zum Design für Alle

Erfahrungen aus Forschung und Praxis



Autor/in:

Leidner, Rüdiger; Neumann, Peter; Rebstock, Markus [u. a.]


Herausgeber/in:

Leidner, Rüdiger; Arbeitsgemeinschaft Angewandte Geographie Münster e.V. (AAG); Europäischen Instituts Design für Alle in Deutschland e.V. (EDAD) [u. a.]


Quelle:

Münster: Neumannconsult, 2007, 190 Seiten


Jahr:

2007



Abstract:


Unter dem Titel 'Von Barrierefreiheit zum Design für Alle - Erfahrungen aus Forschung und Praxis' ist Ende 2007 Band 38 der Arbeitsgemeinschaft Angewandte Geographie erschienen, der gemeinsam mit dem Europäischen Institut Design für Alle in Deutschland e.V. (EDAD) entstanden ist. Auf rund 190 Seiten gibt dieser Band die Erfahrungen aus Forschung und Praxis hinsichtlich der Weiterentwicklung des Konzepts der Barrierefreiheit zu einem Design für Alle seit dem Jahr 2003 wieder.

Barrierefreies Gestalten ist immer umfassend gemeint und als eine gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe zu verstehen, die eine Verbesserung der Lebensqualität für alle Menschen zum Ziel hat. So spricht Barrierefreiheit nicht nur die Herstellung der baulichen, verkehrlichen und organisatorischen Zugänglichkeit von öffentlichen wie privaten Räumen und Dienstleistungen an, sondern schließt auch den Abbau von Barrieren in den Bereichen Information und Kommunikation ein.

Das Konzept des Designs für Alle stellt eine Weiterentwicklung des Prinzips der Barrierefreiheit dar. Während sich Barrierefreiheit vor allem auf gestaltete Endprodukte bezieht, setzt das Prinzip des Designs für Alle ganz bewusst auf die Analyse des Bedarfs und der Wünsche der Menschen. Design für Alle verlangt die Einbindung der Endverbraucher in jeder Phase des Entstehungsprozesses und ist damit ein entscheidender Schritt zu einer nachhaltigen Zukunftsentwicklung, der die Lebensqualität verbessert und eine nutzerfreundliche und kosteneffektive Gestaltung ermöglicht. In diesem Zusammenhang erhält der Ansatz Design für Alle eine Schlüsselrolle in der raumbezogenen Forschung und Planungspraxis.

Design für Alle ist nicht nur eine Philosophie, sondern umschreibt auch einen Gestaltungsprozess, der darauf abzielt, eine barrierefreie Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für möglichst alle Menschen zu erreichen. Das bedeutet, dass die gebaute Umwelt, Produkte und Dienstleistungen so gestaltet sein sollen, dass sie sicher, gesund, funktional, leicht verständlich und ästhetisch sowohl anspruchsvoll als auch nachhaltig sind und daher die menschliche Vielfalt berücksichtigen und sich nicht diskriminierend auswirken.

Die Beiträge in diesem Band:

Der Band ist mit seinen insgesamt 18 Beiträgen in vier thematische Abschnitte gegliedert.

1. Design für Alle - Zielsetzungen und Grundlagen
Zum Einstieg in das Thema Design für Alle - Zielsetzungen und Grundlagen - bietet der Artikel der Herausgeber dieses Bandes RÜDIGER LEIDNER, PETER NEUMANN und MARKUS REBSTOCK einen Überblick über die Entstehung des Design für Alle sowie aktuelle Entwicklungen und Aktivitäten in diesem Bereich.

Im nachfolgenden Artikel bietet ELIZABETH STRAW als Vertreterin der EU-Kommission eine Zusammenfassung, wie das Thema Design für Alle derzeit in den Handlungsebenen der europäischen Union gefördert wird. Neben grundsätzlichen Herangehensweisen und EU-Direktiven beschreibt sie vor allem die Inhalte und Ziele konkreter Pilot Projekte der EU-Kommission, wie zum Beispiel das Build for All Projekt und das European Network of Accessible Tourism ENAT (www.accessibletourism.org).

2. Design für Alle in der kommunalen Planung
Der zweite Themenbereich des Sammelbandes beschäftigt sich mit Design für Alle in der kommunalen Planung. GEESKEN WÖRMANN umschreibt einführend in ihrem Beitrag die Sicht der deutschen Behindertenverbände. Sie betont die Schlüsselfunktion des Design für Alle in der kommunalen Planung, hebt allerdings auch hervor, dass von einem Richtungswechsel in Hinsicht auf dieses Konzept in der alltäglichen Wirklichkeit des politischen Handelns sehr wenig spürbar ist. Um Fehlentwicklungen in kommunalen Planungsprozessen zu vermeiden, unterstreicht sie die Bedeutung der Mitwirkung von Behindertenverbänden in allen relevanten Umsetzungsphasen von kommunalen Planungen.

MICHAEL KOBS und HINNERK WILLENBRINK stellen in ihrem Artikel das EU-Projekt Build for All vor, das die Umsetzungsmöglichkeiten von Design für Alle durch das öffentliche Vergaberecht aufzeigt. Durch neue EU-Richtlinien wurden Möglichkeiten geschaffen, Kriterien in das öffentliche Vergaberecht zu integrieren, die die Schaffung einer barrierefreien Umwelt fördern.

Der anschließende Beitrag von MARTIN KRÄMER über vergaberechtliche Probleme bei der Berücksichtigung von Prinzipien des Design für Alle macht deutlich, welchen Raum für Missverständnisse es gibt, wenn Design für Alle ausschließlich als Element von Sozial- beziehungsweise Behindertenpolitik angesehen wird. In seiner Bedeutung für die Praxis bei der Umsetzung von Design-für-Alle-Prinzipien ist der Hinweis von KRÄMER nicht zu unterschätzen, dass auch heute schon - ohne eine Reform des Vergaberechts - Prinzipien des Design für Alle bei öffentlichen Ausschreibungen berücksichtigt werden können, indem sie als Leistungsmerkmal in den Anforderungskatalog einer Ausschreibung aufgenommen werden. Dies ist auch nach einer Reform des Vergaberechts unabdingbar, damit (noch zu konkretisierende) Design-für-Alle- Kriterien bei der Bewertung von Angeboten berücksichtigt werden können und bei evtl. späteren Auseinandersetzungen über die Vertragserfüllung justiziabel sind. (In der Zwischenzeit hat auch die EU-Kommission die Notwendigkeit einer Konkretisierung des Begriffs Design für Alle erkannt und erste Schritte dazu unternommen.)

Die Besonderheiten von Städten und Gemeinden als Erlebnisraum für Alle stellt CARSTEN HANSEN in seinem Artikel vor. Im Zusammenhang mit touristischen Angeboten für alle Menschen sind besonders auch die Städte und Gemeinden gefragt, geeignete Angebote in Hotellerie und Gastronomie, in der Freizeitwirtschaft und im Mobilitätsangebot vorzuhalten. Städte und Gemeinden müssen sich bereits heute damit beschäftigen, wie sich die touristischen Angebote mit der Planung des öffentlichen Raumes, mit der Informationsphilosophie sowie mit der Architektur von einzelnen Gebäuden in Einklang bringen lassen.

Das Thema Verkehrsraumgestaltung für Alle wird von MARKUS REBSTOCK am Beispiel des Fußgängerverkehrs beleuchtet. Neben den Anforderungen an barrierefreie Gehwege im Allgemeinen werden insbesondere die Gestaltung barrierefreier Fahrbahnquerungen sowie die Notwendigkeit einer visuell kontrastreichen Verkehrsraumgestaltung vertiefend behandelt. Hierbei wird deutlich, dass die Fußwegegestaltung im Sinne des Design für Alle allen Menschen zugute kommt.

Die barrierefreie Umweltgestaltung vor allem aus der Sicht von seh- und hörbehinderten Menschen steht im Mittelpunkt des Beitrags von HELMUT GROSSMANN. Insbesondere in Bezug auf die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit des Mobilitätsraumes bestehen noch erhebliche Barrieren für sinnesbeeinträchtigte Menschen. Gute Beispiele in den Städten und Gemeinden zeigen, dass die Zielvorgabe der barrierefreien Umweltgestaltung für Alle keine unerreichbare Utopie darstellt. Auch praxisbezogene Empfehlungen zur Herstellung der möglichst weitreichenden Barrierefreiheit für seh- und hörbehinderte Menschen im öffentlichen Raum werden vom Autor vorgestellt. Weitere praxisnahe Anwendungsbeispiele aus der barrierefreien Verkehrsraumgestaltung in der Stadt Münster liefert NORBERT RUDOLF mit seinem Beitrag. Dabei stellt er heraus, dass der ganzheitliche Ansatz der Mobilität in der Planung und der Bau barrierefreier Verkehrsräume mehr als eine gesetzliche Pflicht sein muss.

Der Beitrag von CHRISTA OSBELT zeigt die Geschichte der barrierefreien Wohnraumgestaltung für Alle mit ihren Entwicklungen bis heute auf. Besonders im Hinblick auf die demografischen Veränderungen der Gesellschaft Europas stellt sie mit ihrem Beitrag die Frage, ob sich Kommunen, Wohnungswirtschaft, Sozial- und Dienstleistungseinrichtungen bereits auf die sich verändernden Nutzungsansprüche eingestellt haben. Dazu zieht sie einen zeitlichen Rahmen von Mitte der 1980er Jahre bis in die heutige Zeit und resümiert: Barrierefrei für alle Menschen ist nicht mehr aufzuhalten!

3. Design für Alle - Städte und Gemeinden auf dem richtigen Weg
Im dritten thematischen Abschnitt stehen ausgewählte Städte und Gemeinden aus Europa im Mittelpunkt, die sich durch den strategischen Einsatz des Konzepts Design für Alle bereits ausgezeichnet haben und sich somit auf einem guten Weg zu Städten und Gemeinden für Alle befinden.

Der Beitrag von FRANCESC ARAGALL schildert, wie sich Barcelona durch den Einsatz von Design für Alle zu einer vorbildhaften Stadt für Alle entwickelt. Nicht zuletzt durch die bekannte Erklärung von Barcelona, die 1995 in der katalanischen Hauptstadt verabschiedet wurde, gilt diese Stadt als Europäisches Vorbild. Die Stadt begann frühzeitig den Design-für-Alle-Ansatz in neuen städtebaulichen und infrastrukturellen Projekten umzusetzen. Auch Fortbildungsprojekte und Maßnahmen zur Bewusstseinsschärfung von Architekten spielten hierbei eine entscheidende Rolle.

Auch die Stadt Münster befindet sich durch zahlreiche nachahmenswerte Beispiele auf dem Weg zu einer Stadt für Alle, wie DORIS RÜTER in ihrem Artikel aufzeigt. Dabei trägt vor allem auch das Verantwortungsbewusstsein der Stadt für eine umfassende Teilhabe von Menschen mit Behinderungen bei. Besonders die frühzeitige und umfassende Beteiligung von behinderten Menschen an allen entscheidenden Planungsprozessen ist in Münster vorbildhaft und hat im Bereich der barrierefreien Stadtgestaltung schon viele Verbesserungen auf den Weg gebracht.

Die Gemeinde Illingen im Saarland beschreitet einen mehr konzeptionellen Weg hin zu einer barrierefreien Gemeinde für Alle, den ARMIN KÖNIG in seinem Beitrag vorstellt. Er beschreibt das Programm, das nach einem Grundsatzbeschluss des Rates und durch eine externe Projektsteuerung erstellt wurde, und die Erfahrungen die dabei gemacht wurden. Besonders eine motivierte Kommunalpolitik und eine engagierte Beteiligung von behinderten Bürgern sind bei der Umsetzung entscheidend. Auch Lernprozesse und Probleme werden in diesem Beitrag beleuchtet.

Der Artikel von SILVIO SAGRAMOLA zeigt am Beispiel der Stadt Esch-sur-Alzette in Luxemburg auf, wie eine aktive Mitgestaltung von behinderten Bürgern und Bürgerinnen in kommunalen Planungen integriert werden kann. Der Einsatz des ersten Zugänglichkeitsplanes in Luxemburg stellt dabei europaweit eine Besonderheit dar.

4. Design für Alle in der Produktgestaltung
Das abschließende Kapitel des Bandes beschäftigt sich mit dem Thema Design für Alle in der Produktgestaltung. JAN LEMBACH, ALEXANDER SOBOTTA und MALTE WETZEL stellen in ihrem Artikel barrierefreie Naturerlebnisse und Naturbildungsangebote im Naturpark Nordeifel vor. Ausgehend von einer strategischen Herangehensweise konnten nachhaltige Impulse für die ländliche Entwicklung in der Eifel ausgelöst werden. Dabei spielt das Gesamtkonzept Eifel barrierefrei eine herausragende Rolle. Daneben sind die Bündelung zielgruppenspezifischer Informationen, die Durchführung von Modellprojekten, der Angebotsentwicklung und eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit besonders wichtige Bestandteile.

Der Beitrag von GISELA HOLTZ stellt am Beispiel eines Reiseführers in leichter Sprache ein Produkt vor, das Informationen über das Reiseziel Münster für eine möglichst große Zielgruppe zugänglich macht. Informationen sind meist nur für diejenigen zugänglich, die gut sehen, lesen oder die einheimische Sprache gut verstehen können. Die Gestaltung in leichter Sprache in Wort, Schrift und Ton und mit vielen Bildern macht das Buch Münster - ein Reiseführer in leichter Sprache - für viele Gäste hilfreich und nutzbar. Dieses Angebot wird ergänzt durch Gästeführungen mit leichter Sprache und tastbaren Bildern und Gegenständen, die für alle interessant gestaltet sind.

Die bisherigen Beiträge in diesem Band haben sich mit der Herstellung von Barrierefreiheit beziehungsweise der Umsetzung des Prinzips Design für Alle in verschiedenen Bereichen von Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung befasst. Solange allerdings nicht die gesamte Umgebung für sie barrierefrei ist, wird die Notwendigkeit bestehen bleiben, zu (barrierefreien) Objekten auch barrierefreie Routen zu planen. Denn wirklich barrierefrei ist ein Gebäude nur, wenn es auch barrierefrei erreichbar ist. Hinzu kommt, dass insbesondere für sehbehinderte und blinde Menschen die Erreichbarkeit beziehungsweise Auffindbarkeit ihrer Ziele die eigentliche Barriere darstellt. Der Beitrag von STEFAN LUTHERDT und HARTMUT WITTE über das Touristische Assistenzsystem für Urlaub, Freizeit- und Bildungsaktivitäten - TAS beschreibt einen Ansatz zur Lösung dieser Probleme. Die Entwicklung des Produkts selbst ist hierbei ein gutes Beispiel, wie das Prinzip des Designs für Alle bei der Entwicklung von Gebrauchsgegenständen umgesetzt werden kann.

CONSTANZE UNGER stellt abschließend in ihrem Beitrag Konzepte und Produkte aus dem Handwerk vor. Sie zeigt auf, dass Design für Alle und gestalterische Vielfalt keinen Widerspruch darstellen. Anhand von zahlreichen Beispielen aus dem Handwerk und von Projektergebnissen der Akademie Gestaltung Münster wird die Frage beleuchtet, wie entgegen und ergänzend zu den meist funktional und technisch orientierten Universal-Design-Produkten, Anforderungen an ästhetische Wahrnehmung, Produktkultur und an den tatsächlichen Gebrauch Anwendung finden können.

[Aus: Information des Herausgebers]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerk / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


NEUMANNCONSULT
Stadt- und Regionalentwicklung/Barrierefreies Gestalten

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Referenznummer:

R/NV4008


Informationsstand: 27.02.2008

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