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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufliche Perspektiven von Menschen mit Usher-Syndrom Typ I

Wissenschaftliche Hausarbeit - Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Sonderschulen nach SPO I vom 19. Dezember 2000



Autor/in:

Scheele, Andrea


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Heidelberg: Eigenverlag, Online-Ressource, 2005, 242 Seiten


Jahr:

2005



Abstract:


Das Usher-Syndrom ist eine erblich bedingte Kombination aus einer Schwerhörigkeit beziehungsweise Gehörlosigkeit und dem langsam fortschreitenden Abbau der Netzhaut im Auge (Retinopathia pigmentosa, RP). Die Degeneration der Netzhaut bewirkt Einschränkungen des Gesichtsfelds des Betroffenen, Schwierigkeiten im Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen und Dunkelheit sowie eine stark erhöhte Empfindlichkeit bei Blendung. Es existieren drei verschiedene Subtypen, wobei beim ersten Typ (Usher-Syndrom Typ I) von Geburt an eine hochgradige Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit besteht.

Die Arbeit zeigt auf, dass das Usher-Syndrom mit zirka 5.000 betroffenen Menschen in Deutschland keine seltene Erkrankung ist. Etwa die Hälfte der Betroffenen sind am Subtyp I erkrankt und werden in Hörgeschädigteneinrichtungen beschult, da die Primärbehinderung in der Hörbehinderung liegt und darüber hinaus einen hohen Grad aufweist. 3 bis 5 Prozent der Hörstörungen von Schülern an Hörgeschädigteneinrichtungen sind auf das Usher-Syndrom zurückzuführen, welches vor allem in diesen Institutionen einen Handlungsbedarf zur Folge hat.

Anhand der Ausführungen wird jedoch deutlich, dass die Eingliederung der Betroffenen an den Hörgeschädigteneinrichtungen nicht ideal verläuft. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass zahlreiche Betroffene eine Zurückweisung durch hörgeschädigte Freunde erleben, die einen Kontakt zu Menschen, die zusätzlich von einer Sehbehinderung betroffen sind, ablehnen. Für Betroffene wird ein Verlust der Identität als Gehörloser ermittelt. Durch auftretende Schwierigkeiten an der Ausbildungs- oder Arbeitsstelle kommen weitere Identitätsunsicherheiten hinzu, die sich durch die enge Verbindung zwischen Selbstbild und Beschäftigung bedingen. Da bis zum heutigen Zeitpunkt noch keine Therapie für das Usher-Syndrom existiert, ist es zwangsläufig Aufgabe der Betroffenen, sich auf die Erkrankung einzustellen.

Problemfelder - wie Kommunikation, Bewältigung der Behinderung, Isolation, Selbstständigkeit, Informationsbeschaffung, fehlende Modifikationen durch fehlende kompetente Beratung (wie zum Beispiel Hilfsmittelausstattung, Arbeitsplatzgestaltung) - werden im Verlauf der Arbeit aufgegriffen und analysiert.

Es kristallisiert sich heraus, dass vorrangig der psychische und der kommunikative Bereich in Verbindung mit der bundesweiten wie auch regionalen konjunkturellen Lage Einfluss auf die beruflichen Perspektiven haben. Die beruflichen Aussichten sind aufgrund der benannten Problemfelder, denen noch kein pädagogisches Konzept entgegentreten kann, als schlecht zu beurteilen. Positiv wirken hingegen die ausgesprochen gut qualifizierenden Berufsbildungswerke, welche die Vermittlungsquoten hörbehinderter - und damit auch ihrer hörsehbehinderten Klienten - anheben. Eine gute Ausbildung reicht jedoch als pädagogische Antwort bei weitem nicht aus.

Zur Verbesserung der beruflichen Perspektiven von Menschen mit Usher-Syndrom Typ I müssen alle Bereiche - und nicht nur der Psychische und der Kommunikative - miteinbezogen werden. Hierzu ist ein Modell entwickelt worden, in dem die notwendigen Ressourcen aufgeführt und in ihrer bestmöglichen Umsetzung beschrieben sind. Es handelt sich dabei um rechtliche, lokale und personale Ressourcen sowie um Ressourcen, welche die Bereiche der Information, der Kommunikation und der Innovation umfassen.

Einige der im Modell vorgeschlagenen Empfehlungen werden beispielhaft für eine Hörgeschädigteneinrichtung - die Paulinenpflege Winnenden - umgesetzt. Die Paulinenpflege befindet sich in der Anfangsphase einer gezielten Förderung hörsehbehinderter Menschen und damit auch in der Anfangsphase einer Förderung von Menschen mit Usher-Syndrom. Neben der Erfassung aktueller Maßnahmen zur Begleitung Betroffener an der Paulinenpflege wird das Augenmerk auf Neuerungen im Bereich der Information und im Bereich der personalen Kompetenzerweiterung gerichtet. Die Ergebnisse der Neuerungen können im Zuge dieser Wissenschaftlichen Arbeit aufgrund der zeitlichen Begrenzung keine Erwähnung mehr finden. Allerdings werden weiter reichende Fragen für die Forschung aufgeworfen.

Das Problem, welches sich bei der Auseinandersetzung mit der Thematik der beruflichen Perspektiven von Menschen mit Usher-Syndrom Typ I vorrangig ergibt, beläuft sich auf fehlende umfassende Daten und daran anschließende Erkenntnisse wie auch Handlungsempfehlungen. Obgleich zahlreiche Veröffentlichungen zum Usher-Syndrom erschienen sind, gestalten sich die Verknüpfungen zu Inhalten, die den Beruf betreffen, als nicht ausreichend. Vor allem in Bezug auf Deutschland existiert nahezu keine Literatur. Hieran ist ersichtlich, dass die Praxis keine theoretische Basis zur Verfügung hat, womit bereits ein Ziel der Wissenschaftlichen Arbeit angesprochen ist: Die Entwicklung einer theoretischen Basis, welche wiederum zur Verbesserung der beruflichen Möglichkeiten Betroffener führen soll.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen zuerst Daten erschlossen werden, die den derzeitigen Stand der beruflichen Perspektiven von Menschen mit Usher-Syndrom Typ I ermitteln. Dies sollte im Kontext der ausgeübten Berufsfelder geschehen, da das Erschließen geeigneter Berufsfelder unterstützend auf die Beschäftigungsaussichten wirken könnte. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse soll es zur Entwicklung eines Modells kommen, welches der Optimierung beruflicher Aussichten Betroffener dient. Die konzeptuellen Überlegungen sind als Handlungsoberfläche für Personen angedacht, die mit Menschen mit Usher-Syndrom Typ I in Kontakt stehen. Neben der Handreichung dieses Leitfadens zur Optimierung der beruflichen Chancen beläuft sich ein weiteres Ziel der Arbeit darauf, zur allgemeinen Information des Fachpersonals oder aber anhand des Literaturverzeichnisses zum Ausgangspunkt für weitere Nachforschungen im Sinne der Eigeninformation über das Usher-Syndrom beizutragen.

Das entwickelte Konzept soll weiterhin allgemein gültig, das heißt institutionenübergreifend einsetzbar sein. Da dies jedoch im Zuge dieser Arbeit nicht überprüft werden kann, ist zumindest ein partieller Einsatz in einer ausgewählten Einrichtung für hörbehinderte Menschen - der Paulinenpflege Winnenden - angedacht. Ziel ist eine praxisnahe Weiterentwicklung des Modells, die auch über die Arbeit hinaus stattfinden soll.

Überdies soll die Arbeit im übergeordneten Sinne dazu beitragen, die Thematik ins Blickfeld der Forschung zu rücken und auf diese Weise einen Anreiz zu bieten, die Untersuchungen diesbezüglich zu intensivieren und auszuweiten. Konkret aufkommende Fragen sollen hierbei als Anknüpfungspunkte für die Forschung dienen. In Hinsicht auf die studentische Leserschaft soll die Arbeit eine Informationsmöglichkeit darstellen und folglich eine Sensibilisierung für die Thematik unterstützen.

[Aus: Autorenreferat]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Berufsbildungswerk der Paulinenpflege Winnenden | REHADAT-Angebote und Adressen




Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


k. A.

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Referenznummer:

R/NV2101


Informationsstand: 17.07.2006

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