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Bibliographische Angaben zur Publikation

Qualitätssicherungsverfahren der sozialmedizinischen Begutachtung der Deutschen Rentenversicherung Bund mittels des Peer Review-Verfahrens

Vortrag auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Vogel, Heiner; Strahl, Andre; Gerlich, Christian [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 320-322


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Die sozialmedizinische Begutachtung zur Feststellung des Anspruchs auf Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) für Versicherte der Deutschen Rentenversicherung wird mit persönlicher Untersuchung des Versicherten oder auf Grundlage der vorhandenen Aktenlage durchgeführt. Für diesen Prozess hat die Kommission zur Weiterentwicklung der Sozialmedizin in der gesetzlichen Rentenversicherung (SOMEKO) ein Qualitätssicherungskonzept entwickelt, welches ein Peer Review-Verfahren umfasst (VDR, 2004).

Die Qualitätsbewertung der Gutachten mittels eines Manuals orientiert sich an einem hierarchischen Konzept mit sechs Einzelkriterien (Formale Gestaltung, Verständlichkeit, Transparenz, Vollständigkeit, Medizinisch-wissenschaftliche Grundlagen, Wirtschaftlichkeit) sowie einem übergeordneten Kriterium (Nachvollziehbarkeit des Gutachtens) (DRV, 2009). Als wesentliches Gütekriterium ist für das Peer Review-Verfahren die (Interrater-)Reliabilität zu überprüfen (Goldman,1994). Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass eine Reliabilität ab 0,70 als 'gut' interpretiert werden kann (Wirtz, Caspar, 2002). Mehrere Studien und die Metaanalyse von Goldman (1994) zeigen jedoch, dass in der Praxis eher niedrigere Reliabilitätskennwert um 0,30 erreicht werden.

Methode:

Im Rahmen einer Pilotstudie zur Überprüfung der Reliabilität des Peer-Reviews der sozialmedizinischen EM-Begutachtung, die von der Deutschen Rentenversicherung Bund in Auftrag gegeben wurde, wurden 260 Erstgutachten zur Erwerbsminderungsrente verschiedener Indikationen von zwölf teilnehmenden Rentenversicherungsträgern einbezogen. Davon wurden 20 Gutachten zufällig ausgewählt und sollten von allen Peers bewertet werden. Ferner sollten anhand eines Verteilungsschemas 20 Gutachten pro teilnehmendem Träger durch jeweils zwei Peers beurteilt werden. Insgesamt gingen 771 Reviews von 19 Peers als Datengrundlage in die Auswertung ein. Zur Beurteilung der Interrater-Reliabilität wurde Kendalls Konkordanzkoeffizient W für mehr als zwei Beurteiler herangezogen.

Ergebnisse:

Die Reliabilitätskennwerte der Einzelkriterien liegen in einem Range von 0,09 bis 0,88. Das übergeordnete Kriterium, welches die Nachvollziehbarkeit der sozialmedizinischen Gutachten misst, erreicht eine Interrater-Reliabilität von 0,37. Betrachtet man die prozentuale Übereinstimmung der Bewertung des übergeordneten Kriteriums innerhalb der Gutachten, schwankt der Range hier auch von 88 % bis 29 % und liegt im Mittel bei 48 % für die 20 Gutachten, die von allen Peers beurteilt wurden. Die Koeffizienten der indikationsspezifischen Reliabilitätsberechnung zeigen ähnliche Ausprägungen wie die indikationsübergreifenden Kennwerte. Dabei reduziert die statistische Auswahl der einzelnen Indikationen jedoch stark die Zahl der Fälle, die in die Berechnung eingehen, sodass einzelne Koeffizienten nicht berechnet werden können oder auf nur sehr wenigen Fällen beruhen.

Diskussion:

Die in der Literatur geforderte Reliabilität in Höhe von > 0,70 erreicht das erprobte Peer- Review der sozialmedizinischen Begutachtung auf der Basis des vorliegenden Manual nicht. Jedoch liegen für die Bewertung von Reliabilitätskoeffizienten lediglich grobe Richtlinien vor, die Interpretation sollte sich immer an den Bedingungen des jeweiligen Kontextes orientieren. Zudem sei darauf hingewiesen, dass die gefundenen Kennwerte bzgl. des Hauptzielkriteriums (=übergeordnetes Kriterium) sich in dem selben Bereich bewegen, wie diejenigen beim Peer Review der Reha-Entlassungsberichte in der letzten veröffentlichen Fassung (Farin et al., 2003).

Schließlich sei darauf hingewiesen, dass aus der begleitenden formativen Evaluation verschiedene Hinweise auf offensichtliche Verbesserungsmöglichkeiten in der Qualität des Peer Reviews erfasst werden können, die für die nunmehr sich anschließende Routinisierung umgesetzt werden können. So bedingt die Definition des zu messenden Merkmals seine Erfassbarkeit. Ein breit definiertes Merkmal, wie das übergeordnete Kriterium, ist schwer zu operationalisieren und zu erfassen. Zusätzlich bedingt die Anzahl der Skalenkategorien die Höhe der Konkordanz. Wenige Skalenkategorien (übergeordnetes Kriterium = 3; Prüffragen der Einzelkriterien = 4) können die Höhe der Reliabilitätskoeffizienten verringern. Ferner bedingen die Form der Verteilung der Daten als auch unbesetzte Zellen in der Datenmatrix die Höhe der Reliabilität.

Schlussfolgerung und Ausblick:

Die gefundene Reliabilität des Manuals erweist sich, im Kontext vorhandener Forschungsdaten und Studien, als akzeptabel. Die Konstruktion als indikationsübergreifendes Bewertungsinstrument kann durch die Daten bestätigt werden. Eine Erhöhung der Reliabilität des Manuals erfolgt durch Überarbeitung bzw. Kürzung einzelner Prüffragen. Um künftig einheitlichere Bewertungsmaßstäbe der Peers herzustellen bzw. zu sichern, bedarf es vor Anwendung des Manuals einer Peer-Schulung sowie eines praxisbegleitenden kontinuierlichen Auffrischungstrainings.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV357369


Informationsstand: 05.06.2013

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