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Bibliographische Angaben zur Publikation

Nur jeder zweiten Patientin mit Brustkrebs gelingt vollständige berufliche Reintegration


Autor/in:

Deutsche Fatigue Gesellschaft


Herausgeber/in:

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV); Verband der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV)


Quelle:

Versicherungsmedizin, 2005, 57. Jahrgang (Heft 1), Seite 43-44, Karlsruhe: Verlag Versicherungswirtschaft, ISSN: 0933-4548


Jahr:

2005



Abstract:


Die berufliche und soziale Reintegration wird bei Brustkrebspatientinnen durch Tumor- und therapiebedingte Nebenwirkungen wie Fatigue, Depressionen, Ängste oder neurologische Beeinträchtigungen stark erschwert. Aufgrund dieser Nebenwirkungen ist es nur etwa der Hälfte der Brustkrebspatientinnen möglich nach Abschluss der Behandlung in ihr normales Leben zurück zu kehren. Das ist das Fazit der Deutschen Fatigue Gesellschaft.

Nach Abschluss der Behandlung stellen sich viele Patientinnen die Frage, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. Dies betrifft besonders Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs, die oftmals das fünfzigste Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Sie werden aus ihrem sozialen und beruflichen Zusammenhang gerissen. Auch noch ein Jahr nach der Behandlung leiden etwa 20 Prozent der Frauen unter Angstzuständen und circa 12 bis 15 Prozent unter Depressionen. Das Selbstwertgefühl ist stark gestört und die Frauen fühlen sich in ihrer weiblichen Identität stark beeinträchtigt. Folgen hiervon sind erhebliche sexuelle Probleme und Schwierigkeiten in der Partnerschaft. Des Weiteren treten auch neuropsychologische Leistungseinschränkungen wie Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen auf.

Am häufigsten Leiden die Frauen unter Fatigue (70 bis 80 Prozent) . Diese Erkrankung äußert sich durch ein ausgeprägtes Gefühl von Müdigkeit und Erschöpfung beziehungsweise Kraft- und Antriebslosigkeit. Fatigue wird von den meisten betroffenen als das am stärksten belastende Symptom angesehen, noch vor Schmerzen und Übelkeit. Bis zu 40 Prozent der Patientinnen leiden auch lange nach Behandlung unter einem chronischen Fatigue-Zustand.

Die meisten Frauen wollen in ihr normales Arbeitsleben zurückkehren. Das gibt ihnen eine Perspektive und stärkt ihr Selbstbewusstsein. Hierdurch kann sich die psychische Befindlichkeit verbessern was auch der Krankheitsverarbeitung zuträglich ist. So ist der Stellenwert der beruflichen Reintegration immens gewachsen auch deshalb, weil viele der Erkrankten noch im erwerbsfähigen Alter sind.

Der VDR bewilligt jährlich über eine Millionen stationäre Reha-Leistungen im Wert von 5 Milliarden Euro. Nach den Muskel - und Skeletterkrankungen sind Krebserkrankungen der zweithäufigste Grund für eine stationäre Nachsorge. Allein im Jahr 2002 entfielen auf die onkologische Rehabilitation 132007 Maßnahmen, allein 35656 davon auf Brustkrebspatientinnen. Diese Zahlen spiegeln den enormen Nachsorge Bedarf von Brustkrebs-Patientinnen wider. Auch deshalb weil etwa 61 Prozent der erkrankten Frauen die Rehabilitation in Anspruch nehmen. Patienten mit der Diagnose Unterleibs,- beziehungsweise Verdauungstrakskrebs nehmen im Vergleich nur zu 32 Prozent diese Leistung an. Bei Männern beträgt die Quote sogar nur 15 Prozent, egal um welche Art von Krebserkrankung es sich handelt.

Ziel der Reha ist es,
- das Fortschreiten eines chronischen Leidens aufzuhalten sowie Verluste oder Einschränkungen von Funktionen und Aktivitäten ganz oder teilweise zu beseitigen,
- eine angemessene Einstellung zur Erkrankung zu fördern, einschließlich eines gesundheitsgerechten Verhaltens,
- die Belastungen und Anforderungen in Beruf, Gesellschaft und Familie zu analysieren und gezielt an deren Bewältigung zu arbeiten und
- eine angemessene Krankheitsverarbeitung und deren Verbleib im Berufsleben oder die erfolgreiche Rückkehr ins Berufsleben zu unterstützen.

Integraler Bestandteil der Nachsorge ist die psychosoziale Beratung und Betreuung. Darunter versteht man zum einen die psychologische Betreuung, wie zum Beispiel das erlernen von Entspannungsverfahren aber auch physikalische Therapien wie Krankengymnastik oder Ernährungsberatung.

Ein Blick auf die Statistik belegt das Brustkrebspatientinnen mehr als andere Krebskranke von der stationären Rehabilitation profitieren. So konnten 50 Prozent der Erkrankten voll und elf Prozent teilweise 1999 in ihren Beruf zurückkehren. Bei anderen Krebspatienten liegt diese Quote nur bei 40 Prozent der Vollzeit- und 9 Prozent der Teilzeitbeschäftigten.

Der positiven Tendenz steht jedoch die hohe Zahl der Frauen gegenüber die nicht ins Arbeitsleben zurückkehren. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind viele der Frauen durch ihre Erkrankung nur noch bedingt belastbar und zum anderen wird die Situation durch die Veränderung des Arbeitsmarktes beziehungsweise den härteren Bedingungen der Arbeitswelt erschwert.

Das Symposium der Deutschen Fatigue Gesellschaft kommt zum dem Schluss, dass gerade Brustkrebspatientinnen eine besonderen Rehabilitationsbedarf benötigen und gerade die berufliche Wiedereingliederung für jüngere Patientinnen ein wichtiges Ziel ist, weil hierdurch der gesamte Prozess der Krankheitsverarbeitung beschleunigt werden kann und die Frauen wieder in ein normales Leben zurückkehren können. Diese Fakten finden Berücksichtigung bei der Entwicklung neuer Methoden um die Leistungsfähigkeit der Reintegration weiter zu verbessern. Auch soll es zu einer stärkeren Vernetzung der medizinischen beziehungsweise beruflichen Rehabilitation kommen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Versicherungsmedizin
Homepage: https://www.vvw.de/index.php?parent=260&idcat=266&namesub=Ze...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0083/0029


Informationsstand: 01.04.2005

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