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Angaben zum Forschungsprojekt

Optimierung des Rollstuhlkomforts

Viele kranke und behinderte Menschen fühlen sich bei der Rollstuhlauswahl schlecht beraten. Die Qualität vieler Rollstühle ist derart mangelhaft, dass diese für Nutzerinnen und Nutzer eher eine zusätzliche Behinderung als ein Hilfsmittel darstellen. Der Komfort eines Rollstuhls spielt eine wichtige Rolle für die Lebensqualität eines Menschen mit dauerhafter oder vorübergehender Behinderung. Er entscheidet über die Form der Teilhabe an Beruf, Sport und Freizeit. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt umfasst Material- und Konstruktionsprüfungen auf hochschuleigenen Prüfständen, eine wissenschaftliche Umfrage sowie Messreihen mit Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern. Durchgeführt wird es mit 15 Kooperationspartnern aus Nordrhein-Westfalen. Der interdisziplinäre Ansatz des Projektes mit Beteilung der Fachbereiche Maschinenbau sowie Pflege und Gesundheit spiegelt die beiden Facetten des Themas Rollstuhlkomfort wider: Mensch und Technik.

Die Praxiserfahrung zeigt, dass viele Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer sich schlecht beraten fühlen und ihre Rollstühle als nicht individuell, nicht richtig angepasst empfinden. 88 Prozent der Befragten legen sehr großen Wert auf kundenorientierte Beratung. Sie stufen eine ganzheitliche Kundenberatung unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Anforderungen und Wünsche als 'ziemlich wichtig bis äußerst wichtig' ein. In die schriftliche Erhebung mittels Fragebogen wurden neben Rollstuhlnutzerinnen und -nutzern auch Angehörige und Bezugspersonen, therapeutische Fachkräfte, Pflegepersonal, Rollstuhlhersteller und der Fachhandel einbezogen.

Bei den Fragen nach den wichtigsten Kriterien für einen komfortablen Rollstuhl wurden vier Punkte rund 700 mal als 'ziemlich wichtig bis äußerst wichtig' angekreuzt. Für etwa 93 Prozent der Befragten ist eine körpergerechte, gut angepasste Sitzposition ein Hauptkriterium für Komfort, rund 84 Prozent legen Wert auf eine hohe Kippsicherheit und Fahrstabilität, mehr als 85 Prozent sprechen sich für ein große Wendigkeit und Manövrierbarkeit aus und mehr als 84 Prozent nennen einen geringen Kraftaufwand (bei der eigenen Handkraft genauso wie bei der Schubkraft einer Begleitperson).

Der Wunsch nach Komfort und die tatsächlichen Anwendungsbedingungen divergieren bei Rollstühlen stark. Es gibt große Unterschiede bei der Leicht- beziehungsweise Schwergängigkeit von Rollstühlen. Die Ergebnisse einer Messreihe der FH Bielefeld mit einem Rollstuhlergometer mit Kraftsensor, der den Fahrwiderstand eines Rollstuhls messen kann, ergaben Rollwiderstandswerte von enormem Unterschied (bis zu Faktor 30) - abhängig von Hersteller und Modell, aber auch von der Bereifung. Das Fazit: Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer leisten viel. Die Ergebnisse liegen zwischen zehn und 450 Watt (Mittelwert 210 Watt).

Die Leichtgängigkeit eines Rollstuhls hängt auch mit der Radkonstruktion und dem Reifenmaterial zusammen. Auch die richtige Verlagerung des Körperschwerpunktes beim Fahren spielt eine beträchtliche Rolle - und damit eine gute Fachberatung bei der Auswahl und Einweisung. Die Untersuchung eines Rollstuhlherstellers hat ergeben, dass beim Rollstuhlfahren mehr als 90 Prozent der aufgebrachten Energie in die Fortbewegung verloren gehen. Die Forschungsergebnisse belegen, dass manuelle Rollstühle optimierungsbedüftig sind, genauso wie die Beratung und Begleitung bei der Auswahl eines Rollstuhls und die Einweisung in seine Nutzung.

Künftig sollen weitere Untersuchungen an den Prüfständen des Fachbereichs Maschinenbau am Standort Am Stadtholz durchgeführt werden. Hier sollen verschiedene Rollstuhlmodelle unterschiedlicher Hersteller unter die Lupe genommen werden: Räder und Rollsysteme, Sitzpolsterung, Armlehnen sowie die Rohrkonstruktionen aus Aluminium, Karbon oder Stahl. Die mittelfristige Zielsetzung ist der Einsatz optimierter Materialien und die Änderung der Geometrien, um den Rollwiderstand zu verringern, gekoppelt mit einer optimalen Kraftübertragung und einer Verbesserung der Sitzergonomie.

Gemeinsam mit dem Fachhandel und Therapiekräften werden Vorschläge erarbeitet, um die künftige Hilfsmittelberatung zu verbessern. Auf der technischen Seite werden die Ergebnisse in Kooperation mit Rollstuhlherstellern ausgewertet und in die Produktion eingebunden. Rollstühle sollen durch innovative Werkstoffauswahl und Konstruktion leichter und leichtgängiger gemacht werden. Auf diese Weise soll mehr Komfort und weniger Kraftaufwand für Rollstuhlnutzerinnen und -nutzer erreicht werden und ihnen somit mehr Lebensqualität ermöglicht werden.



Beginn:

01.01.2005


Abschluss:

31.12.2008


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO3661


Informationsstand: 17.10.2018