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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: GMD - Forschungszentrum Informationstechnik: TEDIS - Telearbeit für behinderte Menschen

In Teil 3: Selbstdarstellung von Projekten



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


TEDIS (Teleworking for Disabled People/Telearbeit für behinderte Menschen) ist ein vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) seit zwei Jahren gefördertes Forschungsprojekt, das von der Forschungsgruppe Mensch-Maschine-Kommunikation in der GMD- Forschungszentrum Informationstechnik im Institut für Angewandte Informationstechnik durchgeführt wird.

TEDIS ist ein Beitrag zum Förderprogramm 'Telecooperation - Value Added Services'des BMBF. Förderschwerpunkte dieses Programmes sind die Erforschung neuer Formen von Telekooperation, die Anpassung arbeitsorganisatorischer Konzepte an die Erfordernisse von Telearbeit sowie das Aufdecken von Hinderungsfaktoren für einen erfolgreichen Telearbeitsprozess.

Die GMD-Forschungszentrum Informationstechnik zählt zu den wenigen nationalen Großforschungseinrichtungen, in der an vielen Aspekten der Weiterentwicklung moderner Informations-und Kommunikationstechniken gearbeitet wird. Hierzu zählt auch der Aspekt 'Telekooperation', mit Hilfe dessen es behinderten und älteren Menschen ermöglicht werden könnte, sowohl ein selbstbestimmtes Leben zu führen als auch gleichberechtigt am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben ihrer Umgebung teilnehmen zu können.

So kann durch 'Telekooperation' beispielsweise eine Minderung der negativen Folgen eingeschränkter räumlicher Beweglichkeit von Behinderten erreicht werden, die sich besonders nachteilig auf ihre berufliche Integration auswirkt. Ziel des Forschungsprojektes TEDIS ist es daher, einen prototypischen Telearbeitsplatz für Endbenutzer mit Spezialanforderungen zu entwickeln.

Im Rahmen eines ersten Feldversuchs wurde dazu die internetbasierte Telekooperationsumgebung BSCW (Basic Support for Cooperative Work) zur Ausgestaltung der Telearbeitsplätze von zwei schwerstkörperbehinderten Telearbeitern eingesetzt. BSCW ist ein von der GMD entwickeltes Telekooperationssystem und steht über gängige Internet-Leseprogramme (Browser) unter der Internet-Adresse http: bscw.gmd.de frei zur Verfügung.

Zur Vermeidung von Doppelentwicklungen wurde seit Beginn des Projektes der Entwicklungsstand informationstechnischer Zugangstechnologien für behinderte und ältere Menschen untersucht. Die Ergebnisse sind in der Datenbank STAITHY (State of the Art of Interface Technology for the Handicapped) festgehalten.

Im Unterschied zu anderen kommerziell erhältlichen Datenbanken, konzentriert sich STAITHY auf Prototypen und Neuentwicklungen, die noch in der Entwicklung bei Forschungszentren für Rehabilitationstechnologie stehen. Die meisten Zugangstechnologien in der Datenbank wurden durch behinderte Informationstechnikexperten evaluiert und kommentiert.

Praktische Erprobung der Pilot-Telearbeitsplätze
Die praktische Erprobung der Pilot-Telearbeitsplätze erfolgte im Rahmen einer Technikfolgenabschätzung. Hierzu gehörten die Untersuchung der sozialen Folgen häuslicher Telearbeit, die Erfassung der Telearbeit nach Gesichtspunkten der Einbindung in arbeitsorganisatorische Strukturen, Prozessen der Arbeitsabwicklung und Ablauf der aufgabenbezogenen Kommunikation mit dem auftraggebenden Unternehmen sowie eine Auswertung der Gebrauchstauglichkeit (Usability) des Telekooperationssystems BSWC.

Nachdem Telearbeit über einen gewissen Zeitraum hin durchgeführt worden ist, wurden Einstellungen der beiden behinderten Telearbeiter zur Technik im Allgemeinen und zu den Auswirkungen des Einsatzes von Computern und Telekommunikationssystemen ermittelt. Zusammengefasst ergab sich bei beiden Telearbeitern bezogen auf den Aspekt 'Telearbeit'eine eindeutige Bevorzugung des Arbeitens zu Hause gegenüber einem Arbeitsplatz außer Haus.

Die positiven Aspekte des Einsatzes von Computern und Telekommunikationssystemen überwiegen nach Ansicht der beiden Telearbeiter deutlich gegenüber den Nachteilen. Signifikante Hinweise auf das verstärkte Vorhandensein von Vereinsamungsgefühlen konnten nicht ausgemacht werden. Neben technischen Engpässen, die vorrangig dem Internet- Provider T-Online in Form häufig unzumutbarer Durchsatzraten (etwa 9,6 kbit/ sec.) beim Netzzugang anzulasten sind, litt die praktische Telearbeit zu Beginn insbesondere unter der mangelnden arbeitsorganisatorischen Einbettung der beiden Telearbeiter.

Auf Grund der äußerst zeitnah und zu jeder Zeit offen durchgeführten Technikfolgenabschätzung konnte jedoch auf die festgestellten Widrigkeiten rechtzeitig reagiert werden. Zur Bewertung der Gebrauchstauglichkeit der Telekooperationsumgebung wurden auf die Handhabung von BSCW bezogene 'Usability-Tests' durchgeführt. Während der Erhebungen wurde offenbar, dass für körperbehinderte Endbenutzer die Steuerbarkeit von BSCW erheblich erleichtert werden kann, wenn die feinmotorisch äußerst anspruchsvolle Cursorpositionierung per Maus durch Schaltflächenvergrößerungen, entsprechende Annäherungstoleranzen oder einen vorprogrammierten Tastatur-Cursor erleichtert würde. Die beiden ersten Optionen wurden zwischenzeitlich realisiert. Darüber hinaus wurden weitere Anpassungsleistungen auch für sehbehinderte und blinde Endbenutzer entwickelt beziehungsweise befinden sich noch in Arbeit.

Fortlaufende Forschungsarbeiten
Um Zugangsbarrieren abzubauen und individuelle Fähigkeiten, Präferenzen und Bedürfnisse berücksichtigen zu können, sollte jeder Benutzer mit Spezialanforderungen einen möglichst gleichartigen und dennoch behinderungsspezifisch zugeschnittenen Zugang zu seinem Computerarbeitsplatz haben. Grundsätzlich wird in TEDIS daher versucht, bereits existierende Telekooperationssysteme mit einer generischen und somit möglichst universell einsetzbaren grafischen Benutzeroberfläche auszustatten.

Ist es behinderten Endbenutzern nicht möglich, sich selbst einen derart ubiquitären Computerzugang durch Spezifikation entsprechender Voreinstellungen zu erschließen, so kann er wie in TEDIS bereits realisiert - kontaktlos über das elektronische Medium einer entsprechend vorprogrammierten multifunktionalen Chipkarte bereitgestellt werden, die der behinderte Endbenutzer lediglich bei sich tragen muss. Am 6. April 1997 hat das 'World Wide Web Consortium', das sich über die Vorgabe neutraler Standards und prototypischer Entwicklungen an die Spitze der Weiterentwicklung des Internet gestellt hat, anlässlich der 6. Internationalen Internet-Konferenz in Santa Clara die sogenannte 'Web Accessibility Initiative'(WAI) aufgelegt. Dieses auf drei Jahre angelegte internationale Projekt hat die Verbesserung der 'Gebrauchstauglichkeit' (Usability) des Internet für behinderte Endbenutzer zum Ziel. Die GMD wird sich an diesem Projekt insbesondere im Hinblick auf die Festlegung von 'Normen und Standards' für den Netzzugang beteiligen.

Projektpartner
- GMD (GMD-Forschungszentrum Informationstechnik)
- FTB (Forschungszentrum Technologie-Behindertenhilfe, Volmarstein)
- Siemens-Nixdorf (Projekt: Computer helfen heilen)

Publikation:
Gappa, H.; Hermsdorf, D.; Mermet, S.; Pieper, M.: Teleworking for Disabled People - GMD's TEDIS Project. In: Österreichische Computergesellschaft (ed.): Interdisciplinary Aspects on Computers Helping People with Special Needs. Oldenburg, München, Wien. 1996. S. 267 ff.

Kontaktadresse:
GMD-Forschungszentrum Informationstechnik GmbH
Institut für Angewandte Informationstechnik
Forschungsgruppe Mensch - Maschine - Kommunikation
Schloss Birlinghoven
53754 Sankt Augustin
Kontaktpersonen:
Dr. Michael Pieper; Henrike Gappa
michael.pieper@gmd.de oder
henrike.gappa@gmd.de
http://zeus.gmd.de/hci/projects/tedis

Zur Ergänzung zu diesem Bericht (Abschlussbericht 1998)


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0064


Informationsstand: 01.08.2002

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