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Bibliographische Angaben zur Publikation

Arbeitsbedingtheit depressiver Störungen

Zur Bedeutung arbeitsbedingter Faktoren für das Auftreten depressiver Störungen - Workshop vom 1. Juli 2004 in Berlin



Sammelwerk / Reihe:

Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Band Tb 138


Autor/in:

Jacobi, Frank; Hegerl, Ulrich; Siegrist, Johannes [u. a.]


Herausgeber/in:

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)


Quelle:

Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW, 2005, 75 Seiten: PDF, ISBN: 3-86509-276-4


Jahr:

2005



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Abstract:


Seit einigen Jahren wird von einer allgemeinen Zunahme depressiver Störungen berichtet, teilweise wird sogar von einer neuen Volkskrankheit gesprochen. Laut Techniker Krankenkasse leidet inzwischen einer von zehn kranken Beschäftigten an psychischen Störungen, nach den Rückenschmerzen der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Es erhebt sich die Frage, in welcher Beziehung depressive Erkrankungen zur Arbeitstätigkeit stehen, ob sie lediglich im Kontext mit der Arbeit auftreten, arbeitsassoziiert oder unmittelbar arbeitsbedingt sind.

Der Workshop Zur Bedeutung arbeitsbedingter Faktoren für das Auftreten depressiver Störungen sollte dem Ziel dienen, die arbeitsmedizinische Bedeutung dieser aktuellen Thematik aus den Blickwinkeln der verschiedenen Fachdisziplinen herauszuarbeiten. Gleichzeitig wurden Hinweise für weiteren Forschungsbedarf aus der Sicht von Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz erwartet. Der Workshop sollte nicht zuletzt einer Verständigung und Vernetzung zwischen den Experten aus den Fachgebieten Medizin, Psychologie, Soziologie und Rehabilitation dienen und gegebenenfalls deren Augenmerk auf den nicht zu unterschätzenden Einfluss von Arbeit auf die psychische Gesundheit richten.

Wichtige Voraussetzung für eine zielführende Diskussion waren Definition beziehungsweise Diagnose der Depression. Der zu beobachtende inflationäre Gebrauch des Begriffs bei vorübergehenden Stimmungstiefs ist einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht dienlich.

Begriffliche Klarheit im Sinne der Unterscheidung zwischen vorübergehenden Stimmungstiefs und depressiven Episoden gemäß der Internationalen Klassifikation ICD 10 ist gefordert: die depressive Episode gemäß ICD10 geht mit definierten psychischen Symptomen einher und wird häufig von zugehörigen körperlichen Symptomen begleitet. Typische Symptome sind danach beispielsweise eine gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit und Verminderung des Antriebs. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind beeinträchtigt.

Die in der Literatur angeführten Ursachen der Depression schließen arbeitsbezogene Faktoren, wie Fehlbelastungen, chronische Überlastung und Stress, wenig Licht und Bewegung, Angst vor Arbeitsplatzverlust zumindest als den Krankheitszustand verschlimmernde Faktoren ein. Offen bleiben jedoch Fragen über Wechselwirkungen von individueller Prädisposition und der Wirkung von arbeitsbedingtem chronischem Stress.

Erwartungsgemäß wurden die zahlreichen noch offenen Fragen in diesem Workshop nicht geklärt, die Beiträge aus den verschiedenen Fachdisziplinen vermitteln jedoch dem interessierten Leser einen nachhaltigen Eindruck über die dringliche Notwendigkeit der Erforschung und stärkeren Berücksichtigung des Faktors Arbeit bei Prävention, Therapie, Rehabilitation und Wiedereingliederung von Erwerbstätigen mit depressiven Störungen.

[Aus: Verlagsinformation]

Aus dem Inhalt:

I. Der Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und psychischen Störungen aus epidemiologischer Perspektive (F. Jacobi)
II. Wege zur besseren Versorgung depressiver Patienten (U. Hegerl)
III. Chronischer Distress im Erwerbsleben und depressive Störungen: epidemiologische und psychobiologische Erkenntnisse und ihre Bedeutung für die Prävention (J. Siegrist, A. Rödel)
IV. Zusammenhang zwischen Arbeit und Depression - ein Überblick (R. Rau)
V. Forschungsstand und Forschungsperspektive aus arbeitspsychologischer Sicht zum Zusammenhang zwischen Erwerbstarbeit und Depressivität (G. Mohr)
VI. Erschöpfung und Depression in der (modernen?) Arbeitswelt aus Sicht der stationären psychosomatischen Rehabilitation (M. Winkler)


Weitere Informationen:


Englisches Abstract

Work-related factors of depressive disorders


Abstract:


A general increase of depressive disorders has been reported over the last years, and depressive disorders are sometimes even discussed as a new epidemic disease. According to the TK Health insurance company one of ten ill employees suffer from mental health disturbances, i. e., the second frequent cause of sick notes after back pains. The question arose whether and to what extent depressive disorders are related with work load and working conditions.

The workshop 'Relevance of work related factors for the occurrence of depressive disorders' aimed at elaborating the importance of this actual topic for occupational medicine from the viewpoint of the different disciplines involved. Furthermore, the workshop aimed at advancing the communication among the experts of diverse disciplines (medicine, psychology, sociology and rehabilitation) so that they turn their attention to the significant influence of work on mental health. At the same time, indications of open problems and furthr research needs for oddupational medicine were expected from the experts in the course of the deliberations.

An important precondition for a successful discussion was the reference to definition and diagnosis of depression. The inflationary use of a medical term for description of temporary mood changes is not helpful for scientific considerations. Conceptual clarity is required to distinguish between temporary mood changes and major depressive episodes defined according to the International Classification ICD 10 with typical mental and physical symptoms.

Causes of depressive episodes as specified in literature include work-related factors, e.g. inappropriate work load, chronic overload and stress, lack of light and little physical activity or fear of loseing one´s job. At least these factors may contribute to the worsening of a depressive episode. However, the interaction of individual predisposition and the influence of work-related chronic stress is still an open question.

As expected, not all problems could be solved in this workshop. However, the contributions by the experts from the different disciplines leave the impression that research is really needed in this domain, particularly with regard to increased consideration of the factor 'work' in prevention, therapy, and rehabilitation of employees with major depressive episodes.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerk / Forschungsergebnis / Tagungsdokumentation / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Fachverlag NW im Carl Schünemann Verlag
Homepage: https://www.schuenemann-verlag.de/fachverlag-nw/verlag/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV3011


Informationsstand: 17.07.2007

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