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Bibliographische Angaben zur Publikation

Beurteilung der kognitiven Leistungsfähigkeit nach Schädelhirntrauma unter Berücksichtigung exogener Einflussfaktoren im Rentenbegutachtungsverfahren

Vortrag auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Walk, Hans-Heinrich; Wehking, E.


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 324-325


Jahr:

2013



Abstract:


Einleitung:

Die Beurteilung der kognitiven Leistungsfähigkeit ist trotz neuropsychologischer Testverfahren schwierig und nicht frei von exogenen Einflussfaktoren (Merten, 2004).

Methodik:

Prospektiv wurde ab dem 01.01.2007 bei allen Gutachtenprobanden mit in der Bildgebung gesicherter Hirnkontusion die Carbodehydratedeficienttransferrin bestimmt und ein Drogenscreening im Urin durchgeführt. Der Befund wurde positiv bewerten, wenn er sich auch chromatographisch bestätigen ließ. Es sollte eine Kernspintomographie des Kopfes mit Kontrastmittel nicht älter als drei Monate vorliegen. Nach Anamnesenuntersuchung schätzten die Gutachter vor Eingang der Laboranalysen ein, ob ein illegaler Drogenkonsum oder ein übermäßiger Alkoholkonsum vorlag.

Patientengut:

Es wurden 100 Patienten untersucht (75 Männer und 25 Frauen). Altersdurchschnitt bei den Männern 41,8 Jahre, bei den Frauen 44,5 Jahre.

Ergebnisse:

In 12 % (ausschließlich Männer zwischen 20 und 41 Jahren) konnten illegale Drogen in der Form von Cannabis (100 %) nachgewiesen werden. Bei einem Mann (1 %) wurde ein erhöhter Alkoholkonsum festgestellt. In 80 % wurde der Nachweis von Alkohol oder Drogen prospektiv korrekt negativ eingeschätzt, in 7% korrekt positiv. In 6 % war die Einschätzung falsch negativ, in 7 % falsch positiv.

Bei 82 Patienten lag die geforderte Kernspintomographie des Kopfes vor, in acht Fällen (9,8 %) fanden sich darin zusätzlich cerebrale Durchblutungsstörungen. Von den Patienten mit Drogen-/Alkoholkonsum fand sich in fünf von 13 (38,5 %) Fällen eine Frontalhirnschädigung. Bei den 69 Patienten ohne Substanzmittelnachweis fand sich in 41 von 77 (47,1 %) Fällen eine Frontalhirnschädigung.

Diskussion:

Klinisch kann das Vorliegen eines Alkohol- oder Drogenmissbrauchs nicht ausreichend valide abgeschätzt werden (chi2 19,7; p < 0,001) hierfür sind die entsprechenden Laboruntersuchungen unerlässlich. Die Häufigkeit eines Substanzmissbrauchs sowie die benutzte Substanz als auch die Alters und Geschlechtsverteilung in unserer Untersuchung entspricht ungefähr den dafür vorliegenden epidemiologischen Daten (Pabst et al., 2010). Ein Zusammenhang zwischen Frontalhirnschädigungen mit der dadurch gestörten Impulskontrolle möglicherweise auch der Störung von Urteils- und Kritikfähigkeit kann unter dem Substanzmittelmissbrauch
aus unserer Sicht aufgrund der ungefähr gleichen Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung wie nach Schädelhirntrauma nicht gestützt werden. Zusätzlich konnte statistisch auch kein Zusammenhang mit der Frontalhirnschädigung herstellt werden (chi2=1,95; p=0,16).

Fazit:

Ohne Laboruntersuchungen kann gutachterlich nicht eingeschätzt werden, ob neuropsychologische Defizite zusätzlich durch einen Substanzmittelmissbrauch beeinflusst werden. Aussagen wie 'glaubhaft verneint' sind hier nicht ausreichend. Aus unserer Sicht ist es bei Männern im Alter bis 40 Jahren angezeigt eine Untersuchung auf Cannabis im Urin durchzuführen. Bei Probanden über 50 Jahren sollte zusätzlich eine Kernspintomographie durchgeführt werden, um unfallunabhängige Hirndurchblutungsstörungen erkennen zu können.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357371


Informationsstand: 05.06.2013

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