Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Beruflich orientiertes Reha-Modul für die Neurologie (BoReM-N): Ergebnisse zum Katamnesezeitpunkt 6 Monate nach Reha

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Menzel-Begemann, Anke; Hemmersbach, Alexander


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 259-261


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Die in den 1990er Jahren begonnenen Bestrebungen (Neuderth, Vogel, 2000), nicht erst im Nachgang der medizinischen Rehabilitation die berufliche Reintegration zu fokussieren, sondern bereits frühzeitig - innerhalb der medizinischen Rehabilitation - diagnostische und therapeutische Maßnahmen auf die Förderung der Rückkehr in den Beruf auszurichten, mündeten in eine Vielzahl von Behandlungsansätzen (Löffler et al., 2012). Zunächst mit der Novellierung des SGB IX (§ 11) im Jahre 2001, das seither 'eine stärkere Ausrichtung auf den nahtlosen Übergang zwischen Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA)' vorsieht (Deutsche Rentenversicherung Bund, 2011), wurde jüngst auch mit dem Anforderungsprofil der Deutschen Rentenversicherung zur Durchführung der Medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) der Forderung und Nachfrage nach evidenzbasierten Angeboten, Maßnahmen und Konzepten Nachdruck verliehen. Das beruflich-orientierte Reha-Modul, das zunächst für den Einsatz in der Neurologie entwickelt, seit Ende 2012 aber auch zur Übertragung in die Orthopädie modifiziert wurde, stellt eine solche - in der Terminologie des Anforderungsprofils - beruflich orientierte Kernmaßnahme dar, die mit finanzieller Unterstützung der Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften Nordrhein Westfalen (GfR NRW e.V.) im Rahmen einer randomisierten Kontrollstudie evaluiert wird.

Intervention:

Ziel des BoReM-Ansatzes ist (vgl. auch das BOMeN-Konzept, Menzel-Begemann, 2012), PatientInnen durch eine frühzeitige Auseinandersetzung mit möglichen Erkrankungsfolgen für Problemsituationen im Alltag zu sensibilisieren. Kernstück des Ansatzes sind Arbeitssimulationen, bei denen die motorischen, kognitiven und sprachlichen Leistungen im Zusammenspiel gefordert werden. Die PatientInnen erhalten auf die individuellen beruflichen Anforderungen bezogene Arbeitsaufträge, die den dreistündigen Umgang mit berufstypischen Inhalten und Materialien fordern. Neben 14 berufsspezifischen Modulen steht ein berufsübergreifendes Erwerbsfähigkeits-Modul (EfM) für körperliche und kognitiv-sprachliche Tätigkeiten zur Verfügung, bei denen sich die Anforderungen an sozialmedizinischen Kriterien zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben orientieren. Die erste Durchführung eines Aktivitäten-Moduls dient der Einschätzung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben. Der weitere jeweils dreistündige Einsatz der Arbeitsmodule erfolgt unter therapeutischer Perspektive und wird begleitet von einer intensiven Patientenschulung (Menzel-Begemann, Hemmersbac, im Druck).

Methode/Fragestellung:

Die Evaluation erfolgt mittels randomisierter kontrollierter Interventionsstudie in zwei Einrichtungen. Neben der Erfassung patientenbezogener Maße soll als zentrale Fragestellung beantwortet werden, ob das beruflich orientierte Reha-Modul (BoReM) die Reintegrationsrate in der Interventionsgruppe bis 15 Monate nach der Rehabilitation signifikant steigern kann. Bei den zum Frühjahr 2013 vorliegenden Daten sollen zunächst die Bewertungen der Rehabilitand(inn)en zum ersten Katamnesezeitpunkt - sechs Monate nach der Behandlung - fokussiert werden.

Ergebnisse:

Die Analysen (Stand 28.10.2012) zeigen, dass sich von denjenigen, die sechs Monate nach der Rehabilitation wieder einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, zwei Drittel der nach dem Standard Behandelten gut auf den beruflichen Wiedereinstieg vorbereitet fühlten, während mit knapp 85 % signifikant mehr der beruflich orientiert Behandelten diese Aussage treffen konnten (x²=.007, V=.338). Auf berufliche Schwierigkeiten trafen gut 32 % der nach dem Standard Behandelten, während dies bei lediglich 15,7 % der beruflich orientiert Behandelten der Fall war (x²=.075, V=.254). Unabhängig von einer bereits erfolgten beruflichen Wiedereingliederung bejahten gut 36 % der Kontrollgruppe, dass ihnen die verschiedenen Schulungen viel gebracht haben, während dieser Aussage mit 64 % signifikant mehr Personen der Interventionsgruppe zustimmen konnten (x²=.002, V=.309). Den Vorsprung des beruflich orientierten Vorgehens unterstreichen auch die Ergebnisse zum Reha-Ende, in denen zum Ausdruck kommt, dass sich die Interventionsgruppe auch zu diesem Zeitpunkt signifikant besser auf die Rückkehr in den Beruf vorbereitet fühlte (Zustimmung Interventionsgruppe 82,9 %, Kontrollgruppe 62,7 %, x²=.009, V=.229) und durch die Reha einen besseren Blick für die Stärken und Schwächen im Alltag gewonnen hatte (Zustimmung Interventionsgruppe 85,6 %, Kontrollgruppe 61,6 %, x²=.000, V=.293).

Diskussion:

Die Zwischenergebnisse lassen erkennen, dass das beruflich orientierte Vorgehen im Rahmen des Reha-Moduls, das insbesondere auf Erfahren, Erkennen und Einschätzen eigener Stärken und Schwächen zur Vorbereitung auf die anstehenden beruflichen Herausforderungen setzt, in der Lage ist, unter anderem das Krankheitsbewusstsein zu fördern und die Betroffenen besser auf die Rückkehr in den Beruf vorzubereiten als die Standard-Behandlung. Neben dem auf Basis der Patientenbewertungen festgestellten Nutzen wird es jedoch auch erforderlich und interessant sein, einerseits reintegrationsbezogene Parameter in den Blick zu rücken, andererseits den langfristigen Erfolg der Maßnahme und damit die Daten bis zum letzten Katamnesezeitpunkt - 15 Monate nach der Rehabilitation - zu betrachten.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357341


Informationsstand: 05.06.2013

in Literatur blättern