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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: BK Tele-Tutoring: Wohnortnahe Qualifizierung zur Bürokauffrau/zum Bürokaufmann mit Teletutoring

In Teil 3: Selbstdarstellung von Projekten



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


1. Vorstellung der Institution
Das Berufsförderungswerk Michaelshoven in Köln ist seit über 30 Jahren eine anerkannte Einrichtung auf dem Gebiet der beruflichen Rehabilitation in Deutschland. Die Kapazität liegt bei rund 1.000 Plätzen in den Bereichen der beruflichen Qualifizierung und vielfältigen Angeboten in deren Vorfeld. Die angeschlossenen Internate bieten rund 500 Teilnehmern Wohn- und Lebensraum, gegebenenfalls mit ihren Kindern. Aufnahme finden auch Betroffene mit speziellen Behinderungsarten, wie Hörbehinderungen, psychische Vorerkrankungen sowie Schwer- und Mehrfachbehinderungen. Träger der Einrichtung ist das Diakoniewerk Coenaculum Michaelshoven, Köln e.V.

Das Unternehmensziel des Berufsförderungswerks Michaelshoven ist auf die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit seiner Teilnehmer ausgerichtet und dient ihrer erfolgreichen Vermittlung und andauernden Wiedereingliederung in Beruf und Gesellschaft. Das Berufsförderungswerk schafft berufliche Neuqualifizierung, die in ihrem Kern auch die Herstellung der persönlichen und gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit fördert. Verwirklicht wird dieses Ziel auf der Grundlage der vom Berufsförderungswerk Michaelshoven entwickelten und bewährten Konzeption der handlungsorientierten und teilnehmerzentrierten beruflichen Ausbildung und einem neuen Qualifizierungssystem mit offenen Qualifizierungsorten, in denen individuelle Ausbildungsplanung und Ausbildung praktiziert wird ... In Teams leisten Fachausbilder und Mitarbeiter der medizinischen, psychologischen und sozialen Fachdienste die Arbeit in allen Angebotsbereichen.

Das Gesamtangebot ist ausgerichtet an den Herausforderungen des zukünftigen Arbeitsmarktes, den besonderen Belangen der Behinderten und den Wünschen der Rehabilitationsträger. Es umfasst u.a. Diagnostik und Berufsfindung/ Arbeitserprobung, eine breite und aktuelle Palette der Qualifizierungsangebote, betriebliche Integrationsförderung und Vermittlungsservice für die Teilnehmer.

Im Bereich der Qualifizierung stehen kaufmännische Berufe, Berufe der Elektrotechnik/Elektronik, Informations- und Telekommunikationstechnik, Mechanik, Zeichentechnik und des Sozialwesens zur Verfügung. Die Qualifizierungsorte verfügen über modernsten Standard. Die meisten Ausbildungen schließen mit Prüfungen vor den Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern ab und dauern in der Regel 24 Monate; das Programm enthält aber auch vom Arbeitsmarkt gefragte Teilqualifizierungen.

2. Projektinformation
Laufzeit: seit 2001
Ziel: Qualifizierung von behinderten und nichtbehinderten Frauen und Männern, die allein erziehend sind, pflegebedürftige Angehörige betreuen oder aus gesundheitlichen und anderen Gründen nicht ganztägig an einer Ausbildung im Berufsförderungswerk teilnehmen können.

Projektdarstellung:
Die Ausbildung besteht aus dem Vorbereitungslehrgang (3 Monate) und der Hauptausbildung (24 Monate). In die Hauptausbildung ist ein betriebliches Praktikum integriert. Sie schließt ab mit der Prüfung vor der Industrie und Handelskammer zu Köln.

Grundsätzliche Idee des Projekts:
Frauen und Männer, deren persönliche Situation eine ganztägige häusliche Abwesenheit während der Ausbildung nicht zulässt, sollen die Möglichkeit erhalten, einen kaufmännischen Berufsabschluss zu erhalten, indem sie ihre Ausbildung nachmittags selbstbestimmt, in freier Zeiteinteilung und zuhause gestalten können. Dazu wird den Teilnehmern während der Ausbildung die notwendige technische Ausstattung bereitgestellt.

Ziele des Projektes:
Bei dieser BK-Online Qualifizierung steht das Ziel der Herstellung der beruflichen Handlungsfähigkeit und die Wiedereingliederung der Teilnehmer in den Arbeitsmarkt im Mittelpunkt, wie bei allen Angeboten des Berufsförderungswerks Michaelshoven. Für die weitgehende Förderung von Schlüsselqualifikationen sorgt ein ganzheitlicher Rehabilitationsansatz, mit dem auch fundierte fachliche Kenntnisse vermittelt werden. Durch den in dieser Qualifizierung erforderlichen ständigen Umgang mit den neuen Medien, insbesondere die Arbeit im Netz, befähigen sich die Teilnehmer auch zur Telearbeit. Dadurch erhöhen sich auch ihre Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt.

Die Fähigkeit und Bereitschaft zu andauerndem Lernen und Weiterbildung wird ebenfalls umfassend gefördert, da man davon ausgehen kann, dass Weiterbildungen und berufsbegleitende Qualifizierungen in Zukunft verstärkt über neue Medien durchgeführt werden.

Konzepte, mit denen die Ziele umgesetzt werden - Handlungsorientierte und teilnehmerzentrierte Ausbildung
Didaktische Grundlage der beruflichen Qualifizierungen im Berufsförderungswerk bildet das Modell einer handlungsorientierten und teilnehmerzentrierten Ausbildung. Die Teilnehmer arbeiten hier vor allem selbstständig in Teams und e rarbeiten sich die jeweiligen Inhalte vornehmlich in praxisnahen Projekten und Qualifizierungseinheiten mit problem- und lösungsorientiertem Ansatz. So werden neben den fachlichen auch die Schlüsselqualifikationen (Methoden, Individual- und Sozialkompetenz) vermittelt und gefördert.

Spezifische Rahmenbedingungen
Die Ausbildungszeiten im Berufsförderungswerk berücksichtigen die spezifischen Bedürfnisse der Menschen in den angesprochenen Lebenssituationen, in denen eine ganztägige Abwesenheit von zuhause nicht möglich ist. Deshalb liegen die Präsenzzeiten im Berufsförderungswerk montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 13.00 Uhr. An den Nachmittagen oder am frühen Abend können die Lerninhalte im Rahmen einer 'handlungsorientierten Praxis' in freier Zeiteinteilung selbstständig zu Hause erarbeitet werden. Während dieser Phasen ist die Möglichkeit gegeben, über das Konferenzsystem auch den Kontakt mit dem Ausbilder aufnehmen zu können.
Schon im Rehabilitationsvorbereitungslehrgang machen die Teilnehmer sich mit der Technik und ihren Möglichkeiten vertraut, so dass im Umgang mit den heute sehr benutzerfreundlichen Medien keine Schwächen und Unsicherheiten zu erwarten sind.

Schon im Vorfeld der Ausbildung besteht ein Beratungsangebot der Fachdienste, in dem die Kinderbetreuung während der Ausbildungszeiten gemeinsam mit den Teilnehmern organisiert wird. Darüber hinaus bietet das Berufsförderungswerk in den Ferienzeiten, wenn Schulen und Kindergärten geschlossen sind, eine Betreuung der Kinder während der Präsenzzeiten, so dass die Teilnehmer von der Last der zusätzlichen Organisation von Kinderbetreuungen frei sind.

Technische Rahmenbedingungen:
Die Teilnehmer benötigen für die Ausbildung nach dieser Konzeption eine technische Ausstattung, die ihnen die Möglichkeit bietet, mit Ausbildern im Berufsförderungswerk oder auch mit anderen Lehrgangsteilnehmern über Bild, Ton und Daten zu kommunizieren. Deshalb wird ihnen für die Dauer der Ausbildung wird den Teilnehmern ein PC mit dem erforderlichen Videokonferenzsystem zur Verfügung gestellt. Außerdem haben sie am PC Zugriff auf ein Mailsystem. So können sie in den bestehenden Arbeitsgruppen oder allein an den jeweils aktuellen Projekten und Aufgaben arbeiten und ihre Ausbildung voranbringen.

Interdisziplinäre Teamarbeit:
Begleitet und betreut wird der Lehrgang von einem interdisziplinär zusammengesetzten Team aus Ausbildern und Mitarbeitern der psychologischen medizinischen und sozialen Fachdienste. Das Team kann individuelle fachliche und sozial-psychologische Betreuung sicherstellen. Die Erfahrungen mit dieser Form der Zusammenarbeit zeigen, dass sich anbahnende Probleme schnell und frühzeitig erkannt, behandelt und gelöst werden können. Sie schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der die Teilnehmer sich selbstständig und unbefangen in die Ausbildung einbringen können.

3. Erfahrungsbericht:
Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Lehrgangs bildet das Modell 'Wohnortnahe Berufliche Rehabilitation für Frauen' unter Einbeziehung von Teletutoring. Es wurde als Pilotprojekt von 1997 bis 1999 vom NRW Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales und Gesundheit finanziell gefördert. Seit 1999 wurde es zum Standardangebot in die Ausbildungspalette aufgenommen und seit 2001 wird es als BK Teletutoring-Angebot zur wohnortnahen Qualifizierung für Frauen und Männer gleichermaßen angeboten.

Das für alle weiteren Projekte grundlegende Modellprojekt ist im Juli 1999 mit der Prüfung der Teilnehmerinnen vor der IHK Köln beendet worden. Dabei bestanden von 17 Frauen 16 die Prüfung im ersten Anlauf, eine Teilnehmerin musste einen Prüfungsteil wiederholen und bestand ein halbes Jahr später. Im Zusammenhang mit dieser und auch den nächsten Prüfungen fielen insbesondere die sehr guten Abschlüsse im mündlich-praktischen Teil auf. Die Teilnehmerinnen zeigten eine hohe kommunikative Kompetenz, eine Fähigkeit, die sie während der Ausbildung intensiv sowohl in herkömmlicher Form als auch im Umgang mit der Kommunikation via PC trainiert hatten.

Die Vermittlungsergebnisse lagen Ende 1999 bei circa 80 Prozent. Seitdem sind die Prüfungs- und Vorbereitungsergebnisse unverändert positiv. Die zugrundeliegende Konzeption des Lehrgangs hat sich in den zurückliegenden Jahren als äußerst tragfähig erwiesen. Es mussten keine wesentlichen Änderungen vorgenommen werden, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Lediglich in Details wurde die ursprüngliche Konzeption durch die Praxis erweitert, zum Beispiel verlegten die meisten Teilnehmerinnen die selbstständige Arbeit vom Nachmittag in die frühen Abendstunden. Die Voraussetzungen, über die das Berufsförderungswerk mit einer handlungs- und teilnehmerzentrierten Ausbildung und der damit verbundenen Einbeziehung der Fachdienste in die Ausbildung verfügt, ermöglichten schnelle und individuelle Unterstützung in Einzelfällen.

Als fördernd erwies es sich, dass in den täglichen Präsenzphasen immer die Möglichkeit bestand, einzelne Probleme, technische oder private, gemeinsam oder mit dem entsprechenden Fachpersonal zu besprechen und zu beheben.

Diese Form der Ausbildung, konzipiert vor allem für Frauen, die Kinder zu betreuen haben, erwies sich auch für einige krankheitsbedingte Probleme als sehr geeignet. Die Möglichkeit, andere Arbeiten zu erledigen oder am Nachmittag eine längere Pause einlegen zu können und die Arbeit flexibel und individuell zu gestalten, ermöglichte einigen Teilnehmerinnen trotz schwerer gesundheitlicher Einschränkungen die Ausbildung zu absolvieren. Aufgrund dieser Erfahrungen wurde die Zielgruppe für die nachfolgenden Angebote erweitert. So nehmen jetzt in den Folgelehrgängen neben allein erziehenden Müttern und Vätern auch Frauen und Männer teil, deren Krankheitsbild diese Form der Ausbildung angeraten erscheinen lässt.

4. Weitere Aktivitäten, die im Zusammenhang mit dem Projekt von Interesse sind:
Nach den Erfahrungen, die seit 1997 mit der Anwendung von Teletutoring in den Angeboten des Berufsförderungswerk Michaelshoven gemacht werden konnten, beteiligt sich das Berufsförderungswerk zur Zeit an einem Forschungsprojekt zur Verbesserung der beruflichen Situation für arbeitsmarktbenachteiligte behinderte Menschen u.a. durch OnlineTraining. (Siehe hier: Zusatzqualifikationen mit OnlineTraining und Ausbau eines Kooperationsnetzwerks mit Betrieben (ZAK-Online)). In diesem Zusammenhang entwickelt das Berufsförderungswerkeinen Lehrgang zur wohnortnahen Qualifizierung zur Industriekauffrau/ zum Industriekaufmann mit Teletutoring (siehe hier: IK-Online PLUS).


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Berufsförderungswerk Köln | REHADAT-Adressen




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/publikationen.h...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0130


Informationsstand: 01.08.2002

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