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Bibliographische Angaben zur Publikation

Veränderungen der erwerbsbezogenen Motivation, Ziele und Alltagsorientierung durch das Interventionskonzept FIEZ der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Bürger, Wolfgang; Nübling, Rüdiger; Kriz, David [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 254-256


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Im Rahmen des von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz (DRV RLP) geförderten FIEZ-Projektes wurde ein innovativer Interventionsansatz entwickelt, der als berufsbezogenes Basisangebot für Rehabilitationskliniken indikationsübergreifend darauf abzielt, in den Kliniken eine grundlegende erwerbsbezogene Orientierung zu fördern (vgl. Bürger et al., 2012). Dabei wird mithilfe einer frühzeitigen Erarbeitung individueller konkreter erwerbsbezogener Ziele (vgl. auch Gerlich et al., 2009; Hanna et al., 2009) eine kognitive und motivationale Fokussierung sowohl des Rehabilitanden als auch des Rehabilitationsteams auf die erwerbsbezogene Zielsetzung der Rehabilitation unterstützt. So soll der gesamte nachfolgende Rehabilitationsprozess unter der Perspektive dieser Zielsetzungen besser wahrgenommen und genutzt werden.

Die Intervention umfasst einen Chefarztvortrag mit früher Einstimmung auf die erwerbsbezogene Zielsetzung der Rehabilitation, die spezifisch erwerbsbezogene Aufnahmeuntersuchung durch die Rehabilitationsmediziner mit einer entsprechenden Erarbeitung von Behandlungszielen und darauf abgestimmten Behandlungsangeboten sowie ein ergänzendes spezifisches Gruppenangebot durch Psychologen und Sozialarbeiter. Die Intervention ist im Stufenmodell der MBOR der Stufe A zuzuordnen, geht aber konzeptuell weit über die übliche Entwicklung von Einzelinterventionen mit beruflichem Schwerpunkt hinaus (vgl. Streibelt, Buschmann-Steinhage, 2011; Egner et al., 2011). Erste Hinweise auf eine grundlegende Wirkung der Intervention im Sinne einer Verminderung der Frühberentungsmotivation deuten die bereits präsentierten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie an. In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, inwieweit mithilfe einer solchen Intervention Einfluss auf die erwerbsbezogene Behandlungsmotivation und -fokussierung bei den Versicherten erreicht werden kann und inwieweit diese sich im Rahmen eines entsprechenden Behandlungskonzeptes besser auf den (beruflichen) Alltag vorbereitet fühlen.

Methodik:

Im Rahmen der in Kooperation mit der Drei-Burgen-Klinik durchgeführten o. g. Machbarkeitsstudie wurde das Interventionskonzept in Form einer quasi-experimentellen Studie mit einer Vergleichsgruppe und zwei Messzeitpunkten im Hinblick auf seine Wirksamkeit und subjektive Einschätzung durch Rehabilitanden bewertet. Dabei wurden Rehabilitanden und ihre behandelnden Ärzte aus den beiden Indikationsbereichen Orthopädie und Kardiologie in die standardisierte Befragung einbezogen. Die Kontrollgruppe (KG) umfasst 58 Versicherte, die zu Beginn und am Ende ihrer Rehabilitation zu einem Zeitpunkt vor Implementierung der Intervention befragt wurden. Die Interventionsgruppe (IG) umfasst 44 Versicherte, die zu den gleichen Zeitpunkten nach Einführung der Intervention befragt wurden. Eingesetzt wurden u. a. die AZOR- Skalen zur Beurteilung der Alltags- und Zielorientierung in der medizinischen Rehabilitation (Bürger, Koch, 2005).

Ergebnisse:

Einbezogen wurden Versicherte der DRV RLP, die erwerbstätig und nicht älter als 63 Jahre sind. Es handelt sich um ein überwiegend männliches, gering qualifiziertes und sozialmedizinisch stark belastetes Untersuchungsklientel, das zu hohen Teilen arbeitsunfähig (mit mittleren Fehlzeiten von über 10 Wochen), sehr häufig (73 %) mit Arbeitslosigkeitserfahrungen in den letzten 12 Monaten und mit subjektiv hoher Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit in die Klinik kommt. Die Ergebnisse zeigen, dass berufsbezogenen Behandlungszielen von IG-Patienten retrospektiv am Ende der Rehabilitation tatsächlich eine höhere Bedeutung zugemessen wird, dies gilt insbesondere für die Zielbereiche 'Suche nach beruflichen Alternativen und Veränderungen' sowie 'Beratung bei berufs- und arbeitsrechtlichen Fragen'. Ebenso ergeben sich Hinweise, dass IG-Patienten die Alltags- und Zielorientierung der Rehabilitation höher einschätzen. So gibt in der IG ein deutlich höherer Anteil an Patienten an, dass mit ihnen die Umsetzung des in der Reha Gelernten in den beruflichen Alltag und mögliche Probleme bei der Rückkehr in die Arbeit besprochen wurden oder dass bei der Formulierung der Rehaziele die individuellen beruflichen Vorstellungen berücksichtigt wurden. Gleichzeitig zeigen sich sowohl bei Rehabilitanden als auch den sie behandelnden Ärzten eher undifferenzierte Zielformulierungen hinsichtlich eines berufsbezogenen Behandlungsschwerpunktes und entsprechend wenig spezifische Behandlungserwartungen. Berufsbezogene Aspekte der Behandlung werden von Versicherten der Interventionsgruppe insgesamt positiver bewertet gegenüber der Kontrollgruppe.

Diskussion und Schlussfolgerung:

In der Studie sollten Implementierbarkeit, Akzeptanz und Effekte eines berufsbezogenen Basisangebotes zur Förderung der erwerbsbezogenen Zielorientierung in der Rehabilitation geprüft werden. Die Ergebnisse sind aufgrund des eingeschränkten Studiendesigns und der geringen Fallzahlen noch vorsichtig zu betrachten. Doch sie deuten darauf hin, dass ein solcher Interventionsansatz lohnend sein könnte, um bei Patienten und Behandlern eine verstärkte erwerbs- und berufsbezogene Orientierung zu schaffen. Die DRV RLP hat sich deshalb zur einer erweiterten Förderung des Projektes entschlossen, in dem vor allem eine Weiterentwicklung des Konzeptes sowie der Implementierungsstrategien im Vordergrund steht.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV357339


Informationsstand: 05.06.2013

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