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Bibliographische Angaben zur Publikation

Agora XII: Ausbildung geistig Behinderter und ihrer Ausbilder: Wie kann man Menschen mit geistigen Behinderungen eine echte und behindertengerechte Ausübung ihrer Rechte ermöglichen?

Thessaloniki, 5. und 6. Juli, 2001



Sammelwerk / Reihe:

Cedefop Panorama series, Band 69


Autor/in:

Hutchison, Gaye; Duarte, Carmen; Heinen, Helmut [u. a.]


Herausgeber/in:

Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP)


Quelle:

Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen, 2003, 186 Seiten: PDF, ISBN: 92-896-0163-9


Jahr:

2003



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Abstract:


Warum eine Agora für Menschen mit geistigen Behinderungen? Das Recht eines jeden Menschen auf persönliche Entfaltung und Selbstverwirklichung (das unweigerlich mit einem Recht auf Beschäftigung verknüpft ist) wird in unserer Gesellschaft zu einer Grundvoraussetzung für sozialen Fortschritt erklärt. Aber gilt dieses Recht gleichermaßen für alle Menschen? Laut einer Erhebung von Eurostat leiden 12 Prozent der Bevölkerung in Europa an einer Behinderung, von denen nach Schätzungen nur rund die Hälfte in irgendeiner Form einen Arbeitsplatz haben. In einer Zeit, in der sich Arbeitsbedingungen und Beschäftigung im Zuge der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts und der zunehmenden Mobilität verändern, und in der die Berufsbildung eine immer wichtigere Rolle spielt, damit sich die Menschen an neue Gegebenheiten anpassen können, erscheint es dem Cedefop wichtig, die Bedeutung und die Auswirkungen dieses Wandels für Menschen mit geistigen Behinderungen zu prüfen.

Zur Agora trafen sich 32 Teilnehmer (Forscher, Politiker, Sozialpartner und Behindertenspezialisten), um ihre Erfahrungen auszutauschen und darüber zu diskutieren, wie die berufliche Bildung der Menschen mit geistigen Behinderungen und ihrer Ausbilder wirksam zur Wahrnehmung ihres Rechts auf echte Eingliederung und Mobilität auf dem Arbeitsmarkt beitragen kann. Wir haben außerdem Vorschläge erarbeitet, wie wir alle am besten dazu beitragen können, dass eine echte und nicht nur formale Gleichstellung von durchaus sehr verschiedenen Menschen erreicht wird.

Eine derartige Herangehensweise an dieses Thema erfordert zunächst und vor allen Dingen eine gemeinsame Diskussionsgrundlage hinsichtlich der Definition von Behinderung. Ist Behinderung als medizinisches Faktum oder als soziales Phänomen zu sehen? Unsere Haltung in dieser Frage bildet die Grundlage für weitere Diskussionen und die Möglichkeit zur Veränderung. Alle Referate und Diskussionsbeiträge liefen auf die Erkenntnis hinaus, dass geistige Behinderung in vielen Gesellschaften nur aus medizinischer Sicht beurteilt wird und folglich mit einem Negativbild behaftet ist, das durch Abhängigkeit (von medizinischer Betreuung) und Unheilbarkeit (Dauerzustand) geprägt ist. Ergebnis dieser Sichtweise ist, dass Menschen mit Behinderungen nach einem praktikablen und bequemen Muster diagnostiziert, kategorisiert und behandelt werden, das letztendlich zur Entmündigung führt (Gaye Hutchison). In solch einem medizinischen Modell sind offensichtlich keine Maßnahmen - insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung - vorgesehen, die bei diesen Menschen auf selbstständige Entscheidungen, Autonomie und die Wahrnehmung von Chancen abzielen. Ein soziales Modell hingegen würde insofern die Möglichkeit für Veränderung eröffnen, als klargestellt würde, dass es unsere Gesellschaft ist, die Integration verhindert, indem sie eher die Defizite behinderter Menschen hervorhebt und ihre Stärken und Potenziale ignoriert.

Obwohl die Notwendigkeit der Umstellung auf ein soziales Modell allgemein anerkannt wird, spiegelt sich das unterschiedliche Tempo bei diesem Prozess in den divergierenden und zum Teil gegensätzlichen Meinungen und Vorgehensweisen wieder, die zeigen, wie die berufliche Bildung und Integration von Menschen mit Behinderungen heute in Europa gesehen werden und welche Ziele tatsächlich damit angestrebt werden sollen.

[...]

Diese Agora war kein Forum für Kompromisse beziehungsweise für eine Angleichung von unterschiedlichen Standpunkten. Sie hat vielmehr ermöglicht, ein klares Bild der aktuellen Lage zu zeichnen sowie verschiedene beziehungsweise gegensätzliche Sichtweisen auszuloten. Es wurde allgemein empfunden, dass ein grundsätzlicher Prozess des Umdenkens bereits eingesetzt hat (Raymond Ceccotto). Die Entwicklung in Richtung Selbstbestimmung erfordert von allen beteiligten Akteuren eine kritische Überprüfung von Integration, Unterstützung und Rolle der Fachleute. Hinzu kommt, dass Selbstbestimmung zum Qualitätskriterium für das Bildungsund Ausbildungsangebot sowohl für die Menschen mit geistigen Behinderungen als auch für die Fachleute selbst wird, da dieses Angebot die Anpassung an diese neue Realität ermöglichen sollte.

In dieser Übergangsphase existieren allerdings traditionelle und neue Ansätze nebeneinander und die Ansichten über die weitere Vorgehensweise gehen weit auseinander. Dennoch hat diese Agora auch ein positives Zeichen gesetzt: Vernetzung als Mittel für den Austausch bewährter Verfahren zwischen Fachleuten mit unterschiedlichen kulturellen, historischen und politischen Hintergründen kann dazu beitragen, dass wir die Ebene der reinen Konfrontation verlassen und uns trotz unterschiedlicher Methoden, Ansätze und politischer Prägung einer gemeinsamen Aufgabe widmen. Die Vernetzung kann auch die Formalisierung unserer Forderung nach Bewusstseinsbildung und Engagement für wahre Werte, Ausbildung und Transparenz der Sozialpolitik sowie die Beurteilung von Maßnahmen ermöglichen (Raymond Ceccotto). Diese Debatte, die bereits für 2002 von ARFIE organisierte Folgeveranstaltung sowie die Aufforderung von ARFIE an das Cedefop, im Jahr 2003 als dem Jahr behinderter Menschen eine Studie über die Ausbildung von Fachleuten durchzuführen, sind schon jetzt greifbare Beispiele für gute Ergebnisse einer Vernetzung.

[Aus: Information des Herausgebers]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerk / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union
Vertriebsbüro Deutschland: Bundesanzeiger Verlag GmbH
Homepage: https://www.bundesanzeiger.de/ebanzwww/wexsservlet
EU Bookshop
Homepage: https://bookshop.europa.eu/de/home/

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Referenznummer:

R/NV3151


Informationsstand: 07.09.2004

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