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Bibliographische Angaben zur Publikation

Erwerbsbezogene Einschränkungen der Funktionsfähigkeit: Spielen sie eine Rolle beim Zugang in die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation?

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Löffler, Stefan; Schwarz, Betje; Neuderth, Silke [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 193-194


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) verbessert die erwerbsbezogenen Teilhabechancen von Personen mit stark beeinträchtigter Funktionsfähigkeit (Bethge, 2011; Bethge et al., 2011; Streibelt et al., 2009).

Das von einer trägerübergreifenden Projektgruppe der Deutschen Rentenversicherung erarbeitete Anforderungsprofil (AP) zur
Durchführung der MBOR begrenzt die Zielgruppe daher auf Personen mit besonderen beruflichen Problemlagen (BBPL), zum Beispiel aufgrund langer Arbeitsunfähigkeit oder negativer subjektiver Erwerbsprognose (Deutsche Rentenversicherung Bund, 2010).

Im Rahmen der Begleitstudie zur Erprobung des AP sollte unter anderem geklärt werden,
- ob der Zugang in die MBOR bzw. in die herkömmliche medizinische Rehabilitation (MR) aufgrund erwerbsbezogener Einschränkungen der Funktionsfähigkeit nachvollziehbar ist,
- ob der Zugang zur MBOR auf den Einsatz eines Screenings angewiesen ist,
- inwiefern eine Steuerungsverantwortung beim Träger oder bei der Klinik zu unterschiedlichen Ergebnissen führt.

Methoden:

Die Daten wurden in sechs stationären orthopädischen Rehabilitationszentren erhoben (Auftraggeber der Studie: Deutsche Rentenversicherung Bund). Eingeschlossen wurden Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit den ICD-10-Diagnosen M50 bis M54. Besondere berufliche Problemlagen wurden über die von Radoschewski et al. (2006) vorgeschlagenen Indikatoren operationalisiert (mindestens 3-monatige Arbeitsunfähigkeit im Jahr vor der Rehabilitation oder Leistungsvermögen in der letzten beruflichen Tätigkeit unter 6 Stunden oder Arbeitslosigkeit). Zudem wurden die Dauer der aktuellen Arbeitsunfähigkeit, die Fähigkeit zur Bewältigung der Arbeitsanforderungen (Work Ability Index), die subjektive Prognose der Erwerbsfähigkeit und die körperliche Leistungsfähigkeit (Spinal Function Sort) erfasst. Um die Bedeutung besonderer beruflicher Problemlagen für den Zugang in die MBOR zu bestimmen, wurde ein logistisches Regressionsmodell gerechnet. Unterschiede von MBOR und MR in Bezug auf erwerbsbezogene Einschränkungen der Funktionsfähigkeit wurden mittels linearer Regression modelliert.

Ergebnisse:

Die Analysestichprobe umfasste 503 Personen (mittleres Alter: 49,9 Jahre; 46,7 % weiblich). Von diesen wurden 264 in der MBOR und 239 inder MR behandelt. Bei drei der sechs Rehabilitationszentren lag die primäre Steuerungsverantwortung beim Träger. Die anderen drei Einrichtungen steuerten den Zugang in die MBOR ohne Unterstützung des Trägers. Der Zugang in die MBOR wurde viermal durch ein Screening unterstützt, zweimal wurde auf ein Screening verzichtet.

In der MR variierten die klinikspezifischen Anteile von Personen mit BBPL zwischen 9,5 % und 36,4 %, in der MBOR zwischen 22,9 % und 69,8 %. Im Klinikmittel hatten Personen mit BBPL eine etwa viermal höhere Chance auf eine MBOR als Personen ohne BBPL. Bei einem Screeningeinsatz war die Chance auf eine MBOR für Personen mit BBPL im Klinikmittel rund fünfmal, bei einem Screeningverzicht nur etwa zweimal höher.

Deutliche Unterschiede zwischen MBOR und MR hinsichtlich der erlebten Einschränkungen erwerbsbezogener Funktionsfähigkeit konnten nur für die Zuweisungsverfahren bestätigt werden, in denen ein Screening die Auswahl unterstützte. Bei einem Screeningeinsatz berichteten Personen in der MBOR am Rehabilitationsbeginn durchschnittlich eine um 10,8 Wochen (95 % KI: 7,4 bis 14,2) längere aktuelle Arbeitsunfähigkeitsdauer, einen um 5,5 Skalenpunkte (95 % KI: -7,3 bis -3,6) geringeren Wert auf dem Work Ability Index, eine um 0,6 Skalenpunkte (95 % KI: 0,4 bis 0,9) höhere subjektive Gefährdung der Erwerbsfähigkeit und einen um 22,9 Skalenpunkte (95 % KI: -33,5 bis -12,3) schlechteren Wert auf dem Spinal Function Sort. Wurde auf ein Screening verzichtet, unterschieden sich Personen in der MBOR nicht von denen in der MR. Verfahren mit primärer Klinik- und Trägersteuerungsverantwortung führten zu einer vergleichbaren Unterscheidbarkeitbeider Behandlungsgruppen.

Schlussfolgerung:

Beim Einsatz eines Screenings zeigten sich deutlich stärkere Unterschiede zwischen MBOR und MR. Eine screeninggestützte Zuweisung durch die Rentenversicherungsträger ist insbesondere sinnvoll, wenn nicht alle Kliniken über ein hinreichend ausgebautes MBOR-Angebot verfügen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV357330


Informationsstand: 04.06.2013

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