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Bibliographische Angaben zur Publikation

Intensivierte medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitationsnachsorge: Ergebnisse der randomisiert kontrollierten Multicenter-Studie

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Briest, Juliane; Bethge, Matthias


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 260-262


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Die Intensivierte medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitationsnachsorge (IMBORENA) ergänzt die herkömmliche Intensivierte Rehabilitationsnachsorge (IRENA) um die vier Module Arbeitsplatzbezogenes Training, berufsbezogene psychosoziale Gruppen, Sozialberatung und Entspannungsverfahren. Bei der Teilnahme an einer IMBORENA sollten mindestens drei der vier Module mit einer für jedes Modul definierten zeitlichen Mindestdosis wahrgenommen werden (Mindestumfang 435 Minuten). Die spezifischen Angebote der IMBORENA ersetzen dabei einen Teil der herkömmlichen IRENA (24 Termine je 90 bis 120 Minuten). Ziel der von uns durchgeführten Studie war die Überprüfung der Wirksamkeit der IMBORENA im Vergleich zur herkömmlichen IRENA.

Methodik:

Die Wirksamkeit der IMBORENA wurde in einer randomisiert kontrollierten Multicenter-Studie überprüft. Teilnehmer wurden in 11 ambulanten Rehabilitationszentren rekrutiert. Die Interventionsgruppe erhielt die IMBORENA, die Kontrollgruppe die IRENA. Schriftliche Befragungen wurden am Beginn der Nachsorge (T1) und sechs Monate später (T2) durchgeführt.

Eingeschlossen wurden erwerbstätige orthopädische Rehabilitanden im Alter von 18 bis 65 Jahren mit
a) mindestens 3-monatiger Arbeitsunfähigkeit im Jahr vor Beginn der Rehabilitation oder
b) aktueller Arbeitsunfähigkeit am Nachsorgebeginn oder
c) ungünstiger subjektiver Erwerbsprognose.

Primäre Zielgröße war der Work Ability Index (WAI) (Ilmarinen, 2007). Sekundäre Zielgrößen waren unter anderem die Skalen des SF-36 und die Arbeitsunfähigkeitsdauer.

Ergebnisse:

Etwa die Hälfte (55 Prozent) der 307 Studienteilnehmer war weiblich (Durchschnittsalter 46,5 Jahre; SD = 10,2). Im Durchschnitt waren die Studienteilnehmer vor ihrer Rehabilitation 9,4 Wochen arbeitsunfähig (SD = 4,7). 241 Personen (78,5 Prozent) nahmen an der Befragung zu T2 teil. Die Behandlungsgenauigkeit der IMBORENA entsprechend des definierten Leistungsumfangs war lediglich moderat. 66,2 Prozent der IMBORENA-Patienten erhielten mindestens 75 Prozent der definierten minimalen Gesamtdosis. Die Behandlungsgenauigkeit variierte auf Klinikebene stark. Lediglich in sechs der elf teilnehmenden Rehabilitationszentren wurden im Mittel mindestens 75 Prozent der definierten minimalen Gesamtdosis erbracht und sowohl das arbeitsplatzbezogene Training als auch die psychosozialen Module substantiell abgebildet. Beide Gruppen erreichten eine moderate Verbesserung auf dem WAI. Der Zwischengruppeneffekt zugunsten der IMBORENA war marginal und nicht signifikant (Standardisierte Mittelwertdifferenz [SMD] = 0,01; p = 0,921).

Die Arbeitsunfähigkeitsdauer verringerte sich in beiden Behandlungsgruppen deutlich (IMBORENA: Standardisierte Effektstärke [SES] = 1,38; IRENA: SES = 1,21), allerdings in vergleichbarer Höhe (SMD = 0,12; p = 0,371). Die Chance einer stabilen beruflichen Wiedereingliederung (erwerbstätig und innerhalb der letzten 3 Monate höchstens 1 Woche arbeitsunfähig) war für die IMBORENA etwas, aber nicht signifikant günstiger (OR = 1,69; p = 0,081). In beiden Behandlungsgruppen waren insbesondere auf der körperlichen Rollenfunktionsskala und der Schmerzskala des SF-36 deutliche Verbesserungen beobachtbar. Allerdings zeigten sich nur marginale und nicht signifikante Effekte zugunsten der IMBORENA. In jenen Kliniken, die das Anforderungsprofil konsequent umgesetzt hatten, waren die Effekte insgesamt günstiger, blieben aber auf geringem Niveau. Die durchgeführten Moderatoranalysen zeigten, dass die Behandlungseffekte für stärker belastete Patienten, zum Beispiel Personen mit geringen Werten auf dem WAI, höher ausgeprägt waren. Stark beeinträchtigte Personen erreichten in der IMBORENA signifikant günstigere Ergebnisse als in der IRENA (körperliche Funktionsfähigkeit: SMD = 0,32; p = 0,031; Arbeitsunfähigkeitsdauer: SMD = 0,41; p = 0,020).

Schlussfolgerung:

Die IMBORENA führte nicht zu günstigeren Behandlungsergebnissen. Die Behandlungsgenauigkeit bei der Umsetzung der IMBORENA war trotz der vorangegangenen Implementierungsphase lediglich moderat; vor allem der multimodale Ansatz wurde in einigen Rehabilitationszentren nicht ausreichend berücksichtigt. Zum jetzigen Zeitpunkt liefert die Studie keinen Nachweis dafür, dass sich durch die Dissemination der IMBORENA die Ergebnisse der Rehabilitationsnachsorge verbessern lassen. Allerdings deuten die Ergebnisse auch an, dass stark beeinträchtigte Rehabilitanden insbesondere bei konsequenter Umsetzung der IMBORENA durchaus günstigere Ergebnisse erreichen können als in der herkömmlichen IRENA.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362263


Informationsstand: 17.04.2014

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