Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Evaluation einer arbeitsplatzorientierten Maßnahme nach dem Modell der JobReha für MitarbeiterInnen einer Universitätsklinik

Vortrag auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Neugebauer, Tjark-Gerit; Bethge, Matthias; Egen, Christoph [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 318-319


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Eine frühzeitige Gesundheitsförderung zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit kann einer Chronifizierung muskuloskelettaler Beschwerden vorbeugen und damit die Teilhabe am Berufsleben sichern (van Oostrom et al., 2009). Analog zur präventiv ausgerichteten Stufe I des JobReha-Modells (Gutenbrunner, Schwarze, 2011; Schwarze et al., 2012) wurde in einem Universitätsklinikum eine einwöchige ambulante Intensivmaßnahme mit anschließendem dreimonatigem
Training konzipiert.

Das Angebot richtet sich an MitarbeiterInnen mit arbeitsplatzbezogenen muskuloskelettalen Beschwerden ohne bereits bedrohte Erwerbsfähigkeit. Der Zugang zur JobRehaMHH erfolgte nach freiwilliger Meldung interessierter MitarbeiterInnen; die endgültige Zuweisung schließlich durch den betriebsärztlichen Dienst. Das Angebot umfasste einen Abgleich des Anforderungs- und Fähigkeitsprofils in Anlehnung an die Evaluation funktioneller Leistungsfähigkeit nach Isernhagen (1992), ein auf das Beschwerdebild und die Arbeitsplatzanforderungen fokussiertes Training und Module zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz.

Methodik:

Die Implementierung der JobRehaMHH wurde durch eine Kohortenstudie begleitet. Erhebungen fanden vor und nach der dreimonatigen Trainingsphase statt. Erhoben wurden unter anderem die Arbeitsbewältigung (Work Ability Index), die subjektive Erwerbsprognose (SPE-Skala), die Schmerzintensität sowie die Zufriedenheit der TeilnehmerInnen. Zudem wurden durch die Personalentwicklung Arbeitsunfähigkeitstage und Krankengeldzahlungen erfasst, um die JobRehaMHH gesundheitsökonomisch bewerten zu können. Um Risikofaktoren zu identifizieren, welche die Arbeitsfähigkeit nach der Maßnahme beeinflussen, wurden Regressionsmodelle unter Einschluss soziodemographischer sowie gesundheits-, einstellungs- und anforderungsbezogener Variablen gerechnet.

Ergebnisse:

Im Zeitraum vom August 2010 bis September 2011 nahmen 116 TeilnehmerInnen die JobRehaMHH in Anspruch. An der Nacherhebung nach Abschluss der dreimonatigen Trainingsphase beteiligten sich 97 Personen. Die Stichprobe umfasste 59,5 % Personen mit körperlich belastenden Tätigkeiten (Bettenzentrale, Transportwesen o. ä.) und 40,5 % Büroangestellte. Das Durchschnittsalter lag bei 47 Jahren (Min: 20 Jahre; Max: 63 Jahre). 60,3 % waren Frauen. 91,8 % der TeilnehmerInnen gaben an, dass ihnen die Teilnahme an der JobRehaMHH geholfen hat, besser mit ihren Beschwerden am Arbeitsplatz umzugehen. 86,6 % gingen davon aus, dass dieser Nutzen stabil bleibt, und 95,9 % waren mit der Interventionsmaßnahme zufrieden. 97,8 % würden die Maßnahme ihren KollegInnen weiter empfehlen.

Im Verlauf der JobRehaMHH verbesserte sich der WAI-Summenwert von durchschnittlich 35,2 auf 37,3 Punkte nach 3 Monaten. Dies entsprach einer Effektstärke von d = 0,34 (p < 0,001). Ebenso wirkte sich die Teilnahme an der JobRehaMHH positiv auf die Erwerbsprognose (d = -0,19; p = 0,047) und die Schmerzstärke (d = -0,49; p < 0,001) aus. Nach 6 Monaten
waren die Arbeitsunfähigkeitszeiten pro TeilnehmerIn um 34 % verringert. Nach 12 Monaten war eine Senkung der Arbeitsunfähigkeitstage von durchschnittlich 4 Tagen pro TeilnehmerIn zu beobachten. Die Maßnahme führte über ihre Einbindung ins betriebliche Gesundheitsmanagement aus Sicht der TeilnehmerInnen auch zu einer Verbesserung der Arbeitsorganisation (d = 0,42; p < 0,01). Regressionsanalytisch zeigte sich, dass ältere TeilnehmerInnen und Männer weniger von der Maßnahme profitierten. Außerdem wirkten sich die Belastung durch Schichtarbeit, eine geringere Arbeitsmotivation und eine höhere Schmerzstärke negativ auf die Arbeitsfähigkeit nach der JobRehaMHH-Teilnahme aus.

Diskussion:

Die bislang vorliegenden Ergebnisse legen nahe, dass eine Übertragung der Strukturen des JobReha-Modells auf eine Universitätsklinik möglich ist, so dass derzeit eine Übernahme der JobRehaMHH in das Routineangebot des Betriebliche Gesundheitsmanagements der Medizinischen Hochschule Hannover angestrebt wird.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357368


Informationsstand: 05.06.2013

in Literatur blättern