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Bibliographische Angaben zur Publikation

Verzahnung zwischen medizinischer Rehabilitation und beruflicher Reintegration bei Beschäftigten eines Bergwerkbetriebes: Medizinische und ökonomische Ergebnisse eines optimierten Rehabilitationskonzeptes

Vortrag auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Müller, Wolf-Dieter; Knufinke, R.; Kleinhans, W. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 201-203


Jahr:

2011



Abstract:


Hintergrund:

Ein zentraler sozialmedizinischer Aspekt der Rehabilitation ist die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der Berufs- und Erwerbsfähigkeit der Rehabilitanden. Das Gelingen dieses Auftrages kann im gegliederten Sozialsystem nur durch ein exakt strukturiertes kooperatives Zusammenwirken aller am Reha-Prozess beteiligten Partner erreicht werden.

Im Rahmen früherer Untersuchungen wurde in Zusammenarbeit mit Industriebetrieben und der DRV Mitteldeutschland über ergebnisorientierte Optimierungsschritte ein Konzept zur Verzahnung zwischen medizinischer Rehabilitation und beruflicher Reintegration entwickelt und in der Praxis erfolgreich erprobt. (Müller et al., 2005; Müller et al., 2006; Maier, 2010). Dieses erfolgreiche Konzept wurde in einer weiteren Studie unter den spezifischen Bedingungen eines Bergwerksunternehmens hinsichtlich seiner Wirksamkeit untersucht (Müller et al., 2009). Zweck der vorliegenden Arbeit war es, die medizinischen und ökonomischen Ergebnisse des Rehabilitationskonzeptes zu untersuchen.

Methodik:

Im Rahmen einer aktuell noch laufenden prospektiven Fallkontrollstudie wurden in der Zeit von 01/2006 bis 06/2010 204 Mitarbeiter eines Bergwerkbetriebes mit gefährdeter Erwerbsfähigkeit wegen rezidivierenden Rücken- beziehungsweise. Gelenkbeschwerden zu einer durchschnittlich 3-wöchigen stationären Rehabilitationsbehandlung unter Trägerschaft der DRV Knappschaft-Bahn-See mit gestrafftem Antragsverfahren eingewiesen. Vor Beginn der Reha erfolgte die Ermittlung des Arbeitsplatzanforderungsprofiles nach IMBA durch den Betrieb.

Zum Reha-Beginn wurde das AP-Anforderungsprofil mit dem Patientenfähigkeitsprofil mittels EFL-Screening-Test und IMBA verglichen und das Reha-Interventionsprogramm auf die spezifischen Anforderungen des arbeitsbezogenen Leistungsvermögens abgestimmt. Am Reha-Ende erfolgte im Rahmen einer regelhaften Fallkonferenz unter Beteiligung des Betriebes die nahtlose Wiedereingliederung der Rehabilitanden in den Arbeitsprozess mit allen notwendigen Begleitmaßnahmen (zum Beispiel Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, ambulante Therapie). Den Patienten wurden SF-36, EQ-5D, FFbHR beziehungsweise WOMAC am Anfang (T 1), am Ende (T 2) der Rehamaßnahme und 6 Monate nach Entlassung (T 3) vorgelegt. Bei insgesamt 41 Patienten wurde als weiterer Optimierungsschritt des Verfahrens ein 1-wöchiges Intervall-Rehaverfahren 6 Monate nach Beendigung der stationären Rehabilitation durchgeführt.

Ergebnisse:

Von den eingeschlossenen 204 Patienten standen zum Zeitpunkt T 2 noch 196 zur Verfügung. Zum Zeitpunkt T 3 beteiligten sich noch insgesamt 104 Patienten an einer postalischen Nachbefragung (Rücklauf 50,9 Prozent). Longitudinale Effekte wurden geprüft und mit den Stichproben aus früheren Studien verglichen. Seitens des Betriebes wurden die Arbeitsunfähigkeitszeiten (die orthopädischen Leiden betreffend) aller eingeschlossenen Patienten ein Jahr vor und ein Jahr nach der stationären Rehabilitationsbehandlung ermittelt. Die Ergebnisse des Eingangsassessments zeigten einen komplexen Rehabilitationsbedarf bei der gesamten Stichprobe auf.

Im allgemeinen Gesundheitszustand (SF-36) zeigten sich während des Reha-Verfahrens im Bereich der körperlichen Skalen mittlere bis große Effektstärken; im Bereich der mentalen Skalen mittlere Effektstärken. Die Verbesserungen konnten nach der stationären Phase weiter ausgebaut werden, so dass über den Gesamtbetrachtungszeitraum alle Skalen hohe Effektstärken auswiesen. Im spezifischen Gesundheitszustand (FFbHR bzw. WOMAC) waren während des Reha- Verfahrens hohe Effektstärken nachweisbar, die in der Nachbehandlungsphase weiter anstiegen. Ebenso konnten bei der Lebensqualität (EQ-5D) während der Reha hohe Effektstärken gemessen werden, die ebenso nach der stationären Phase ausgebaut worden sind. Die Arbeitsunfähigkeitszeiten konnten im Jahr nach der stationären Rehabilitation im Vergleich zum Jahr davor 2008 um 82 Prozent, 2009 um 74 Prozent und 2010 um 95 Prozent gesenkt werden.

Diskussion:

Die Auswahl der Rehabilitanden war aufgrund des komplexen Reha-Bedarfs bei gutem Reha- Potential adäquat. Die stationäre Rehabilitation zeigte messbare positive und nachhaltige Effekte, die sich im deutlichen Rückgang der Arbeitsunfähigkeitszeiten der Rehabilitanden nach stattgehabter Reha widerspiegelten. Die gemessenen Ergebnisse sind vergleichbar mit denen von Kollektiven aus anderen Industriebetrieben, welche mit analogen Reha-Konzepten behandelt wurden (Müller et al., 2006).

Schlussfolgerungen:

Das im Zuge systematischer und assessmentgestützter Optimierungsschritte entwickelte Reha-Konzept hat sich unter den spezifischen Bedingungen eines Bergwerkbetriebes bewährt. Die Nutzung der Assessmentergebnisse zur Reha-Steuerung und zur weiteren Optimierung von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der stationären Rehabilitation sowie die Analyse der ökonomischen Effekte haben sich als äußerst vorteilhaft erwiesen. Die Effekte der neu implementierten Intervall-Rehabilitation müssen im weiteren Studienverlauf untersucht werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV336623


Informationsstand: 29.03.2011

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