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Angaben zum Forschungsprojekt

Hafen - Segel setzen - Hafen Köln

Der "Hafen Köln" bietet eine breite Palette an Unterstützungs- und Stabilisierungsangeboten sowie bedarfsabhängiger Beratung durch Träger verschiedener Rechtskreise und Projektpartner unter einem Dach.

In einer fünfmonatigen Vorphase, die am 1.2.2020 begonnen hat, werden die wesentlichen Vorbereitungen für die anschließende aktive Phase geschaffen. Diese Zeit wird benötigt, um eine geeignete Immobilie im Kölner Stadtgebiet anzumieten und an die Bedürfnisse des Projekts und der Teilnehmenden anzupassen. Neben der Herrichtung von Büro- und weiteren Projekträumen, der Bereitstellung der IT- und Kommunikationseinrichtungen, wird es insbesondere auch um die barrierefreie Ausgestaltung der Projekträume gehen. Die Barrierefreiheit ist die Voraussetzung, damit Teilnehmende nicht deshalb ausgeschlossen sind, weil sie sich in den Räumen nicht orientieren oder frei bewegen können. Sie ist ein wesentlicher Baustein zum Gelingen des Projekts.

Ebenfalls in dieser Phase wird die Akquise von geeignetem Personal durch das Jobcenter Köln erfolgen. Dies umfasst die Projektleitung, die Teamleitung, die Lotsen und JobCoaches, die Empfangskraft sowie das für die Abrechnung benötigte Personal. Erfolgen wird hier auch - in einem zweiten Schritt - die Suche des Personals zur Nachbesetzung. Die Letztempfänger werden ebenso verfahren.

Des Weiteren wird diese Phase genutzt, um Vergaben für Leistungen durchzuführen, die für das Projekt benötigt werden. Dazu gehört die Ausschreibung der Erstellung sowie Hosting und Pflege der Homepage, die Datenbank und die Supervision. Abgeschlossen werden in dieser Vorphase auch die Kooperationsvereinbarungen auf der Basis der Bewilligung und den vorliegenden Letter of Intent.
Um direkt im Anschluss an die Vorphase in die aktive Projektphase einsteigen zu können, erfolgt hier die Gewinnung der ersten Teilnehmenden, die zum 01.07.2020 ins Projekt einsteigen.

Die aktive Projektphase gliedert sich dabei für die Teilnehmenden in vier Abschnitte auf: (1) Orientierung, (2) Umsetzung, (3) Stabilisierung und (4) Nachsorge.
Der Einstieg erfolgt für die Teilnehmenden grundsätzlich über Informationsveranstaltungen, zu denen sie von den Integrationsfachkräften und Fallmanagerinnen bzw. Fallmanagern eingeladen werden. Dem schließt sich ein Erstgespräch mit einem Lotsen/einer Lotsin an, in der die Teilnahme festgehalten wird. Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig.

Ein Wechsel in einen nächsten Abschnitt erfolgt fließend, wird aber mit den Teilnehmenden abgestimmt sein. Dabei werden Ziele und Vereinbarungen schriftlich festgehalten. Abhängig von erzielten Erkenntnissen während der Projektteilnahme werden die Zielvereinbarungen entsprechend angepasst. Auch um die Selbstverantwortung zu stärken und den Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit späterer Ergebnisse schon frühzeitig zu verdeutlichen, werden die Teilnehmenden gleichberechtigt in die Kommunikation eingebunden.

Die einzelnen Teilnehmenden werden im Schnitt acht bis neun Monate im Projekt verbringen. Grundsätzlich dauert die Teilnahme aber so lange, wie sie sinnvoll und notwendig ist. Auch Wiedereinstiege sind möglich.

(1) Die Orientierung beginnt mit einem ausführlichen, ressourcenorientierten Assessment durch die Lotsen. Obligatorisch wird von allen Teilnehmenden jeweils ein erstes Gespräch mit der Medizinerin/dem Mediziner und dem Psychologen/der Psychologin geführt. Auf den Ergebnissen aufbauend wird mit den Teilnehmenden eine individuelle Zielvereinbarung erstellt. Gegebenenfalls sind vor Erstellung der Zielvereinbarung weitere Abklärungen notwendig, die im Einzelfall veranlasst werden. Sollten die nicht nur vorübergehenden gesundheitlichen Einschränkungen nicht bereits mit Eintritt ins Projekt gutachterlich bestätigt sein, so wird in diesem Abschnitt eine ärztliche Begutachtung durchgeführt.

(2) Während der sich anschließenden Umsetzung wird an der individuellen Zielerreichung gearbeitet. Dazu gehören wöchentliche Beratungsgespräche mit den Lotsen/innen ebenso wie die Teilnahme an Angeboten, die der "Hafen Köln" vorhält. Dazu gehören insbesondere Gesundheitscoachings, die Angebote eines Sportscouts und die Angebote/Maßnahmen (Re-)Kreativ-Arbeit und Reha-Wiedereingliederungsmanagement.

Neben der Beratung durch die Lotsen wird in diesem Abschnitt auch die Beratung durch den Reha-Träger Bundesagentur für Arbeit im "Hafen Köln" erfolgen. Potenzielle Rehabilitandinnen und Rehabilitanden werden hier beraten, ihr Bedarf an Rehabilitation wird geprüft und die Teilhabeplanung gemeinsam erarbeitet. Für Teilnehmende in der Zuständigkeit der Deutschen Rentenversicherung wird es im Rahmen der Fallkonferenzen eine koordinierte und begleitete Übergabe in die Beratung und Teilhabeplanung geben.

In den Abschnitt der Umsetzung fällt auch die Stellenakquise für die Teilnehmenden durch die JobCoaches. Teilnehmende, die sich im Absolventenmanagement nach einer beruflichen Rehabilitation befinden oder Teilnehmende, die sich ohne eine solche Maßnahme in Richtung Arbeitsmarkt orientieren, sollen durch die Unterstützung der JobCoaches integriert werden.

(3) Während der Stabilisierung und Nachsorge sollen die Teilnehmenden auf die Zeit nach Ende der Projektteilnahme und auf die nachhaltige und selbstverantwortliche Umsetzung der erreichten Ziele und Vereinbarungen vorbereitet werden. Diese wird mit Angeboten wie einem Coaching bei Arbeitsaufnahmen oder im Rahmen des Gesundheitscoachings flankiert.

Nicht alle Angebote lassen sich abschließend auf einen Abschnitt der jeweiligen Projektteilnahme aufteilen. Einige Elemente finden sich in der Regel zu Beginn der Maßnahme wieder wie das obligatorische Erstgespräch mit der psychologischen Beratung und der Medizin-Check. Die Angebote der medizinischen und psychologischen Begleitung ziehen sich aber durch die gesamte aktive Projektteilnahme. Grundsätzlich gilt jedoch, dass ein Angebot, unabhängig von jeweiligen Projektabschnitt, immer dann besucht werden kann, wenn es sinnvoll und notwendig ist.

Das Projekt "Hafen Köln" schließt mit einer fünfmonatigen Nachbereitungsphase ab. In dieser initiiert und begleitet die Projektleitung die Umsetzung der Verstetigung. Erste Vorstellungen, wie das gesamte Projekt oder bestimmte auch nach Projektende verstetigt werden können, werden bereits noch in der aktiven Projektphase erarbeitet. Dazu wird in dieser Phase auch weiterhin die wissenschaftliche Begleitung und die Zusammenarbeit im Steuerkreis genutzt. Gemeinsam soll am Wissenstransfer in das zu verstetigende Angebot gearbeitet. Zudem werden in dieser Phase auch die Teilnehmenden befragt, die zuletzt in das Projekt eingetreten sind. Auch die Ergebnisse und Erkenntnisse von diesen im Übergang befindlichen Teilnehmenden sollen in die abschließende Evaluation einfließen.

Im Modellprojekt betreut werden sollen Kundinnen und Kunden aus dem Leistungssystem SGB II, bei denen komplexe gesundheitliche Einschränkungen, die nicht nur vorübergehend sind, und bei denen die Motivation zur Veränderung an der gesundheitlichen Situation bestehen.
Die erste Teilgruppe besteht aus potenziellen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden. Bei dieser Gruppe liegen Hinweise auf Rehabilitationsbedarfe vor bzw. sind diese schon amtsärztlich abgeklärt und eine Empfehlung zu Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben ausgesprochen worden. Insbesondere sind hier Personen mit einer psychischen oder einer Hörbehinderung angesprochen. Für diese beiden Personengruppen fehlen im Regelgeschäft die passenden Angebote und Kenntnisse, um diesen eine ihrer Behinderung gerecht werdenden Unterstützung zu geben.

Durch die künftige Beratung und Betreuung in einem interdisziplinären Team soll diese Kundengruppe der potenziellen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden profitieren. Die gezielte Überprüfung der Rehabilitationsbedarfe und Anbindung an die Beratung des zuständigen Trägers der Rehabilitation entspricht dem Ziel des Modellvorhabens, frühzeitig zu intervenieren und dadurch verhindern, dass eine Erwerbsunfähigkeit eintritt.

Weiterhin werden auch Rehabilitandinnen und Rehabilitanden im Rahmen des Absolventenmanagements betreut. Auch hier sollen durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Lotsen, der Reha-Beratung der Agentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung sowie der JobCoaches nachhaltigere Effekte bei der Integration in Beschäftigung erzielt werden. Die gezielte Integration von Reha-Absolventinnen und -Absolventen verhindert, dass die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten wieder entwertet werden. Zudem kann die Aufnahme einer Beschäftigung zur weiteren Stabilisierung und Verbesserung der gesundheitlichen Situation beitragen. Dies kann insbesondere der Fall bei Personen mit psychischen Erkrankungen der Fall sein. Ergänzt wird diese Teilgruppe durch Kundinnen und Kunden, die eine Maßnahme der beruflichen Rehabilitation abgebrochen haben. Mit diesen soll an dem Ziel der erneuten Aufnahme einer beruflichen Rehabilitation oder geeigneten Alternativen gearbeitet werden.

Die dritte Teilgruppe besteht aus den Kundinnen und Kunden mit gesundheitlichen Einschränkungen, die einen Neuantrag auf Leistungen nach dem SGB II stellen. Diese werden durch das Projektteam gefiltert, ob sie die oben genannten formalen Kriterien erfüllen und des Weiteren noch stabile Rahmenbedingungen aufweisen. Als stabil werden Rahmenbedingungen angesehen, für die innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate eine positive Prognose zur Aufnahme einer Beschäftigung oder beruflichen Rehabilitation bzw. zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation oder sozialen Teilhabe als Vorstufen für eine berufliche Rehabilitation gestellt werden kann. Diese Kundinnen und Kunden werden ebenfalls ins Modellprojekt aufgenommen.

Insgesamt ist für die gesamte Projektlaufzeit eine Teilnehmendenzahl von 750 geplant. Angeboten werden durchgängig 175 Teilnehmerplätze, davon 125 Plätze für den Personenkreis der über 25jährigen und 50 Plätze für unter 25jährige. Die durchschnittliche Teilnahmedauer liegt voraussichtlich bei acht bis neun Monaten. Freiwerdende Plätze werden unmittelbar nachbesetzt. Die für den "Hafen Köln" angestrebte Gesamtteilnehmendenzahl hat sich aus der Abwägung zwischen zwei Bedingungen ergeben. Zum einen soll sie eine ausreichende Größe erreichen, um übertragbare Erkenntnisse zu liefern, die auf die Grundgesamtheit von Menschen übertragbar ist, für die eine gesundheitlich angemessene Beschäftigung realisiert werden soll. Des Weiteren soll die Gesamtzahl der Teilnehmenden so gewählt sein, dass das Projekt gleichzeitig kostenangemessen umsetzbar ist. Die Größe der organisatorischen Innovation sollte so ausfallen, dass ein Transfer bei positiven Resultaten auch realistisch anzustreben ist.

Für das gesamte Projekt wird mit 175 Teilnehmendenplätzen im Jahr geplant, bei einer individuellen aktiven Mitarbeit von durchschnittlich acht bis neun Monaten, die in Ausnahmefällen auch darüber hinausgehen kann. Bei der Kalkulation der tatsächlich damit zu erreichenden Zahl an Menschen (Output) ist davon ausgegangen worden, dass durchschnittlich alle 8,5 Monate 175 Teilnehmende neu beginnen, auch wenn tatsächlich freiwerdende Plätze laufend nachbesetzt werden. Im Verlauf des Projekts wird erwartet, dass die größte Intensität der Begleitung in den ersten gut sechs Monaten liegt und diese Intensität in den darüberhinausgehenden Zeitabschnitten zurückgehen wird, so dass dann Teilnehmende aus verschiedenen Eintrittskohorten auch parallel betreut werden können. Insbesondere im ersten Jahr wird das Projektteam mit dem Aufbau und Ausbau von Kooperationen im Einzelfall und einzelfallübergreifend sowie mit der Erarbeitung erster Handlungsstandards stärker beschäftigt sein als in den Folgejahren, wenn es darum geht, diese in der Praxis zu überprüfen und anschließend anzupassen.

Aufgrund der Freiwilligkeit der Teilnahme erfolgt bei Abbruch durch die Teilnehmenden keine Sanktion. Vielmehr wird im Falle eines vermuteten oder geplanten Abbruchs oder bei nachlassender Mitwirkung durch Teilnehmende versucht, Ursachen zu eruieren und gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, mit der ein Verbleib in der Maßnahme möglich wird.



Beginn:

01.02.2020


Abschluss:

30.11.2023


Art:

Gefördertes Projekt / Modellprojekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS); Bundesprogramm "Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben - rehapro"



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125923


Informationsstand: 14.04.2020