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Bibliographische Angaben zur Publikation

Chancen und Herausforderungen für die Schwerbehindertenvertretungen durch die betriebliche Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention Artikel 27

Poster auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Kohl, Stephanie; Niehaus, Mathilde; Baumann, A.


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 339-341


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Die Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Artikel 27 Absatz 1 nach offenen, inklusiven und frei zugänglichen Arbeitswelten bedeutet, dass Menschen mit Behinderung 'selbstverständlicher Bestandteil der Belegschaft' sein sollen. Dafür ist es erforderlich, dass in allen Bereichen betrieblicher Praxis gleichberechtigter Zugang und Chancengleichheit ermöglicht sowie Diskriminierung verhindert wird. Durch die neu definierte Zielvision eines inklusiven Arbeitsmarktes erweitert sich die Aufgabe der Vertrauenspersonen der schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (SBV) zunehmend von der Kenntnis über arbeitsrechtliche Vorgaben entsprechend des Sozialgesetzbuchs Neuntes Buch (SGB IX), auf eine querschnittliche Beratungsfunktion, die Vernetzung und Wissensmanagement in verschiedensten Bereichen notwendig macht.

Relevanz der Fragestellung:

Die SBV ist 'eine gewählte Vertretung für die besonderen Interessen der schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Menschen'. Zur Wahrnehmung dieser Aufgaben sind im Neunten Sozialgesetzbuch Anhörungs-, Initiativ- und Beteiligungsrechte sowie Pflichten der SBV festgeschrieben. Die UN-BRK ist dem Neunten Sozialgesetzbuch übergelagert und in Deutschland ratifiziert, allerdings ist dieses Recht nicht individuell einklagbar. Durch das komplexe Ineinandergreifen der juristischen Regelwerke ergeben sich Herausforderungen in der betrieblichen Umsetzung. Die Arbeit der SBV richtet sich bislang nach dem Status der Schwerbehinderung eines Mitarbeiters (Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 beziehungsweise gleichgestellt). Nach UNBRK Artikel 1 sind auch Menschen mit Lernschwierigkeiten, chronischen Erkrankungen oder psychosozialen Benachteiligungen als Menschen mit Behinderung zu begreifen.

Außerdem definiert die UN-BRK Behinderung nicht als ein individuelles Merkmal, sondern als Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Das Erkennen und Abbauen von Barrieren im Rahmen der Gestaltung eines inklusiven Arbeitsmarktes (Artikel 27, UN-BRK) in Kombination mit dem erweiterten Behinderungsbegriff macht für die SBV ein weitaus proaktiveres, querschnittliches Handeln notwendig, das über die Kenntnis sozialrechtlicher Vorgaben im Sinne des Neunten Sozialgesetzbuches hinausgeht. Die SBV ist in Betrieben und Dienststellen ein wichtiger Akteur für die Auflösung von Barrieren in den Köpfen sowie den Abbau von diskriminierenden Einstellungen und Haltungen. Die Erhöhung des Durchschnittsalters der Belegschaft im Rahmen des demografischen Wandels ergibt voraussichtlich einen höheren Anteil von Mitarbeitern, die gegen körperliche und psychische Überlastungen geschützt werden müssen, so dass sie nicht frühzeitig ihr Erwerbsleben durch Berentung beenden und dem Betrieb qualifizierte Arbeitskräfte verloren gehen. Dem demografischen Wandel folgend, entstehen in einigen Branchen Nachwuchsbedarf und Fachkräftemangel. Hierbei entsteht die Aufgabe, im Rahmen proaktiver Rekrutierung talentierter junger Mitarbeiter die Zielgruppe junger Menschen mit Behinderung stärker zu erschließen, um die Eingliederung schwerbehinderter Menschen zu forcieren. Die barrierefreie Gestaltung der Arbeitsumwelt kann daher als ein wichtiges personalpolitisches Instrument gesehen werden, bei dem die SBV eine wichtige Beratungsfunktion erfüllt.

Ausblick und Schlussfolgerungen:

Beklagt werden auf Seiten der SBV zur betrieblichen Umsetzung dieser herausfordernden Handlungsfelder fehlende Mitbestimmungsrechte bzw. Sanktionsmöglichkeiten bei der Nichtachtung gesetzlicher Vorgaben. Freistellungszeiten sind der SBV ab einer zu vertretenden Anzahl von 200 schwerbehinderten Mitarbeitern zu gewähren), bei weniger wird lediglich Arbeitszeiten-Ausgleich gewährt. Freistellungsmöglichkeiten, die nicht auf Basis der konkret zu betreuenden Anzahl schwerbehinderter Mitarbeiter errechnet werden fehlen bisher. Ob Geldbußen als Sanktionsmöglichkeit bei Verletzung der Beteiligungsbefugnisse anstatt eines Anspruchs auf Rückgängigmachung der Entscheidung, sofern die Entscheidung bereits getroffen wurde, hinreichend geeignet sind, wird diskutiert. Durch die gesellschaftspolitische Aktualität ergibt sich Handlungsdruck für Wissenschaft und Praxis, die betriebliche Rolle der SBV zu klären.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Artikel 27 UN-BRK Arbeit und Beschäftigung
Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362274


Informationsstand: 17.04.2014

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