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Bibliographische Angaben zur Publikation

MBOR in der Neurologie: Steuerungsalgorithmus und retrospektive Fall-Distribution

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Claros-Salinas, Dolores; Koch, E.; Greitemann, Georg [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 369-371


Jahr:

2014



Abstract:


Ziel:

In der Neurologie, so die Einschätzung des MBOR-Anforderungsprofils der DRV, weist 'fast jeder zweite Rehabilitand' besondere berufliche Problemlagen (BBPL) auf. Um den dadurch entstehenden Behandlungsbedarf systematisch lenken zu können, schlagen wir für den neurologischen Indikationsbereich einen MBOR-Steuerungs-algorithmus vor, der Entscheidungskategorien wie Dauer der Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise Arbeitslosigkeit (länger versus kürzer sechs Monate), Alter (älter versus jünger 60 Jahre) und Erwerbsstatus (Arbeitsplatz vorhanden oder nicht) enthält. Um für mögliche Anpassungen Hinweise auf die Fallgrößen pro Entscheidung zu erhalten, haben wir für eine Patienten-Stichprobe, die ärztlich einer medizinisch-beruflichen Therapie zugewiesen wurde, dem MBOR-Steuerungskonzept Fälle retrospektiv zugeordnet. Für die entstehenden Subgruppen wurden Daten zu Geschlecht, Ätiologie und therapeutischen Empfehlungen zur beruflichen Wiedereingliederung bei Rehabilitationsende ermittelt.

Methode:

Das MBOR-Steuerungskonzept, darstellbar als Entscheidungsbaum, berücksichtigt folgende Aspekte, die Zeitpunkt, Art und Intensität berufsorientierter Rehabilitationsmodule regeln können:

Zeit nach Ereignis beziehungsweise Dauer der Arbeitsunfähigkeit
Für Patienten nach Schlaganfall, Schädelhirntrauma, einer neurochirurgischen Tumor- Behandlung oder einem MS-Schub mit persistierenden Funktionsdefiziten bestehen in der Regel zeitlich längere Remissionsphasen. Im Zeitraum unter sechs Monaten sollten Rehabilitationsbehandlungen bereits berufsorientierte Therapieangebote enthalten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer unmittelbaren Rückkehr an den Arbeitsplatz eher gering ist. Im Zeitraum über sechs Monate sollten arbeitsplatzbezogene Therapiemaßnahmen intensiviert und mit der individuellen Vorbereitung beruflicher Reintegration verknüpft werden.

Alter
Soziodemografische Entwicklungen lassen eine längere Lebensarbeitszeit erwarten. Für Rehabilitanden < 60 Jahre sollten daher berufsorientierte Therapiemodule uneingeschränkt verfügbar sein. Bei Rehabilitanden > 60 Jahre sollte im Einzelfall entschieden werden, inwieweit eine BBPL vorliegt und entsprechende Rehabilitationsmaßnahmen indiziert sind.

Verfügbarkeit eines Arbeitsplatzes
Die Wahrscheinlichkeit, wieder am Arbeits- und Berufsleben teilzuhaben, ist bei neurologischen Rehabilitanden häufig an die Chance geknüpft, an den bisherigen Arbeitsplatz zurückkehren und trotz persistierender Leistungsbeeinträchtigungen noch vorhandene (Wissens)ressourcen nutzen zu können. Eine Subgruppe mit klarer BBPL sind dabei diejenigen Rehabilitanden, die bereits eine stufenweise Wiedereingliederung begonnen haben, aber wegen ungünstigem Verlauf einer Rehabilitationsmaßnahme zugewiesen wurden. Für diese Rehabilitanden ist eine individuelle, auf die Erfordernisse des einzelnen Arbeitsplatzes konzipierte Berufstherapie angezeigt. Dies gilt ebenso für Rehabilitanden, die trotz ausreichend positiver Erwerbsprognose einer therapeutisch unterstützten Vorbereitung (berufsorientierte Trainings und Psychoedukation) bedürfen. Für diejenigen Rehabilitanden, die nicht (mehr) über einen Arbeitsplatz verfügen, sind MBOR-Belastungserprobungen notwendig, die durch standardisierte berufsorientierte Therapiemodule eine möglichst umfassende Einschätzung des beruflichen Wiedereingliederungspotenzials ermöglichen. Auf dieser Basis können weiterführende medizinisch-berufliche Rehabilitationsbehandlungen, wie intensive Phase-II-Maßnahmen, deren Voraussetzung eine positive Erwerbsprognose ist, umso sicherer empfohlen werden. Anhand dieser Kriterien ergaben sich als wesentliche Subgruppen, denen unterschiedliche Behandlungsschwerpunkte zugeordnet wurden:Stichprobe Retrospektiv zugeordnet wurden 159 Rehabilitanden (86 weiblich, 73 männlich), die in den Kliniken Schmieder Konstanz im zweiten Halbjahr 2012 berufstherapeutisch behandelt wurden.
Der Altersdurchschnitt der Gesamtgruppe betrug 44,3 Jahre (21-63). Nur vier Patienten waren älter als 60 Jahre.

Ätiologisch ergab sich folgende Fallverteilung:
Schlaganfall: 36;
entzündliche Erkrankungen, via. MS: 64;
Schädel-Hirn-Trauma: 16;
Hirntumore: 11;
andere: 32.

Diskussion:

Das vorgestellte neurorehabilitative Steuerungskonzept schafft Voraussetzungen für eine indikationsgerechte Umsetzung des MBOR-Profils. Aus der retrospektiven Fall-Zuordnung zum vorgeschlagenen MBOR-Steuerungskonzept ergab sich unter anderem: Subgruppe A (Arbeitsunfähigkeitsdauer > sechs Monate, jünger als 60 Jahre, Arbeitsplatz vorhanden) wurden entsprechend Behandlungsnotwendigkeit und günstiger Prognose die meisten Fälle zugewiesen. Bei Rehabilitanden der Subgruppen C und D (Arbeitsunfähigkeitsdauer < sechs Monate) wurden in über 75 Prozent der Fälle günstige Wiedereingliederungs-Prognosen gestellt, das heißt es wurden verfrühte Renten-Empfehlungen vermieden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362276


Informationsstand: 17.04.2014

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